VonAndreas Steppanschließen
Seit drei Jahren ist das Alpamare in Bad Tölz geschlossen. Seither liegt das Gelände im Dornröschenschlaf, nur selten wird jemandem Zutritt gewährt. Jetzt wurde es für einen Tag in Beschlag genommen.
Bad Tölz – Einst war das Alpamare von den Stimmen vergnügter Badegäste und den Jubelschreien von Kindern auf den Rutschen erfüllt. Seit der Schließung des Spaßbads Ende August 2015 herrscht dort Stille vor. Nun aber erfüllte einen Tag lang Hundegebell die Räumlichkeiten: Der Bezirksverband Oberbayern des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) führte dort ein Training für Rettungshunde und deren Hundeführer durch. Mensch und Tier übten die Suche nach Verschütteten.
„Es ist gar nicht so leicht, passende Trainingsmöglichkeiten für die Trümmerausbildung zu finden“, erklärt die Königsdorferin Kathrin Lichtenauer. Sie selbst und ihr Vierbeiner Elo gehören der Rettungshundestaffel Miesbach an. „Um zu üben, mussten wir sogar schon bis nach Tschechien oder Paris fahren – ganz schön weite Strecken für Ehrenamtliche.“ Im Februar las Lichtenauer einen Zeitungsbericht über die Dreharbeiten zum neuen Film von Regisseur Marcus H. Rosenmüller im leer stehenden Alpamare – und nahm Kontakt zu Jod-AG-Chef Anton Hoefter auf. „Er hat sich sehr aufgeschlossen gezeigt“, sagt Lichtenauer. Die BRK-Helfer seien „sehr dankbar“, dass er das Gelände für die Trümmerübung zur Verfügung stellte.
Ein realitätsnahes Szenario bietet das Alpamare freilich nicht deswegen, weil es ein Trümmerfeld wäre. Vielmehr sind es laut Lichtenauer die zahlreichen Nischen, die „scheinbar endlosen Leitungskanäle“ oder die ungewöhnlichen Bodenverhältnisse – etwa in leeren Schwimmbecken – die die Hunde darauf vorbereiten, ungewohntes Terrain systematisch abzusuchen.
Beim Training versteckten sich die zwölf teilnehmenden menschlichen BRK-Helfer zum Beispiel in den Umkleiden, den Eingängen zu den stillgelegten Rutschen oder im Kellerbereich. Kathrin Lichtenauer selbst berichtet, wie sie sich in einen liegenden Schrank gelegt habe. In den Nischen der Essplätze im früheren Bistro – die Tische wurden laut Lichtenauer schon abgebaut – konnten die Hunde lernen, verwinkeltes Terrain nach der Witterung eines Menschen abzuschnüffeln. „Wir haben in zwei Gruppen gearbeitet und es nicht geschafft, alle Möglichkeiten, die das Gelände bietet, auszuschöpfen.“
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Trainiert habe die Gruppe „für einen Ernstfall, von dem wir uns alle wünschen, dass er nie eintritt“, erklärt die Königsdorferin. Gefragt gewesen seien die oberbayerischen Trümmerhunde beispielsweise schon bei einem Hochwasser in Niederbayern oder beim Eishalleneinsturz in Bad Reichenhall. Nach Erdbeben oder Gasexplosionen können ihre Fähigkeiten lebensrettend werden. Dann müssen sie sich notfalls auch ohne menschliche Begleitung in instabile Trümmer begeben. Weit häufiger müssen sie im Alltag aber Menschen in der Fläche suchen – etwa orientierungslose Senioren, die sich im Wald verirrt haben. Die Trümmerausbildung ist da sozusagen eine Zusatzqualifikation.
Aus persönlicher Sicht war das Training im Alpamare für Lichtenauer mit einem „komischen Gefühl“ verbunden. „Ich war als Kind zum Baden dort“, sagt sie. Da sei es seltsam, das verlassene Areal zu betreten. Und etwa zu sehen, „wie schnell sich im Freibereich die Natur das Ihre zurückholt und aus allen Ritzen etwas wächst“.



