AWO-Haus in Penzberg

Mangel an Pflegekräften im Seniorenzentrum: Mehr „Betreutes Wohnen“ statt Pflegeplätze?

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Im Neubau des Seniorenzentrums (links) sind alle zehn Apartments für „Betreutes Wohnen“ im obersten Geschoss vermietet, aber nur ein Teil der Pflegeabteilung belegt; rechts im Bild der Pfründnerbau.
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Das Penzberger AWO-Seniorenzentrum hat schwer mit einem Mangel an Pflegekräften zu kämpfen. Es kann deshalb nicht alle Zimmer belegen. Mittlerweile gibt es die Überlegung, alternativ mehr Platz für „Betreutes Wohnen“ zu schaffen, und zwar im Haupthaus, in dem mittlerweile die Sanierung begonnen hat.

Penzberg – Vor zwei Monaten wurde der vierstöckige Neubau des AWO-Seniorenzentrums bezogen. Die zehn Apartments für „Betreutes Wohnen“ auf der obersten Etage sind alle vermietet. Weitere knapp 60 Bewohner leben auf den drei Pflegegeschossen. Platz wäre in den Neubau-Pflegezimmern aber für 83 Menschen. Insgesamt hat das Seniorenzentrum (inklusive Bestandsgebäuden und Pfründnerbau) derzeit knapp 80 Bewohner.

AWO-Seniorenzentrum kann derzeit nur 80 Zimmer belegen

Man habe zwar keinen Aufnahmestopp ausgesprochen, sagt Hans Kopp, Geschäftsführer der AWO München Stadt, die Träger des Penzberger Seniorenzentrums an der Gartenstraße ist. Es könnten aber nur 80 Zimmer belegt werden, weil das Haus nicht genug Pflegekräfte hat, um mehr Bewohner aufzunehmen. Man müsse die Fachkräftequote von 50 Prozent einhalten, erklärt er. Es sei ein bundesweites Problem, dass Plätze deshalb nicht belegt werden können.

Suche nach Pflegekräften - Kampf mit der Bürokratie

Was im Umkehrschluss bedeutet: Gäbe es mehr Pflegekräfte, könnten mehr Senioren einen Platz finden. „Aber wir wissen nicht, wie wir Pflegekräfte herbringen sollen“, sagt Kopp. Er hat in der Vergangenheit viel Energie in die Suche investiert, vor allem in den Kampf gegen die Bürokratie. So gelang es ihm im Frühjahr erst nach vielen Monaten, dass wenigstens sieben tunesische Männer und Frauen mit Bachelor-Abschluss und Praxiserfahrung nach Deutschland einreisen durften (wir berichteten). Einer davon arbeitet in Penzberg. Mittlerweile konnte Kopp auch Auszubildende aus Tunesien holen. Andere Kräfte kommen aus Ländern wie Albanien und Rumänien.

Besonders optimistisch blickt Kopp nicht in die Zukunft. So ist heuer die Zahl der Pflege-Auszubildenden um rund zehn Prozent gesunken. Auf der anderen Seite scheiden geburtenstarke Jahrgänge aus dem Berufsleben aus. Außerdem, sagt er, sei man in ständiger Gefahr, dass Krankenhäuser Personal abwerben. Diese könnten bundesweit mehr zahlen als Einrichtungen in der Altenpflege.

Christian Schulz ist wieder kommissarischer Leiter

Auch mit der Leitung des Penzberger Seniorenzentrums hatte die AWO München Stadt zuletzt kein Glück. Im September 2021 verabschiedete sich nach knapp über einem Jahr zunächst Javier Gil Morillas, um in einer Kindertagesstätte zu arbeiten. Dann verließ Nachfolgerin Natalja Brangenburg nach wenigen Monaten das Haus. Seitdem ist Christian Schulz ein weiteres Mal kommissarischer Leiter des Seniorenzentrums.

Wegen Pflegekräfte-Mangel: Mehr Platz für „Betreutes Wohnen?

Weil es an Pflegekräften mangelt und deshalb ein Teil der Pflegezimmer nicht belegt werden kann, gibt es laut Kopp mittlerweile die Überlegung, mehr Platz für „Betreutes Wohnen“ zu schaffen, und zwar im Haupthaus. Dort hat jetzt die Sanierung begonnen. Zuerst wird ihm zufolge eine Tagespflege eingerichtet. Sie soll bis Juni fertig sein. Danach gehe es mit der Sanierung der 38 Zimmer – vor allem der Bäder – weiter. In diesem Zuge, so die Überlegung, könnten im dritten Obergeschoss einige kleinere Zimmer für „Betreutes Wohnen“ hergerichtet werden. Wie viele das werden, hängt laut Kopp davon ab, wie viele Pflegeplätze man belegen kann, was wiederum von der Zahl der Pflegekräfte abhängt. Ende 2023 soll die Sanierung des Haupthauses fertig sein. Letzte Etappe wäre dann (bis Ende 2024) die Sanierung des Pfründnerbaus. Ursprünglich hieß es, dass das Seniorenzentrum dann 164 Pflegeplätze haben soll.

Hoher Mietpreis für „Betreutes Wohnen“

Eine Diskussion über das „Betreute Wohnen“ im Seniorenzentrum hatte es vor kurzem im Seniorenbeirat gegeben. Die Miete von 20 Euro pro Quadratmeter wurde als sehr hoch bezeichnet. AWO-Geschäftsführer Kopp bestätigt den Mietpreis auf Nachfrage. Er sei sehr hoch, räumt er ein. Man habe aber die Baukosten auf die Miete umlegen müssen. „Wir konnten sie nicht auf Kosten der Pflege subventionieren“, erklärt er. Bei den 20 Euro pro Quadratmeter handelt es sich um die Kaltmiete. Außer den Nebenkosten kommt eine Betreuungspauschale von 110 Euro im Monat hinzu, die die Bewohner buchen müssen.

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