Nockherberg lässt grüßen

„Mamma Bavaria“ alias Luise Kinseher in Tölz: Nicht richtig schlecht, aber auch nicht gut

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Einige Pointen der Kabarettistin Luise Kinseher wirkten allzu wohlvertraut.

„Mamma Bavaria“ alias Luise Kinseher im Tölzer Kurhaus: Nicht richtig schlecht, aber auch nicht gut. Gespaltene Meinungen zum Auftritt der Kabarettistin in Bad Tölz.

Bad Tölz – Ein bisschen wie in Hollywood fühlten sich die Besucher am Donnerstagabend im ausverkauften Tölzer Kurhaus schon. Dort gastierte die Kabarettistin Luise Kinseher mit ihrem neuen Programm „Mamma Mia Bavaria“. Was das mit der US-Traumfabrik zu tun hat? Auch in der Film-Metropole wird nach fast jedem Kassenschlager versucht, die Story auf mehrere weitere Teile auszuwalzen. Die Geschichte wird dabei fast immer von Folge zu Folge dürftiger.

So in etwa empfanden viele auch Kinsehers „Fortsetzung“ ihrer „Mamma Bavaria“. Mit dieser Figur war sie ja als Fastenpredigerin beim Politiker-Derblecken auf dem Nockherberg über Jahre ziemlich erfolgreich. Beschlich sie da etwa eine Erkenntnis, als sie sagte: „Ich habe am Nockherberg aufgehört, es hat ja nichts genutzt“?

„Mamma Bavaria“ im Tölzer Kurhaus: „Jachenau, klingt so ein bisschen wie Jauche“

Ihr Einstieg als preißische Helga Freese war ja noch ganz pfiffig, wobei sich Kinseher wohl nicht nur Freunde gemacht haben dürfte, als sie konstatierte: „Jachenau, klingt so ein bisschen wie Jauche.“ Ansonsten ließ die Kabarettistin natürlich an Ministerpräsident Markus Söder und der CSU an sich kein gutes Haar. Zur Landtagswahl merkte sie an: „Das politische Erdbeben hat ja mit Hubert Aiwanger nur eine weitere Nervensäge hervorgebracht.“

In ihrer mittlerweile fünften Reinkarnation – angefangen habe sie als bayerische Wirtin zur Römerzeit – zeigte sich Luise Kinseher als Kämpferin für Frauenrechte: „Wann gab’s schon jemals eine berühmte bayrische Königin? Wenn du was werden willst, dann musst du schon nach Österreich auswandern wie die Sissi.“

Insgesamt war das „neue“ Programm aber von zahlreichen vom Nockherberg bekannten Phrasen durchsetzt wie dieser: „Ich bin zwar die Mamma Bavaria, aber ich habe euch alle meine Kinder lieb.“ Freilich enthielt ihr Vortrag auch immer wieder erquickende neue Gedankenspiele. Etwa, als sie den „Schädling Flächenfraß“ in Bayern anprangerte: „Der Flächenfraß nistet hierzulande im Schmiergeld und wird über Landräte und Bauherren weitergegeben.“ Kinseher stellte zudem fest, dass „das Wirtshaus in Bayern die Wiege der Toleranz ist“. Dort hätten sich zu Urzeiten die Bayern mit Römern, Druiden und Restkelten vermischt: „Bloß ned untereinander, des gibt depperte Kinder.“

Luise Kinseher in Bad Tölz: Geteilte Meinungen im Publikum

Durchaus gespalten waren die Meinungen im Publikum. So fand der Lenggrieser Günter Haubner: „Heute ist sie auf jeden Fall besser als im vorigen Jahr.“ Irgendwie unschlüssig war hingegen der Tölzer Sepp Hintermeier: „So richtig schlecht ist sie nicht, gut aber auch nicht.“

Mit drei Gesangseinlagen zur Musik vom Band hatte Luise Kinseher auf alle Fälle bewiesen, dass sie stimmlich einiges zu bieten hat. Im relativ kurzen zweiten Teil des Programms vermisste man schließlich den roten Faden vollends. So kam das Beste erst in der Zugabe mit der stets volltrunkenen Kunstfigur „Mary from Bavaria“: „Die Weißwurst ist ein wunderbarer Tofu-Ersatz – wenn man kein Vegetarier ist.“  

Ewald Scheitterer

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