In Lenggries geboren, in Brasilien zu Hause: Pater Josef Wasensteiner (61) arbeitet seit 28 Jahren in einer katholischen Gemeinde des Pallottiner-Ordens in St. Raimundo bei Codó in Brasilien.
Lenggries – Kürzlich feierte Pater Josef Wasensteiner den Gottesdienst in Schlegldorf anlässlich des 70-jährigen Bestehens der Musikkapelle. In seiner Predigt fand er kritische Worte, als er über die Regierung Brasiliens sprach, die momentan „die Lunge der Welt kaputtmacht“.
Wasensteiner wohnt derzeit bei seiner Schwester in Lenggries, er ist zur Hochzeit seiner Nichte gekommen und fliegt bereits am 1. Oktober wieder zurück nach Brasilien. In seiner Gemeinde im Norden Brasiliens arbeitet er als Pfarrer nicht nur im klassischen Sinne. „Mein Arbeitsspektrum ist sehr breit aufgestellt“, sagt Pater Wasensteiner. Dabei gehe es ihm um eine ganzheitliche Hilfe für die Menschen vor Ort. Er will ihnen helfen, das Leben zu meistern.
Dieses Leben sieht Wasensteiner momentan bedroht. „Die ultra-rechte Regierung unter Jair Bolsonaro unterstützt die Großgrundbesitzer und damit die Zerstörung des Regenwaldes, um an Bodenschätze zu kommen“, berichtet Wasensteiner. Das geschehe auf Kosten der Armen und Schwachen. „Die Renten wurden gekürzt und das Gesundheitssystem verkompliziert.“ Dafür gebe es mehr Kriminalität im Land, auf den Straßen erwarte einen „Mord und Totschlag“, so der Ordensmann. Durch die Lockerung der Waffengesetze sei die Lage außer Kontrolle.
„Die Polizei wird mit Schmiergeldern bestochen, und die Regierung schließt beide Augen“, erzählt Wasensteiner. Die Urbevölkerung, Indianer und Quilombolas, werde vertrieben, versklavt oder umgebracht. Es gebe nicht genug Polizisten, um für Ordnung zu sorgen.
Dennoch: „Das pulsierende Leben geht weiter.“ Wasensteiner versucht in seiner Gemeinde, den Menschen Beistand für ein würdevolles Leben zu leisten. Mehrere Brunnenbau-Projekte initiierte er in seiner Gemeinde – mit Isarwinkler Unterstützung.
Feste bringen die Bewohner zusammen, sagt er. Mehrere Tausend Teilnehmer kommen jedes Jahr im August zum Pfarrfest in St. Raimundo. Momentan wird mit den Frauen der Gemeinde genäht. „Es freut mich, dass die Leute gerne kommen, das gibt mir Kraft“, sagt Wasensteiner. Diese Projekte seien keine „Opiumspritzen“, vielmehr wolle man gemeinsam etwas aus dem Glauben heraus erreichen, erklärt der Lenggrieser. Das gebe ihm Hoffnung und Mut.
Die meiste Zeit ist Wasensteiner außerhalb seiner Gemeinde unterwegs. „Die Hälfte des Jahres bin ich unterwegs und übernachte in der Hängematte“, erzählt er.
Manchmal komme er zum Durchatmen nach Lenggries, aber das halte er nie lange aus. „Mein innerer Drang zieht mich wieder zurück nach Brasilien“, meint Wasensteiner. Der 61-Jährige wird in seiner Heimat von der Familie unterstützt. „Sie lassen mir die Freiheit. Auch nach schweren Zeiten fühle ich mich immer wohl.“ Seine Gesundheit sei ihm wichtig, dennoch sei die Wahrscheinlichkeit höher, ermordet zu werden, meint Wasensteiner. Das Motto laute: „Wenn der Kopf weg ist, ist auch der Körper weg.“ An Morddrohungen habe er sich gewöhnt. „Am Anfang musste ich schon mit den Knien schlottern.“ Mittlerweile wäre es ihm das wert, wenn er für etwas Gutes sterbe.
Wasensteiner sieht sich als „Verteidiger der Menschen“, gerade vor der Skrupellosigkeit der Regierung. Bolsonaro bedeute einen Rückschritt in der menschlichen Entwicklung Brasiliens. Die vielen ärmlichen Gegenden leiden unter den ökonomischen Interessen der Regierung.
Wasensteiner hofft auf die Amazonassynode, die für Oktober von Papst Franziskus einberufen wurde. Präsident Jair Bolsonaro sehe die Synode als „Angriff auf die Wirtschaft“, meint Wasensteiner. Allerdings werde darüber wissenschaftlich beraten, wie die Zukunft der Kirche in Brasilien gestaltbar sei, um die Rechte der Menschen zu schützen.
Die Erwartungen an den Papst und die Bischöfe sind hoch. Wasensteiner hofft auf ein „gutes und mutiges Resultat“ für die Bevölkerung.
Anton Böhm
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