Begründung umstritten

Birkenallee soll für Straßensanierung geopfert werden - Kreativer Protest in Moosburg

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In der Moosburger Innenstadt soll eine jahrzehntealte Birkenallee weichen, weil sie Straßenarbeiten im Weg steht. Stadträte und Bürger kritisieren das Vorhaben.

Moosburg – Der Untergrund der Dr.-Schels-Straße im Süden der Altstadt ist marode, seit 2015 beschäftigt sich die Moosburger Bauverwaltung mit dem Abschnitt. Mittlerweile wurden der Abwasserkanal und die Straßenentwässerung auf Vordermann gebracht. Fehlt noch die Wasserleitung. Weil für deren Sanierung ein Vollausbau der Straße geplant ist, muss aus Sicht der Rathaus-Verantwortlichen ein großer Teil der Birken-Allee gefällt werden. Als Ersatz sollen neue Bäume gepflanzt werden.

An diesem Punkt gingen am Montag im Bauausschuss die Meinungen weit auseinander. Vor allem die Grünen-Räte hatten kein Verständnis für die Empfehlung der Stadtgärtnerei, wonach zahlreiche Sandbirken, die der Straße einen besonderen Charakter verleihen, weichen müssten. Mit zirka 80 Jahren, so die Einschätzung der Gärtner, seien sie am Ende ihrer Lebensdauer angelangt, die nach Expertenmeinung in diesem städtischen Bereich liege. Die Statik der Bäume sei überdies ungewiss und ein Straßenausbau um die Birken herum extrem aufwendig. 

Grüne Kritiker glauben an fast doppelt so lange Lebensdauer der Bäume

„Ich habe mich erkundigt“, warf Evelin Altenbeck (Grüne) ein. „Die Lebensdauer der Sandbirke liegt bei bis zu 140 Jahren. Da fehlen also noch einige.“ Ihr Fraktionskollege Alfred Wagner hatte gar 150 Jahre ermittelt. Altenbecks Informationen nach seien lediglich zwei Bäume krank. „Die Birken sind sehr wichtig für das Klima in diesem Bereich.“ Man müsse sie doch „gerade in der heutigen Zeit schützen“. 

Josef Dollinger (FW) gab zu, kein Fachmann für Birken zu sein, doch er wisse, „dass der Umbau den Bäumen nicht gut tut“. Er sehe es nachhaltig: „Lasst uns was vernünftiges anpflanzen, dann haben wir kein Flickwerk.“ Und die Umgebung mit den vielen großen Gärten sei ohnehin grün, da mache er sich keine Sorgen ums Kleinklima.

Anonymer Protest mit kreativen Plakat-Botschaften

Martin Pschorr (SPD) war es vor allem wichtig, „dass wir beim Ausbau der Straße endlich Klarheit schaffen“. Seiner Meinung nach gehe die Stadtgärtnerei sehr restriktiv mit Baumfällungen um, weshalb er Vertrauen in die Einschätzung habe.

Kreativer Protest: Unbekannte behängten die Bäume mit Botschaften.

Mit acht Stimmen, gegen zwei der Grünen, legte der Bauausschuss schließlich fest, dass der westliche Teil der Dr.-Schels-Straße, also von der Münchener bis zur Breitenbergstraße, voll ausgebaut wird – inklusive Birken-Fällung. Im östlichen, deutlich kürzeren Restabschnitt, reicht laut Stadt eine Sanierung ohne Eingriff in den Birken-Bestand.

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So mancher Bürger sieht den Beschluss offenbar ebenfalls kritisch, wie sich in den Tagen nach der Sitzung zeigte: Unbekannte haben Pappschilder an die Bäume gebunden, mit lyrischen, witzigen aber auch verurteilenden Texten – offenbar als Zeichen des Protests. Die Botschaften reichen von einem Goethe-Zitat bis hin zu „In meiner Krone erblickten 729 Babyvögel das Licht der Welt“.

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