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Sepp Holzer wird wütend, wenn es um die Gier und den Raubbau des Menschen an der Natur geht. Gut Nantesbuch weiht er nun in die Geheimnisse der Permakultur ein.
Bad Heilbrunn – Sepp Holzer ist ein Mann, der anpackt. Die Hände und das Gesicht sind vom Wetter gegerbt, sein ganzes Leben hat der 78-Jährige bei Sonne und Hitze, bei Regen, Schnee und Kälte draußen in der Natur verbracht. Und Sepp Holzer ist ein Star, manche nennen ihn sogar „Guru“ einer besonderen landwirtschaftliche Anbaumethode: der Permakultur. Diesen Star der Landwirtschaft holte nun die Stiftung Nantesbuch zu sich aufs Gut, damit Holzer auf den 320 Hektar großen Ländereien die gebeutelte Natur wieder aufatmen lässt. Teile der Ländereien litten jahrzehntelang unter intensiver Landwirtschaft. Durch Rinder- und Pferdehufe verdichteter Boden, trockengelegte Moore, Einsatz von Pestiziden: Sepp Holzer hilft jetzt der Nantesbucher Natur, sich selbst zu heilen.
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Monokulturen sind für Holzer ein Verbrechen
Permanente Agrikultur, genauer „Holzersche Agrarökonomie“, heißt das Konzept des Österreichers. In seinen Worten: „Kooperation mit der Natur, nicht Konfrontation.“ Ein weiterer Grundsatz: „Vielfalt ernährt das System, nicht Einfalt.“ Permakultur ziele darauf ab, den Kreislauf der Natur wieder herzustellen und Erträge gesund für Mensch und Natur zu steigern. Monokulturen sind für Holzer ein Verbrechen an der Natur. Das Thema bringt ihn in Rage: „Monokulturen sind wie ein Drogensüchtiger: Alles fällt in sich zusammen, wenn ein Stoff fehlt.“ Unverständlich ist für ihn, dass die EU die „Gier, dieses Ausnutzen und Übernutzen an der Natur“ durch Subventionen auch noch fördere.
Holzer wuchs auf einem Bauernhof in Österreich auf, experimentierte schon als Bub mit den Reaktionen der Natur. Als er begann, die Permakultur bekannter zu machen, taten viele den Landwirt als Spinner ab. „Doch jetzt sehen sie die Erträge und sind alle begeistert“, sagt Holzer.
Am Äquator oder in Sibirien: Holzer erzielt überall bombastische Erträge
Denn: Holzers Erträge sind bombastisch. Kirschbäume in kältesten Höhenlagen biegen sich vor Früchten, in Ländern am Äquator, wo vorher die Sonne alles verdörrte, wachsen mit seiner Hilfe Gurken. Von Südamerika bis Sibirien bringt Holzer Menschen bei, die Natur zu verstehen. Inzwischen befassen sich zahlreiche Forscher mit Holzers Methoden. Sie sagen, dass Permakultur zehnmal so viele Menschen ernähren könne wie Monokultur.
Mit Besuchern eines Erkundungs-Workshops baute Holzer in der vergangene Woche zur Vermittlung seiner Permakultur-Grundsätze ein lang gezogenes Hügelbeet auf Gut Nantesbuch. „Die letzten Jahre war das hier eine Pferdekoppel, und auch schweres Gerät verdichtete den Boden“, erklärt Holzer. Ohne Sauerstoff sei dort kein Leben möglich. Deswegen ließ Nantesbuch-Geschäftsführer Konstantin Reetz dort einen Graben ausheben. Hinein gaben die Workshop-Teilnehmer mit Holzer allerlei Biomasse, wie Holz, Heu oder Silo. Darüber türmten sie Lehm und Erde und versahen das Beet mit hölzernen Stelen.
In den Boden muss Sauerstoff
So könne der Boden wieder atmen und Pflanzen und Mikroorganismen sich gegenseitig nähren. Holzer liebt die Natur, sieht die Welt aus allen Perspektiven, egal ob aus der Sicht eines Tiers, Baums oder Grashalms. Einige Bäume auf dem Landgut befinden sich im Todeskampf – Holzer möchte sie retten. Wenn das geschafft sei, könne man auch mal zu ihnen hingehen, sie umarmen und sagen: „Jetzt lebn ma wieder mitanand.“
Nora Linnerud
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