Appell an Vermieter: „Brauchen Liquidität“

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Viele Läden müssen derzeit geschlossen bleiben.
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„Vermieter tragen Verantwortung dafür, wie die Städte nach der Corona-Krise aussehen.“ Das sagt der Tölzer Geschäftsmann Peter Wiedemann, der sich wünscht, dass Ladenbesitzer und Hauseigentümer einen gemeinsamen Weg in schweren Zeiten finden.

Bad TölzEs ist eine schwere Zeit für den Einzelhandel. Die Geschäfte sind geschlossen, laufende Ausgaben müssen dennoch weiter bezahlt werden. Wie können Gewerbetreibende die Corona-Krise ohne zu große Schäden überleben? Große Firmen wie Adidas oder „H&M“ haben zuletzt damit Schlagzeilen gemacht, im April die Mietzahlungen für ihre Filialen einfach einzustellen.

Peter Wiedemann, Geschäftsmann aus Bad Tölz, schlägt einen anderen Weg vor. Er appelliert an alle Vermieter, den Händlern in dieser schweren Zeit entgegenzukommen. „Es gibt ja jetzt auch ein temporäres neues Gesetz, wonach jemandem nicht wegen nicht gezahlter Mieten gekündigt werden darf“, so Wiedemann.

Gleich an dem Tag, als er seine 25 Parfümerie-Filialen schließen musste, schrieb er alle Vermieter an und bat um eine Mietreduzierung von 25 Prozent für diesen Monat. Er habe durchaus positive Resonanz erfahren: „Es gibt Miet-Nachlässe bis zu 50 Prozent, ein anderer sagte, ich muss einen Monat lang gar nichts zahlen.“ Aber es gab auch Negatives. „Dabei müsste eigentlich jeder Vermieter froh sein, der ein stabiles Unternehmen als Mieter hat.“

Wiedemann: „Wir sitzen alle in einem Boot“

Für Wiedemanns Mitarbeiter gilt derzeit Kurzarbeit. Jeder würde im Moment kämpfen. „Wir sitzen doch alle in einem Boot. Keiner weiß, wie lange die Krise dauert. Wir brauchen Liquidität.“ Wiedemanns Appell lautet daher: „Vermieter tragen immer schon eine wesentliche Verantwortung für die Handelslandschaft. Sie spielen eine wichtige Rolle dabei, wie die Städte nach Corona aussehen werden.“

Sich klar für eine Mietminderung aussprechen – das möchte die Wirtschaftsförderung im Landkreis nicht. „Beide, sowohl Mieter als auch der Vermieter, gehen momentan durch harte Zeiten“, teilt Landratsamts-Sprecherin Sabine Schmid mit. Beide hätten Verbindlichkeiten zu erfüllen. „Sicherlich hat der Großteil der Vermieter großes Interesse, seinen Mieter zu halten, eine gute Grundlage um gemeinsam nach Lösungsmöglichkeiten zu suchen, die für beide Parteien akzeptabel wären.“ Vordringliche Aufgabe der Wirtschaftsförderung in dieser schwierigen Situation sei es aber, die Unternehmer über die Fördermöglichkeiten und Hilfspakete von Bund und Land schnell und umfangreich zu informieren.

Grundsätzlich würde er jedem Vermieter empfehlen, mit seinem zuverlässigen und über Jahre treuen Mieter in der aktuellen Situation gemeinsam Lösungen zu finden, sagt der Tölzer Bürgermeister Josef Janker. „Mieterwechsel kosten oft mehr als ein halbes Jahr Mietverlust.“

Weindl: „Hoffe, wir können Einkaufsort Lenggries über schwere Zeit retten“

Er sei mit der Werbegemeinschaft in regem Austausch, sagt der Lenggrieser Bürgermeister Werner Weindl. „Wir überlegen gemeinsam, wie man den Einzelhandel unterstützen kann.“ Einige Händler würden in Lenggries mit Lieferservices einen Notbetrieb aufrechterhalten (wir berichteten). Die Gemeinde hängt täglich die aktualisierte Liste der Anbieter an Rathaus und Gästeinfo aus (» SEITE 4). Allerdings sei es schwierig, als Gemeinde ins Gespräch mit Vermietern zu treten, um sie um Mietminderungen zu bitten. „Es ist schließlich für alle eine harte Situation.“ Er baue darauf, dass Mieter und Vermieter untereinander Lösungen finden. Generell sagt Weindl: „Ich hoffe, dass die Angebote unserer Einzelhändler angenommen werden und wir den Einkaufsort Lenggries über die schwierige Zeit retten können.“

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