Auftritt im Festzelt

Chris Boettcher in Heilbrunn: Parodie-Feuerwerk ohne roten Faden

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Chris Boettcher begeisterte im Festzelt des Trachtenvereins Buchbergler in Bad Heilbrunn. Leider ließ die Besucherzahl diesmal zu wünschen übrig.

Kabarettist Chris Boettcher hatte das Publikum im Festzelt in Heilbrunn schnell auf seiner Seite. Er lieferte viele Pointen - nur eines fehlte: Der rote Faden.

Bad Heilbrunn „I war scho amoi da – und da war mehra los“, bedauerte der Kabarettist Chris Boettcher am Samstag im Festzelt bei seinem Auftritt mit dem aktuellen Programm „Freischwimmer“ nicht zu unrecht. Während beim Gaufest 2016 noch „full house“ war, hätten am Vorabend des 100-jährigen Jubiläums des Trachtenvereins Buchbergler schon noch ein paar Trachtler und sonstige Besucher Platz gehabt. Dann wär‘s im Zelt vielleicht ein bisschen wärmer geworden. So musste sich der aus Ingolstadt stammende Comedian und Radiomoderator ganz allein ins Zeug legen, um die Zuhörer zu erwärmen.

Das bereitete dem seit Jahren erfolgreich durch Oberbayern tingelnden Parodisten, Sänger und Dichter aber keinerlei Probleme, schon nach ein paar Minuten war das Publikum in Wiesn-Stimmung – und das sollte auch die folgenden zweieinhalb Stunden (zwischendrin gab‘s eine halbe Stunde Pause) so bleiben.

Zuerst machte er dem Auftrittsort humorigen Honneurs, als aufmerksamer Zeitungsleser und Beobachter hatte er natürlich genau beobachtet, was sich in Bad Heilbrunn seit seinem letzten Auftritt verändert hatte. Kreisverkehr und Unterführung hätten die Rentner als Schulweglotsen arbeitslos gemacht, dafür gäb’s jetzt das Café Speckerbäck – der Frauen Lebenszweck. „Bad Heilbrunn is echt a Schau“, resümiert er, auch wenn die Sparkasse jetzt passé sei.

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Ein bisschen internationaler ging’s dann weiter, angefangen von Conchita Wurst über Florian Silbereisen bis zu Trump und zum türkischen Präsidenten, gefolgt vom Ungarn Viktor Orbán, dem er das Lied „Ein Zaun, der meinen Namen trägt“ in den Mund legte. Natürlich sang auch Beckenbauer („Gute Freunde kann man kaufen…“) und Angie Merkel kam gleich mehrfach an die Reihe. Über die Shopping Queen ging es zu den Kochshows und zur TV-Nackedei-Serie Adam und Eva, wobei man sich angesichts des vielen Silikons im Wasser wieder den Weißen Hai zurückwünsche, so Boettcher.

Während andere Kabarettisten im aktuellen TV-Programm ihre mehr oder minder witzigen Pointen gelegentlich arg überstrapazieren und öfter auch mal unter die Gürtellinie abrutschen, kommt man bei Boettcher mit dem Zuhören kaum mit. Ein musikalisches und parodistisches Feuerwerk nach dem anderen wurde abgebrannt, wobei man sich manchmal fragt, wann hat der 55-Jährige auf der Bühne überhaupt noch Zeit zum Atmen hat. Aber vielleicht hat er sich ja seine deutlich älteren Lieblingsfeinde Herbert Grönemeyer, Peter Maffey und Udo Lindenberg zum Vorbild genommen. Deren von Boettcher in der jeweiligen Stimmlage parodierte Pizza- und Dönerbestellung am imaginären Telefon war allein schon den Eintrittspreis für den Abend wert. Doch da folgten erst noch Diät- und Erziehungstipps für die Eltern sowie das bekannte Lied vom Bockfotzngsicht.

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Dass Jogi Löw und Howard Carpendale nicht fehlen durften, versteht sich von selbst. Man hatte den Eindruck, Boettcher könnte mit Zugaben noch ein ganze Weile so weitermachen, wobei da auch der einzige Kritikpunkt an seiner Einmann-Show mit Körper, Stimme und Keyboard zu finden wäre: Ein richtiger roter Faden durch die Anhäufung von Lachern war nicht auszumachen. (kb)

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