- VonNorbert Kotterschließen
Sie ist nicht nur bei Hochzeitspaaren beliebt, sondern hütet seit mehr als 200 Jahren auch ein großes Geheimnis: die Heilig-Kreuz-Kirche in Berbling bei Bad Aibling. Was außerdem ein großer Maler mit der „kleinen Wies“ zu tun hat.
Bad Aibling/Berbling – Für Christen steht das Kreuz im Mittelpunkt der Karwoche und der Karfreitags-Liturgie. Das Gotteshaus in Berbling gilt als eine der schönsten ländlichen Rokoko-Kirchen in ganz Bayern und ist dem „Heiligen Kreuz“ geweiht. Vor gut 200 Jahren kam sie zu einem ganz besonderen Kreuz-Partikel, den sie noch heute beherbergt.
Aus dem Kirchenführer geht hervor, dass Archivmaterial über die Pfarrgemeinde und den Bau der Kirche, der etwa Mitte des 18. Jahrhunderts erfolgt sein dürfte, eher spärlich vorhanden ist. Historiker vermuten, dass bei der Plünderung des Pfarrhofes im Jahr 1800, wahrscheinlicher aber bei dessen Brand im Jahr 1851 viele wertvolle Unterlagen verloren gegangen sind.
Enge Verbindung zum Kloster Scheyern
Fest steht, dass die alte Kirche während der Zeit von Pfarrer Johann Reischl in den Jahren 1751 und 1752 abgebrochen wurde und die Weihe des neuen Gebäudes am 18. März 1789 erfolgte. Eine enge Verbindung zum Kloster Scheyern führte zu ihrer Namensgebung. Das Kloster stellte 1722 für die Berblinger Kirche einen Kreuz-Partikel als Stiftung zur Verfügung, der in einem Goldkreuz gefasst ist. Die Klosterkirche Scheyern ist seit 1362 selbst dem „Heiligen Kreuz“ geweiht und im Besitz einer großen Kreuzreliquie.
Wegen ihrer Schönheit und den vielen Kunstwerken, die sie beherbergt, wird die Berblinger Heiligkeuz-Kirche in Anlehnung an die weltberühmte Wieskirche in Steingaden nicht selten „Die kleine Wies“ genannt. Heiligenfiguren des bekannten Bildhauers Josef Götsch sowie die Handschrift von Johann Baptist Zimmermann, von dem das Hauptfresko stammt, finden sich hier unter anderem neben Fresken in der Vorhalle und im Bereich des Altarraums, die wiederum von dem Münchner Hofmaler Johann Martin Heigl stammen.
Für Franz Ranner, Vorsitzender des Pfarrgemeinderates von Berbling, ist die Kirche eindeutig der Mittelpunkt des Dorfes. „Wir sind stolz darauf“, sagt er. Er weiß, dass an diesem besonderem Ort immer wieder einmal Hochzeitspaare von auswärts vor den Traualtar treten. Er weiß auch, dass das Gotteshaus das ganze Jahr über Besucher anlockt, die die Kunstwerke in seinem Inneren bestaunen und sich einen Moment der Ruhe und Besinnung gönnen wollen.
„Früher sind sogar Busse gekommen, die Leute sind nach der Kirchenführung beim Wirt eingekehrt. Den haben wir jetzt leider nicht mehr“, bedauert Ranner. Wirt und Kirche in Berbling waren auch dem bekannten Maler Wilhelm Leibl vertraut, der 1844 in Köln geboren wurde und im Jahr 1900 in Würzburg starb. Vier Jahre, von 1878 bis 1882, arbeitete er an dem berühmten Gemälde „Die drei betenden Frauen“, das der Künstler in der Berblinger Kirche schuf.
Der Maler verkaufte das Bild 1983 für den Preis von 40.000 Mark an eine Familie in Worms, 1984 wurde es unter anderem in Wien, Paris und London ausgestellt. Seit 1906 befindet sich das Ölgemälde auf Mahagoniholz in der Hamburger Kunsthalle. Es zeigt drei Bäuerinnen unterschiedlichen Alters, die Miesbacher Tracht tragen, betend in einer Kirchenbank. Die Kirchenbänke im Stile des Rokokos aus der damaligen Zeit gehören noch heute zum Inventar des Gotteshauses, ebenso eine Kopie des Leibl-Bildes.
Eine weitere Kopie, die sich im Bad Aiblinger Heimatmuseum befindet, gibt Manfred Schaulies Rätsel auf. Schaulies ist Leiter des Archivs der Stadt Bad Aibling, welches im Heimatmuseum untergebracht ist. „Wir wissen nicht eindeutig, wer das Bild gemalt hat. Auch nicht, wie es zu uns gekommen ist“, so der Archivleiter. Demnächst will er einen neuen Anlauf unternehmen, um vielleicht doch noch Licht ins Dunkel zu bringen.

