Skurrile Impressionen aus dem alten München sind im Kloster Benediktenbeuern zu sehen. Die Ausstellung zeigt auch eine andere Facette von Karl Valentin.
Benediktbeuern – „A oids Buidl vo München is mehra wert ois a Brillant.“ Das war das Credo von Karl Valentin (1882 - 1948), der ja als vieles galt: als Komiker und Schriftsteller, als Sprachgewitzter und Musiker. Dass Valentin seit etwa 1925 auch zum leidenschaftlichen Sammler des „alten Münchens“ wurde, davon zeugt die Ausstellung „Münchner Originale“, die am Sonntag in der Fachberatung Heimatpflege im Maierhof des Klosters Benediktbeuern eröffnet wurde.
Die Ausstellung zeigt anhand von 17 Schautafeln und ausgestellt in verschiedenen Vitrinen bisweilen äußerst absonderliche Gestalten: Menschen, die sich ihre Haut über das Gesicht ziehen konnten, bärenstarke Wirte, Kleinwüchsige oder auch Volkssänger, Schauspieler und den letzten Hofnarren des bayerischen Königshauses.
Sammlung „Münchner Originale“ von Karl Valentin in Benediktbeuern ausgestellt
Fotografien und Zeitungsausschnitte von derartigen „Münchner Originalen“, die die Stadt bisweilen kulturell geprägt haben, hat Valentin gesammelt und Ende der 1930er-Jahre an die Stadt München verkauft.
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Sie sind die Grundlage der „hochspannenden Ausstellung“, die, so Bezirkstagspräsident Josef Mederer bei der Vernissage am Sonntag, „eine eher unbekannte Seite Valentins“ zeigt – nämlich Valentin den Sammler und Bewahrer bedrohter Alltagskultur.
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Wer die Ausstellung besucht, der sollte herumschlendern und Zeit mitbringen, um die ausführlichen Biografien der verschiedenen „Münchner Originale“ zu lesen, die bisweilen erschüttern in ihrer Tragik. Immer aber geben sie dem Leser einen Einblick in die bayerische Sozial- und Zeitgeschichte. Ergänzend zu den 17 großformatigen Tafeln kann man sich an einer Videostation das München Karl Valentins des 19. Jahrhunderts ansehen und an verschiedenen Musikstationen hineinhören in eine längst vergangene Epoche und Lebensart. Dietlind Pedarnig, Kuratorin der Ausstellung, dankte Karl Valentin in ihrer Rede posthum dafür, dass er mit seiner Sammel-Leidenschaft das alte München, seine Lebensart und sein absonderliches Volk auf gewisse Weise unsterblich gemacht habe.
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Die Ausstellung ist noch bis 8. Dezember in der Fachberatung Heimatpflege im Kloster Benediktbeuern zu sehen.
Öffnungszeiten
Sonntags 11 bis 17 Uhr sowie dienstags und samstags jeweils von 13 bis 17 Uhr. Die Räume sind barrierefrei zu erreichen. Der Eintritt ist frei. Begleitend zu der Ausstellung ist das Buch „Münchner Originale“ im Allitera Verlag erschienen. Preis 24,90 Euro, ISBN: 978-3-96233-104-7
Franziska Seliger