- VonMartin Lünhörsterschließen
1650 Kilometer in nur sechs Tagen. Dieser Challenge hat sich Motorradfahrer Gerhard Forster bei der Dinaric Rallye gestellt. Welche Hürden er auf dem Weg meistern musste und welche Abenteuer er in Zukunft plant.
Breitbrunn – Schon seit Jahren ist Gerhard Forster sehr erfolgreich auf dem Motorrad unterwegs. In zahlreichen Rallyes hat er sein Können schon bewiesen. Nun ein weiteres Mal: Der 56-jährige Breitbrunner Motorradfahrer sicherte sich bei der Dinaric Rallye 2024 einen beeindruckenden Doppelsieg. In der Big-Bike- sowie der Seniorenklasse ließ er die internationale Konkurrenz hinter sich und fuhr sich mit seinem 200 Kilogramm schweren BMW-Motorrad auch auf den vierten Platz in der Gesamtwertung. „Dass man über sechs Tage keine großen Fehler macht, das ist das Entscheidende“, sagt Forster und beschreibt damit die zentrale Herausforderung der Rallye.
1650 Kilometer durch unwegsame Gebirgsregionen
Die Dinaric Rallye, eine der anspruchsvollsten Offroad-Rallyes Europas, führte die Teilnehmer über 1650 Kilometer durch die unwegsamen Gebirgsregionen Kroatiens und Bosniens. Sechs Tage lang kämpften sich die Fahrer auf steinigen Pfaden durch abgelegene Bergregionen, vorbei an rollenden Felsen und schmalen Klippenwegen. Technisches Geschick, körperliche Ausdauer und mentale Stärke waren gefragt. Rund 120 Fahrer aus 24 Nationen gingen an den Start, viele auf deutlich leichteren Enduros. Doch Forster vertraute seiner BMW F900 GS, die mit über 200 Kilogramm deutlich schwerer war als die Motorräder der Konkurrenz.
Forster bereitete sich mit intensiven Trainingseinheiten auf die Rallye vor: „Ich habe viel Konditionstraining gemacht, sowohl Ausdauer- als auch Kraftsport. Und wenn es möglich war, bin ich natürlich auch Motorrad gefahren, wobei das bei uns nicht immer einfach ist.“ Das Motorrad, auf dem er die Rallye fuhr, wurde für den Wettbewerb modifiziert. „Wir haben die Maschine etwas umgebaut, vor allem die Dämpfung und die Navigation“, erklärt Forster. „Ich fahre mit einem Tablet, auf dem das Roadbook abgebildet ist. Man arbeitet sich nach Bildern durch die Strecke, Reihe für Reihe, Wegpunkt für Wegpunkt.“
Ein kleiner Fehler kann schnell viel Zeit kosten
Ein zentraler Punkt der Dinaric Rallye ist die Navigation mit dem Roadbook, das auf Bildern basiert, statt auf GPS-Navigation. Fehler können schnell zu Zeitverlusten führen, wie Forster am vierten Tag der Rallye erlebte. „Ich habe einen großen Schnitzer gemacht“, gibt er offen zu. „Wenn man bei einem Bild einen Fehler macht, fährt man weiter, bis man merkt, dass es nicht mehr passt. Dann muss man zurück, neu justieren und von vorne anfangen – das kostet schnell mal zehn Minuten.“
Trotz dieses Rückschlags gelang es Forster, sich nach vorne zu kämpfen. In der Seniorenklasse gewann er mit einem Vorsprung von zwei Stunden. In der Gesamtwertung, wo auch die leichten Motorräder der Konkurrenz zählten, erreichte er einen beachtlichen vierten Platz. „Es geht oft sehr knapp zu, aber wenn man sich nicht verfährt und das richtige Tempo hält, kommt man nach vorne“, fasst Forster den Schlüssel zu seinem Erfolg zusammen.
Die nächste Rallye ist schon geplant
Die Bedingungen auf der Strecke waren teils extrem. „Das Überholen ist eine große Herausforderung“, erklärt Forster. Jeden Tag starten die Fahrer in den Abständen, in denen sie sich am Vortag plaziert hatten. „An einem Tag, als ich mich verfahren hatte, startete ich als 15. Da habe ich mich dann wieder nach vorne gekämpft, aber das war nicht einfach“, erzählt Forster. „Der Staub und die Steinschläge machen es schwer, an den anderen Fahrern vorbeizukommen.“ Der letzte Tag der Rallye verlief besonders spannend. „Ich habe mir gesagt: Wenn ich das jetzt sauber durchfahre, dann passt es“, so Forster. Doch auch hier war Vorsicht geboten: „In den Bergen war es etwas nass, und dann ist mir das Hinterrad weggerutscht. Ich bin gestürzt, aber es war zum Glück nicht so schlimm. Der Bremshebel war verbogen, aber ich konnte weiterfahren.“
Für Gerhard Forster war die Dinaric Rallye 2024 ein weiterer Meilenstein in seiner Motorsportkarriere. Doch es bleibt nicht bei diesem Erfolg. Bereits jetzt plant er sein nächstes großes Abenteuer: „Ich habe mich schon mal umgeschaut und möchte mich jetzt dem Sand stellen“, sagt er lachend. Im Februar 2025 will er in Abu Dhabi bei einer Wüstenrallye antreten.
