Neuer Airport in Albanien

Nach Protesten: Flughafen München steigt aus umstrittenem Projekt in Albanien aus - „Sollten daraus lernen“

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Flamingos vor der Flughafen-Silhouette (Aufnahme vom Februar): Wenn der Airport in Albanien den Betrieb aufnimmt, wird es damit vorbei sein, befürchtet der BN.
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Der Flughafen München wird aus dem umstrittenen Airport-Neubau in Albanien aussteigen. Das wurde am Dienstag (8. April) im Stadtrat bekannt.

München – Er gilt als Europas letzter Wildfluss und wird derzeit mit Landebahn und Tower verbaut: Der Fluss Vjosa in Albanien. Die dortige Regierung treibt den Bau des internationalen Flughafens Vlora voran – trotz heftigen Widerstands von örtlichen Naturschützern und Kritik der europäischen Kommission und des Europaparlaments. Das Projekt hat eine Verbindung zu München: Denn die Tochtergesellschaft der Flughafen München GmbH, Munich Airport International (MAI), ist dabei beratend tätig. Wie am Dienstag (8. April) im Stadtrat München bekannt wurde, zieht sich MAI Ende April aus dieser Tätigkeit zurück. Die Grünen begrüßen das in einer Mitteilung, mahnen aber an, dass derartig fragwürdige Engagements künftig unterlassen werden müssen.

Flughafen München beteiligt sich an Airport-Neubau: Kritik von EU-Parlament und Kommission

Laut Stadträten habe das Projekt europaweit Kritiker: Neben EU-Parlament und Kommission hat auch der Ständige Ausschuss der Berner Konvention des Europarates die Regierung in Tirana aufgefordert, den Bau zu stoppen. Lokale Umweltorganisationen sind gegen das Projekt vor Gericht gezogen. Sie fürchten, dass einer der letzten europäischen Naturräume und die Lebensgrundlage seltener Vogelarten unwiederbringlich zerstört werden. Die Grünen hätten bereits 2023 darauf hingewiesen, dass diese Beteiligung im Widerspruch zur Nachhaltigkeitsstrategie des Münchner Flughafens stehe. In der aktuellen Sitzung des Wirtschaftsausschusses am Dienstag (8. April) wurde zudem eine Petition behandelt, die ebenfalls den Rückzug des Airports aus diesem Projekt fordert.

Da nun bekannt wurde, dass sich MAI ohnehin in Kürze aus Vlora zurückziehen wird, wird der in der Forderung in der Petition nun zumindest teilweise entsprochen. Allerdings mahnt die Grüne-Fraktion an, dass dieser Rückzug dauerhaft sein muss – eine Hintertür darf es nicht geben. Zudem müssten der Flughafen und seine Tochtergesellschaften künftig genauer hinsehen, was ihre Engagements betrifft. Der Airport habe sich schließlich seinen Nachhaltigkeitszielen verschrieben. Engagements, die große Umweltzerstörung mit sich bringen würden, sollten deswegen gar nicht erst ins Portfolio aufgenommen werden.

Grünen-Chef fordert Flughafen München auf, künftig Projekte auch Nachhaltigkeit rigoros zu prüfen

„Es ist nicht richtig, dass sich der Flughafen München über Tochtergesellschaften an einem Projekt beteiligt hat, das im völligen Gegensatz zur eigenen Nachhaltigkeitsstrategie steht“, sagt Grünen-Chef Sebastian Weisenburger. „Selbst wenn es nur um Beratungstätigkeiten geht.“ Es sei gut, dass dies nun ein Ende finde. Das Projekt sei vor Ort hoch umstritten, mehrere albanische Umweltorganisationen versuchten mit großen Anstrengungen, die Zerstörung eines einzigartigen Naturraums zu verhindern. „Auch auf EU-Ebene stößt das Projekt auf Ablehnung. Der Münchner Flughafen sollte aus Vlora lernen und künftig vorab rigoroser prüfen, ob ein Vorhaben zur eigenen Nachhaltigkeitsstrategie passt oder ihr komplett entgegensteht.“

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