25 Jahre ist es her, dass eine Brandserie Bad Tölz erschütterte. Trauriger Höhepunkt war eine Feuersbrunst, die das Alte Rathaus verwüstete und einen Schwerverletzten forderte. Dann schlugen die Behörden zurück.
Bad Tölz – Sechsmal schlugen die zwei Brandstifter zu, bis ihnen die Polizei das Handwerk legte. Am 8. Juli um Mitternacht ging eine Holzterrasse auf der Nockhergassen-Seite der Marktmühle in Flammen auf. Drei Tage später steckten Juan D. (22) aus Spanien und sein 18-jähriger Freund Zeljko Z. (22) aus Kroatien das Alte Rathaus in Brand. Zwei Hausbewohner konnten gerade noch über Leitern gerettet werden. Ein Feuerwehrmann stürzte drei Stockwerke in die Tiefe und entging nur knapp einer Querschnittlähmung. Am Gebäude entstand 1,5 Millionen Mark (rund 0,75 Mio. Euro) Schaden.
Im Prozess sagte das geständige Zündler-Duo später aus, dass sie all das vom Dach gegenüber beobachtet hätten. „Das war ziemlich interessant.“ Nach ihrem Motiv befragt, erklärte Juan D.: „Wir wollten Tölz bekannter machen, und dass hier mehr läuft.“
Eineinhalb Woche warteten sie, dann schlugen sie erneut zu. Sie legten Feuer an der Eingangstür zum Tölzer Kino am Amortplatz und versuchten noch am selben Tag, die hölzerne Türe des Rot-Weiß-Sportheims in der Kohlstatt anzuzünden. Zwei Tage später war es ein hölzerner Balkon in der Stefan-Glonner-Straße, der die beiden Pyromanen anlockte. Die Feuerwehr war auch diesmal rechtzeitig zur Stelle. Doch die Panikstimmung in der Stadt wuchs nun stündlich.
Der damalige Bürgermeister Albert Schäffenacker schlug durchaus im Ernst die Aufstellung einer 150 Mann starken Bürgerwehr vor, die nachts durch die Straßen patrouillieren sollte. Nicht ganz ernst gemeint war der Zusatz, sie mit „Tölzer Prügeln“ auszustatten. Auch die Tölzer Feuerwehr überlegte, erzählt der damalige Kommandant Hermann John, ob sie ihre passiven Mitglieder mit Funkmeldeempfänger ausstatten und beim Alarm zu Fuß zum Brandort ausrücken lassen sollte, „um zu schauen, ob jemand wegläuft oder beobachtet“.
Von solcher Bürger-Engagement war die Tölzer Polizei überhaupt nicht begeistert. PI-Chef Gerhard Voit sah rechtliche Probleme und kritisierte die Marktstraßen-Anwohner. Polizeistreifen ergaben nämlich, dass mehrere ältere Gebäude nicht abgesperrt waren.
Die Polizei war auch nicht untätig geblieben. Sie hatte die Fälle analysiert und das überwiegend hölzerne Freibad Eichmühle als
potenzielles nächstes Ziel ermittelt. Genau so kam es. Am 6. August wurden die beiden Feuerteufel in flagranti beim Zündeln erwischt. Einer ließ sich nach einem Warnschuss widerstandslos festnehmen. Der andere floh durch den Ellbach in Richtung Innenstadt. Er fragte ausgerechnet einen Zivilbeamten der Polizei im Gries nach der Uhrzeit.
Im Mai 1995 standen die beiden Männer vor dem Landgericht München. Verantworten mussten sie sich nicht nur wegen wiederholter Brandstiftung und mehrfacher Körperverletzung, sondern auch versuchten Mordes. Der zur Tatzeit 22-jährige Juan D. wurde zu zehn Jahren, sein Kumpel Zeljko Z. nach Jugendrecht zu acht Jahren Gefängnis verurteilt.
Nachtrag: Im September 1993 wurde Richtfest fürs neue Alte Rathaus gefeiert. Dabei las Bürgermeister Schäffenacker einen Brief eines der beiden Brandstifter vor, der sich „in aller Form entschuldigen“ wollte, auch wenn er wisse, „dass mit einer Entschuldigung nichts wieder gut gemacht werden kann“. Schäffenacker antwortete ihm: „Verzeihen kann man die Tat, vergessen aber nicht.“
Von Christoph Schnitzer

