VonArmin Forsterschließen
In Moosburg soll eine Birkenallee gefällt werden. Weil das bei vielen für Unverständnis sorgt, haben nun gleich mehrere Parteien neue Ideen präsentiert.
Moosburg – Bringt die von den Stadträten beschlossene Fällung der Birkenallee in der Dr.-Schels-Straße neuen Schwung in die Debatte um eine Baumschutzverordnung (Erläuterung siehe letzter Absatz) in Moosburg? Einem Statement auf Facebook zufolge denkt der SPD-Ortsverband jedenfalls über die Wiedereinführung einer solchen Regelung nach.
Auslöser seien „die Ereignisse“ in dem Straßenabschnitt gewesen, schrieben die Genossen unter Bilder von den Protest-Plakaten, die anonyme Aktivisten an die Birken gebunden hatten. Auch die Grünen könnten die umstrittenen Abholz-Pläne zum Anlass nehmen, die von ihnen jahrelang bekämpfte Aufhebung der Baumschutzsatzung erneut auf die Tagesordnung im Stadtrat zu heben.
Grünen wollen einen Gutachter bestellen
Hintergrund: Vergangene Woche hatte eine Mehrheit im Bauausschuss entschieden, mehrere rund 80 Jahre alte Sandbirken den Kettensägen freizugeben. Grund sind überfällige Arbeiten an der Dr.-Schels-Straße, die sich allerdings deutlich aufwendiger gestalten würden, wenn die Bauarbeiter auf das Wurzelwerk der Bäume achtgeben müssten. Mit zwei Gegenstimmen der Grünen beschloss das Gremium, dass der westliche Teil der Dr.-Schels-Straße (von Münchener bis Breitenbergstraße) voll ausgebaut werden soll – inklusive Birken-Fällung. Die Allee werde nach den Arbeiten neu angepflanzt.
Die Entscheidung der Räte fußte auf einer Einschätzung der Stadtgärtnerei, wonach diese davon ausgeht, dass die Bäume mit rund 80 Jahren das Ende ihrer Lebensdauer erreicht haben. Es sei möglich, dass neben den zwei bereits erkrankten und gefällten Birken auch die übrigen in ihrer Statik ein Risiko darstellen würden. Sicher wisse man es jedoch erst nach dem Fällen. Daraufhin regte sich Widerstand – da Sandbirken bis zu 150 Jahre alt werden können.
Die Grünen verlangen nun nach einem unabhängigen Gutachten über den Zustand, bevor man den Bäumen zu Leibe rückt. Sollte eine Fällung unvermeidbar sein, plädiere man aus Gründen der Sicherung des Mikroklimas und des Stadtbilds für die Anpflanzung von mindestens acht Meter hohen Ersatz-Bäumen, schreiben die Wortführer in ihrem Antrag. Auch die Widerstandsfähigkeit hinsichtlich Klimawandel und Allergiewirkung solle berücksichtigt werden. Überdies will man prüfen lassen, ob nicht sogar ausgewachsene Bäume vom städtischen Areal an der alten B11 an die Dr.-Schels-Straße versetzt werden können. Dort soll nämlich in Kürze die Montessori-Schule entstehen.
Freie Wähler fordern eine Anwohner-Befragung
Auch die Freien Wähler reagieren mit einem Antrag auf die Kritik von Anwohnern und aus den sozialen Netzwerken. Um die „erhitzten Gemüter zu beruhigen“, bringen sie einen dreiteiligen Fragebogen für Grundstückseigentümer des Quartiers ins Spiel.
Erstens: „Sind Sie, wie vom Bauausschuss beschlossen, für einen fachgerechten Vollausbau der Dr.-Schels-Straße und der dafür unumgänglichen Fällung des derzeitigen Baumbestands? Selbstverständlich wird in diesem Fall die Neupflanzung einer ansprechenden Allee mit möglichst großen Pflanzen in die Planung eingearbeitet und auch erfolgen.“ Zweitens: „Sind Sie für den Erhalt des derzeitigen Zustands und somit für den Erhalt der Bäume? Selbstverständlich wird die Stadt auch weiterhin ihrer Straßensicherungspflicht nachkommen und entsprechende Belag-Ertüchtigungen veranlassen.“ Und drittens: „Sprechen Sie sich für die Aufstellung eines Bebauungsplans in Ihrem Quartier aus?“
Eines ist also gewiss: Die Stadträte werden die Dr.-Schels-Straße bald wieder auf der Tagesordnung vorfinden.
Zankapfel Baumschutzverordnung: Ein heiß diskutiertes Thema in Moosburg
Für Naturfreunde war der 12. März 2007 ein rabenschwarzer Tag, so mancher Moosburger Grundstücksbesitzer jedoch jubelte: An jenem Montag vor gut zwölf Jahren kippte der Stadtrat mit einer stabilen Mehrheit von 16:6 Stimmen die Baumschutzverordnung. Fortan lag es im Ermessen der Grundstücksbesitzer, ob sie unliebsame Bäume – unabhängig von ihrem Alter und Umfang – umsägen, oder nicht. Eine Genehmigung war nicht mehr nötig. Der Antrag des Eigenheimervereins, der dem Beschluss vorausging, hatte an der Verordnung den Eingriff in das Grundrecht auf Eigentum und Besitz kritisiert. Der Passus habe, so argumentierte der damalige Vorsitzende Hermann Riemann, nicht dazu geführt, mehr Grün in die Stadt zu bekommen – sondern das Gegenteil bewirkt: Die Moosburger würden weniger Bäume pflanzen oder sie rechtzeitig vor dem Greifen der Verordnung fällen. Kurz keimte im Oktober 2012 noch einmal Hoffnung bei den Baumschützern auf, als die Kommunalaufsicht die formale Art der Aufhebung monierte und der Stadtrat erneut über das Thema entscheiden musste. Doch auch dieses Mal votierten nur Vier im Gremium gegen die Verordnung.
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