Tagung „Schlehdorfer Impulse“

So gelingt neues Leben in alten Klöstern

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Für 4,2 Millionen Euro will die Wogeno München das Kloster Schlehdorf kaufen – vorausgesetzt, es klappt mit allen baurechtlichen Genehmigungen.
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Wie bleiben Orte auf dem Land attraktiv? Dieses Thema stand im Mittelpunkt der Tagung „Schlehdorfer Impulse“. Dabei ging es auch um die Zukunft und Umwandlung von Klöstern.

Schlehdorf – Zum zweiten Mal hatte der Deutsche Werkbund Bayern zu dieser Fachtagung eingeladen, die sich vornehmlich an Architekten, Städteplaner, Vertreter von Kommunen und Fachleute aus dem Bereich Handwerk richtet. „Land schafft Ort“, lautete diesmal der Titel, und 65 Interessierte waren der Einladung gefolgt. Unter professioneller Moderation gab es am Freitagnachmittag Projektvorstellungen und Diskussionsrunden. Zudem konnten sich die Teilnehmer am Samstag im Rahmen einer Exkursion unter anderem über die Kloster-Entwicklungen in Schlehdorf und Beuerberg informieren.

Die Vorstellungen waren vielfältig, das Interesse groß und die Diskussionen lebhaft. „Oft gehen Gemeinden davon aus, dass Bürger in erster Linie Einfamilienhäuser wollen“, sagte Architektin Stefanie Seeholzer, betraut zum Beispiel mit der Ortsentwicklung von Kirchanschöring (Landkreis Traunstein). „Aber das stimmt nicht. Auch Wohnung sind gewünscht, und zwar in allen Größen.“ Für die Attraktivität eines Dorfes spiele die Nahversorgung für den Bürger eine entscheidende Rolle, sagte Andreas Horsche, der Bürgermeister von Furth im Wald. Schaffe man ein Gemeindezentrum, „dann sollte dies idealerweise nicht an der viel befahrenen Hauptstraße liegen. Da verliert man Aufenthaltsqualität“.

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Furth im Wald verbindet mit Schlehdorf, dass auch dort eine Ordensgemeinschaft in Auflösung begriffen ist. Bürgermeister Horsche berichtete ausführlich über den Prozess, die Gebäude und die Flächen der Maristen-Schulbrüder 2015 für 5,5 Millionen Euro zu kaufen. „Das war die längste Gemeinderatssitzung meines Lebens.“ Letztlich habe man ein Kommunalunternehmen gegründet, um das Kloster zu kaufen und anhand eines Masterplans umzuwandeln.

Heute ist das Kloster ein Seminar- und Schulungszentrum, das zu einem Gutteil von der Bayerischen Verwaltungsschule genutzt wird. „Die Bürger standen von Anfang hinter unserem Projekt“, berichtete Horsche. „Die Menschen im Ort haben ein ganz emotionales Verhältnis zu ,ihrem‘ Kloster. Ich denke, das ist in anderen Gemeinden ähnlich“, sagte Horsche. Seiner Erfahrung nach sei es sehr wichtig, dass ein Kloster nach der Umwandlung noch weiter einen Bezug zur Region habe und zugänglich sei.

Peter Schmidt von der Wogeno (vorne, links) und Schwester Josefa Thusbaß berichteten den interessierten Zuhörern über die Entwicklungen zum Verkauf des Klosters Schlehdorf.

Unter dem Titel „Neue Wege für alte Mauern“ wird in Furth derzeit zusammen mit einem Projektpartner an der Errichtung einer Schaubrauerei und eines Museums gearbeitet. Auf einem anderen Teil des einst großen Kloster-Areals entsteht privater Wohnraum.

Die Kirche der Maristen wurde entweiht. „Wir waren gespannt, welche Reaktionen auf diese Bekanntgabe folgen würden, denn vor diesem Schritt hatten viele Angst. Aber interessanterweise gab es gar keine Proteste“, berichtete Horsche. Die derzeit noch 18 Maristen wohnen in einem Gebäude auf dem Areal.

Die Zuhörer verfolgten mit Spannung, wie Schwester Josefa Thusbaß von den Missionsdominikanerinnen und Peter Schmidt, Vorstandsmitglied der Wohnungsbaugenossenschaft (Wogeno) München, über den Prozess in Schlehdorf sprachen. Wie berichtet, wird die Wogeno das Kloster erwerben. Sr. Josefa blickte zurück auf 2004, als man die Schule in die Trägerschaft der Erzdiözese übergab und 2008 erste Überlegung anstellte, wie die Zukunft der Missionsdominikanerinnen aussehen könnte, denn Ordensnachwuchs war nicht mehr ausreichend in Sicht. „Wir wollten uns das Heft nicht aus der Hand nehmen lassen“, sagte Josefa. „Deshalb haben wir früh die Weichen gestellt.“ Die Schwestern leben seit gut einem Jahr in einem eigens errichteten Neubau mit Hauskapelle neben dem Kloster. „Aus dem historischen Gebäude auszuziehen, ist vielen Mitschwestern nicht leicht gefallen“, sagte Sr. Josefa. Heute würden jedoch alle den Komfort des Neubaus schätzen. Dieser ist übrigens baurechtlich als Heim eingestuft, barrierefrei gebaut und kann eines Tages entsprechend umgenutzt werden.

Seit man das historische Gebäude, das die Missionsdominikanerinnen 1904 bezogen, 2016 erstmals ausgeschrieben hatte, gab es mehr als 50 Kauf-Interessenten, so Sr. Josefa. „Über die meisten konnte man nur den Kopf schütteln.“ Von Seiten der Erzdiözese bestand kein Interesse, das Gebäude zu kaufen. Es sei Glück gewesen, dass eines Tages die Wogeno gekommen sei. Deren Probebetrieb lief jetzt eineinhalb Jahre.

Derzeit finden zwischen Orden und Wogeno die finalen Vertragsgespräche statt, sagte Schmidt auf Nachfrage des Tölzer Kurier. Die Wogeno wird das Gebäude für 4,2 Millionen Euro kaufen – vorausgesetzt, das Landratsamt genehmigt die Pläne zur Neuaufteilung und Umnutzung im Inneren. Der Bauantrag für Abschnitt eins liege seit Juni im Landratsamt, sagte Peter Schmidt. Von dort gebe es jedoch positive Signale.

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Die Wogeno kauft den ehemaligen Schwesternwohntrakt und die Schule, die jedoch unter Trägerschaft der Erzdiözese bleibt. Mit dieser laufen derzeit Gespräche über Brandschutzauflagen. In dem historischen Gebäude war und ist vieles knifflig, etwa Fragen zum Denkmalschutz. Die Wogeno will auch innen das große sogenannte Prälatentreppenhaus kaufen, das sich im Eigentum des Freistaats befindet.

Die Pfarrkirche St. Tertulin hingegen bleibt im Eigentum des Freistaats. Solange sie saniert wird, können die Gläubigen die Hauskapelle der Schwestern nutzen. Diese gehört nach dem Kauf des Gebäudes auch der Wogeno.

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