VonChristiane Mühlbauerschließen
Mit dem Tölzer Adventssingen wird die Stadt heuer besondere Aufmerksamkeit erregen – und zwar nicht nur in der Region. Gezeigt wird das Weihnachtsspiel von Carl Orff. Bei der Umsetzung hilft auch Murmel Gold, Weltmeisterin im Bodypainting.
Bad Tölz – Mit Carl Orff ist das so eine Sache: Die einen lieben den Komponisten, andere denken mit Schaudern an ihn. Klaus Wittmann, seit acht Jahren Regisseur und Vortragender des Tölzer Adventssingens, hat als einziger Sprecher in Deutschland die Rechte für alle bairisch-sprachigen Werke von Carl Orff – und es ist dem Tölzer ein großes Anliegen, dass Orffs reichhaltiges Werk neben der omnipräsenten Carmina Burana nicht in Vergessenheit gerät. „Seit drei Jahren gehe ich mit der Idee schwanger, Orffs Weihnachtsspiel in Tölz auf die Bühne zu bringen“, sagt Wittmann. Gemeinsam mit Musikschulleiter Harald Roßberger wurde nun beschlossen: „Jetzt ist die Zeit reif dafür.“
Das Tölzer Adventssingen, das seit acht Jahren ein treues Stammpublikum hat, bietet heuer am 7. und 8. Dezember also etwas ganz Neues. „Das ist auch unser Anspruch, die Weihnachtsgeschichte jedes Jahr mit einem anderen Blickwinkel zu präsentieren“, sagt Wittmann. Allerdings sei man sich auch bewusst, mit Orff heuer ein Wagnis einzugehen. „Wir wissen, dass wir damit vielleicht auch spalten“, sagt Wittmann. Doch man scheue sich nicht davor. Die beiden bezeichnen es als „Luxus“, in Tölz und Umgebung so viele motivierte Musiker, Schauspieler und Sänger gefunden zu haben, die das Projekt mittragen.
Das Stück war bundesweit bislang kaum zu sehen
Das Weihnachtsspiel, das den lateinischen Titel „Ludus de nato infante mirificus“ trägt, ist in mehrerlei Hinsicht etwas Besonderes. Zum einen ist es mit 50 Minuten Dauer nicht besonders lang. Zum anderen wurde es seit der Uraufführung 1960 in der ganzen Bundesrepublik nicht mehr als fünfmal aufgeführt – „weil die Herausforderungen für so ein kurzes Stück einfach gewaltig sind“, sagt Wittmann. Zudem habe Orff verfügt, dass man davor und danach nichts anderes aufführen dürfe. Auch deshalb, so Wittmann, sei es für größere Bühnen nicht attraktiv.
Auch der Inhalt ist etwas Besonderes. In drei Teilen wird von der Geburt Jesu berichtet. Im Mittelpunkt stehen fünf Hexen und fünf Hirten. Die Hexen erfahren, dass ein Paar unterwegs ist, das den Heiland bringen soll, und wünscht ihm den Tod herbei. Dabei wird das Stück eindringlich, rasend, ja auch derb. Warum Hexen? „Für Orff sind es Figuren, die zum Winter gehören. Sie haben ja ihren Ursprung in den Perchten“, sagt Wittmann.
Die Hirten, die dem Paar (Maria und Josef kommen im Stück nicht konkret vor) Unterschlupf gewähren, symbolisieren die Menschheit. Sie können nicht glauben, dass ein Retter für diese Welt kommen soll. „Die Hirten stellen sich Fragen, die wir heute auch haben, nämlich, ob es Gott wirklich gibt oder nicht“, sagt Wittmann. Zum Schluss verkündet der Chor der Engel die Geburt des Heilands.
Rund 50 Musiker, Sänger und Schauspieler arbeiten an der Umsetzung. Orff einzustudieren, ist nicht leicht, denn der Komponist verwendet neben altbairischen Ausdrücken auch Latein. Geprobt wird derzeit fast jeden Tag: „Zuerst jeder Bereich für sich, dann fassen wir alles zusammen“, erklärt Roßberger. Im Projektchor singen Mitglieder der Pfarrei Maria Himmelfahrt und aus Fischbach. Die Instrumente werden von Lehrern und Schülern der Musikschule gespielt.
Bodypainting-Weltmeisterin Murmel Gold arbeitet am Projekt mit
Das Tölzer Publikum wird auf der Bühne bekannte lokale Künstler sehen: Sängerin Sonja Schroth verkörpert die Oberhexe. Die Hirten spielen unter anderem Norbert Weinhuber, Franz Schwaighofer und Franz Apfel. Sie alle werden von Murmel Gold in Szene gesetzt. Die Königsdorferin ist Weltmeisterin im Bodypainting und hat sich für das Weihnachtsspiel etwas ganz Außergewöhnliches einfallen lassen – mehr wird noch nicht verraten. Um das Bühnenbild kümmert sich Karl-Heinz Bille vom Marionettentheater.
Wittmann und Roßberger sind gespannt, wie die Aufführung angenommen wird. Es sei, betonen sie, eine „einmalige Gelegenheit“, dieses Werk von Orff in vollem Umfang zu sehen. Denn:„Das wird es so schnell nicht mehr geben“, sagt Wittmann.
Das Weihnachtsspiel wird am Samstag, 7. Dezember, um 19 Uhr und am Sonntag, 8. Dezember, um 18 Uhr im Tölzer Kurhaus aufgeführt. Für die Besucher werden Einführungen angeboten: Am Samstag um 17.45 Uhr und am Sonntag um 16.45 Uhr im Salettl. Karten zum Preis von 25, 18 und 12 Euro gibt es ab sofort in der Musikschule (Tel. 08041/70204), in der Tourist-Info (Tel. 08041/786715), beim Tölzer Kurier (Tel. 08041/789111) und über München-Ticket.

