Gerhard Forsters Leidenschaft fürs Motorrad

Enduro-Rallye durch die marokkanische Wüste: Bad Endorfer (57) über den Nervenkitzel auf zwei Rädern

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Gerhard Forster (57) aus Bad Endorf brennt seit seiner Jugend für den Enduro-Sport. Bei der Marokko-Rallye belegte er im März 2025 den zweiten Platz.
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Gerhard Forster (57) ist ein erfahrener Extrem-Enduro-Fahrer. Jetzt fährt er Rallye – sehr erfolgreich. Im März verpasste der Bad Endorfer bei der Tuareg Rallye in Marokko nur knapp den 1. Platz. Wie er zu seinem besonderen Hobby kam und warum er noch lange nicht zum alten Eisen gehört.

Bad Endorf – Wohin das Auge blickt, nur Sand und Staub. Bis auf wenige Steppengräser und vereinzelte Palmen findet sich in der Wüste Erg Chebbi nur wenig Lebendiges. Gelegentlich ziehen Kamelkarawanen mit Touristen durch die Wüste im Osten Marokkkos. In den kleinen Orten, in denen sich die Camps der sechstägigen Tuareg Rallye befinden, gibt es nur wenig Einheimische, die auf Eseln vorbeireiten; barfüßige Kinder treiben sich neugierig herum und wollen einen Blick auf die Motorräder, Trucks und Geländewagen erhaschen. Abseits davon sind die Teilnehmer der Rallye die meiste Zeit allein.

Gerhard Forster (57) aus Bad Endorf bei der Tuareg Rallye n der marokkanischen Wüste.

25 Sekunden machen den Unterschied

„Ich denke an nichts“ – auf seinem Motorrad bekommt Gerhard Forster seinen Kopf frei. Doch der 57-jährige Bad Endorfer setzt sich nicht einfach auf ein Motorrad und genießt bei schönem Wetter die Landschaft. Er fährt Enduro, also Geländemotorrad. Früher Extrem-Enduro, inzwischen fährt er Rallyes. Zuletzt nahm er an der Tuareg-Rallye teil – und verpasste nur haarscharf den Sieg. Nur 25 Sekunden trennten die beiden Biker auf den vorderen Plätzen. Aber Forster geht es nicht um den Sieg. „Was ich brauche, ist die Herausforderung.“

Das Einzige, was Forster auf seinem Bike durch den Kopf geht: „Jetzt darf nichts passieren. Ich habe eine Firma und Familie zu Hause.“ Der Motorsport erfordert höchste Konzentration. Ein kleiner Fehler kann wertvolle Zeit kosten – im schlimmsten Fall sogar das Leben. Neben dem Fokus auf das unwegsame Gelände und dessen Bewältigung, spielt auch die körperliche Fitness eine wichtige Rolle.

Gerhard Forster (57) aus Bad Endorf bei der Tuareg Rallye in der marokkanischen Wüste.

Seit er 13 Jahre alt ist, fährt Gerhard Forster Motorrad. In seiner Jugend mit leichteren und wendigen Trial-Bikes. Bereits zu dieser Zeit nahm Forster an Rennen teil, wurde bayerischer Meister und Zweiter in der deutschen Jugendklasse. Damit legte er den Grundstein für sein Hobby. Jahrzehnte später und mit einigen Unterbrechungen ist er mit seinem Motorrad noch immer auf der Suche nach einmaligen Erfahrungen.

Was ist Enduro?

Enduro (Endurance = Ausdauer) heißt auch Geländesport und wird klassisch mit zugelassenen Sportmotorrädern ausgeübt. Beim klassischen Enduro wird ein Rundkurs über öffentliche Straßen und Geländeabschnitte (eine Runde zwischen 35 und 80 Kilometern) mehrmals gefahren. Dabei müssen Durchfahrts- und Zeitkontrollen abgefahren werden. In Sonderprüfungen wird einzeln auf Bestzeit gefahren. Hard-Enduro oder Extrem-Enduro sind wiederum eine Abwandlung auf kleiner Strecke, die entweder einmal (Red Bull Erzbergrodeo) oder öfter (mit einer vorgegebenen Zeit) durchfahren wird. Dabei sind besonders schwierige Passagen zu meistern. Es wird national und international gefahren. Zusätzlich gibt es Super-Enduro: eine kurze, aber knackige Indoor-Serie. (Quelle:ADAC)

Motorrad-Pause für die Famliliengründung

Mit Mitte zwanzig legte Forster eine Pause ein. „Ich habe geheiratet und Kinder bekommen. Das ging vor“, erinnert er sich. Etwa zehn Jahre konzentrierte er sich auf die Familie und das Geschäft. Übernahm den Laden seines Schwiegervaters für Bootsreparaturen in Breitbrunn am Chiemsee. Irgendwann war die alte Leidenschaft jedoch wieder geweckt. „Durch Jux bin ich dann zum Extrem Enduro gekommen.“ Bei einem sogenannten Hillclimbing in Österreich. Bei dieser Disziplin versuchen die Biker in schwerem Gelände, einen steilen Berg beziehungsweise Hang mit ihrem Motorrad zu bezwingen. Einmal habe er zum Spaß mitgemacht. „Beim zweiten Versuch habe ich gewonnen.“

Insgesamt sechsmal nahm er am Erzbergrodeo bei Eisenerz in der Steiermark (Österreich) teil. Das Extrem-Enduro-Rennen gilt als das größte seiner Art und zählt unter den Motorrad-Fans zu den härtesten. Der Veranstalter zahlt keine Preisgelder aus. Bis zu 1500 Teilnehmer aus über 40 Nationen nehmen jedes Jahr daran teil. „2013 war ich ältester Finisher. Im selben Jahr war Manuel Lettenbichler, (Anmerk. d. Red.: Profi-Extrem-Enduro-Fahrer aus Kiefersfelden) der gerade am Anfang seiner Karriere war, jüngster Finisher“, berichtet Forster.

Nach sechs Tagen im Ziel: Gerhard Forster (57) holt den zweiten Platz bei der Tuareg Rallye in Marokko.

Für seine Frau war Forsters Wiedereinstieg in den Extremsport nicht einfach zu verkraften. „Damals hatte ich Angst, dass ihm etwas passiert“, erinnert sich Manuela Forster. Zwar habe sie ihren Mann als begeisterten Motorradfahrer kennengelernt. Dass er mit Mitte 30 mit Extrem-.Enduro angefangen hatte, sei auch für sie eine neue Extremsituation gewesen. „Mit der Zeit wurde ich entspannter.“ Besonders seitdem Forster Rallye fährt, macht sie sich keine Sorgen mehr. „Er ist vorsichtig, bei Gerhard steht die Erfahrung und nicht der Wettbewerb im Vordergrund“, erläutert sie.

Kooperation mit BMW

Bei einem „Snowhill Race“, also Rennen auf einer Ski-Piste, ist 2008 das Motorrad-Sportteam von BMW auf ihn aufmerksam geworden. Das Unternehmen sponserte den Enduro-Fahrer fortan. Später arbeitete er als Trainer und „Präzisionsfahrer“ – oder mit anderen Worten: Fotomodell. „Wenn BMW ein neues Motorrad herausgebracht hat, wurde ich vorab für Foto-Shootings gebucht“, berichtet Forster.

Sein Rallye-Debüt gab der Enduro-Fahrer Ende Mai 2024 in Griechenland bei der Hellas-Rallye. Dabei belegte er den ersten Platz in der Seniorenklasse, den fünften in der Big Bike Klasse und den 31. Platz bei der Gesamtbewertung. Eine Schippe obendrauf legte er mit der Tuareg-Rallye in der marokkanischen Wüste Ende März dieses Jahres. Sechs Tage ging es in Etappen durch die Wüsten Erg Chebbi, Erg Ouzina und Erg Chegaga in der Westlichen Sahara kurz vor der marokkanisch-algerischen Grenze.

Die beiden Sieger: Bei der Tuareg Rallye in Marokko wurde Gerhard Forster (r.) Zweiter, den ersten Platz machte Thorsten Kaiser mit gerade mal 25 Sekunden Vorsprung.

Die Etappen führten über meterhohe Dünen und staubige Geröllstraßen. Möglichst fehlerfrei und auf Zeit. Mit seinem umgebauten Big-Bike und einer Zeit von 19 Stunden, 47 Minuten und sieben Sekunden lag Gerhard Forster 25 Sekunden hinter seinem Gegner und verpasste damit haarscharf den ersten Platz.

Auf die Rallye vorbereitet hatte sich Forster vor allem mit Fitness-Training. „Ich reiste ein paar Tage vorher an, um ein Gefühl für das Fahren im Sand zu bekommen.“ In der Region gibt es nur wenige Möglichkeiten, sich vorzubereiten. Besonders beliebt sei die Motocross- und Enduro-Strecke in Unterreit.

Kostspieliger Nischensport

Wie eine Sprecherin des ADAC auf Nachfrage des OVB berichtet, zählt Enduro- und Rallye-Fahren zu den eher kostspieligeren Nischensportarten. „Da es nur wenige Strecken in Deutschland gibt, fahren viele ins Ausland. Neben den Fahrzeugen, der Ausrüstung und den Kosten für Transport und Unterkunft sind die Startgelder recht hoch“, so die ADAC-Sprecherin. Die Kosten für die Teilnahme an einer Rallye können schnell fünfstellig werden.

Ans Aufhören denkt Forster noch lange nicht. Für 2025 plant er die Teilnahme an einer dreitägigen Rallye in Kroatien. Sein Traum wäre jedoch die Teilnahme an der Dubai International Baja. „Ich will keine Rallye zweimal fahren und immer etwas Neues ausprobieren“, so Gerhard Forster.

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