VonDoris Schmidschließen
Kann man Heimat in einen Schuhkarton packen? Man kann. Für ein Projekt haben Geretsrieder all das in einen Karton gepackt, was sie mit dem Begriff Heimat verbinden.
Geretsried – Daraus entstanden sind kleine, ganz individuelle Kunstwerke. Rund 20 sind in einer Ausstellung im Museum der Stadt Geretsried zu sehen.
Buntes Herbstlaub, Tannenzapfen, Isarkiesel, Fotos aus der alten Heimat, Palmen, Gewürze und ein Kamel: Die Schuhkartons erzählen Geschichten, mal sehr konkret, mal abstrakter. Sie gewähren Einblick in das Leben des Gestalters und „lassen ganz vielfältige Interpretationen zu“, sagte Vize-Bürgermeister Hans Hopfner bei der Eröffnung der Ausstellung am Mittwoch im Museum der Stadt Geretsried.
Viele Heimatvertriebene und Flüchtlinge, die in der Stadt leben, hätten zwei Heimaten – ihr Geburtsland und Geretsried. Das habe nach dem Zweiten Weltkrieg gegolten, und gelte auch jetzt noch. „Integrieren, Heimat schaffen“, darum müsse man sich bemühen, so der Vize-Bürgermeister. Einen Beitrag dazu leistet der Trägerverein Jugend- und Sozialarbeit – vor allem mit seiner Koordinationsstelle „Integration aktiv“, die das Projekt „Heimat im Schuhkarton“ initiiert und begleitet hat. So entstanden im Laufe des Jahres in der Übergangsklasse der Mittelschule, im Seniorencafé im Quartierstreff in Stein beim Stadtteilfest am Johannisplatz und in der Berufsschulklasse in Bad Tölz spannende Geschichten im Schuhkarton.
Die fünfjährige Lara Bruckner malte die Sonne, den Himmel, Gras und Fische, weil sie so gerne Schwimmen geht. „Heimat ist da, wo ich zuhause bin, bei der Mama und dem Papa am Isardamm“, erklärte das Mädchen.
Farid Jan ergänzte seinen Schuhkarton, in den er ein aus Papier gebasteltes Haus geklebt hatte, um einen Brief. Darin beschreibt der 18-Jährige, was für ihn „Heimat“ ist – nämlich sein Elternhaus in Afghanistan, mit einem großen Wohnzimmer und Blumen im Hof. Der Schüler hat noch eine Schwester, die in Gelting lebt. Seine Eltern sind in Indien, zwei Schwestern hat es nach Kanada verschlagen, zwei nach Dubai und eine nach Tadschikistan.
Viel Mühe investierte auch Herta Klein in ihre Geschichte. Die 82-Jährige, die aus der Nähe von Kronstadt in Siebenbürgen stammt und seit 1979 in Geretsried lebt, beklebte den Karton mit Bildern aus der neuen und alten Heimat. Darin Platz findet eine Mappe, die prall gefüllt ist mit Erinnerungen.
Ausstellung
Die Ausstellung „Heimat im Schuhkarton“ kann bis Ende November zu den Öffnungszeiten des Museums der Stadt Geretsried besucht werden (Dienstag, Mittwoch, Freitag, Samstag und Sonntag 14 bis 16 Uhr, Donnerstag 17 bis 19 Uhr).
nej
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