VonDoris Schmidschließen
Umweltverbände im Landkreis freuen sich über den positiven Ausgang des Volksbegehrens „Rettet die Bienen!“ – der Bauernverband weniger.
Bad Tölz-Wolfratshausen – Das bayernweite Volksbegehren „Rettet die Bienen!“ hat die Menschen wie kein anderes mobilisiert: Schon vor Ablauf der Frist am Mittwoch trugen sich mehr als die benötigten 950 000 Wahlberechtigten ein.
Die Initiative für das Volksbegehren geht auf die ÖDP zurück. Sie will nicht nur die Bienen schützen, sondern allgemein das Artensterben bremsen. Darüber hat sich Friedl Krönauer vom Bund Naturschutz (BN) im Landkreis während der 14-tägigen Eintragungsfrist mit vielen Menschen unterhalten. „Das war zeitaufwendig, aber auch sehr interessant“, sagt der BN-Sprecher. Erstaunt habe ihn, wie sehr sich bestimmte Aussagen verfangen hätten. „Da wurde 1:1 etwas übernommen, ohne dass man verschiedene Quellen geprüft und sich eine eigene Meinung gebildet hat.“ Trotzdem sei er positiv überrascht gewesen, dass die Bevölkerung „so aufgeschlossen war“.
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Auch Walter Wintersberger vom Landesbund für Vogelschutz (LBV) hat in den vergangenen Tagen viele Gespräche geführt. „Das hat mich sehr beschäftigt“, sagt der LBV-Kreisvorsitzende. Für nächste Woche hat Ministerpräsident Markus Söder (CSU) die Verbände zu einem Runden Tisch eingeladen. „Jetzt ist die Regierung unter Zugzwang“, sagt Wintersberger. Dort müsse etwas vorgelegt werden, „was Substanz hat“. Er sieht im Volksbegehren eine Chance für mehr Naturschutz. „Und ich bin überzeugt, dass es gerade für Bauern, die kleinflächig wirtschaften, eine bessere Förderung geben muss.“ Das wiederum liege in den Händen der Staatsregierung.
Wie berichtet nehmen die Initiatoren vor allem die Landwirtschaft in der Pflicht. So soll der Einsatz von Ackergiften eingedämmt und die Lebensräume für Bienen, Schmetterlinge und Vögel besser vernetzt und damit gesichert werden. Peter Fichtner, Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbands, hatte sich in unserer Zeitung klar gegen das Volksbegehren gestellt. „Das Problem ist, dass allein die Landwirtschaft in die Pflicht genommen wird“, sagt der 60-Jährige. Es sei nirgends ersichtlich, ob es für seinen Berufsstand Erleichterungen gebe. Und Ausnahmen von der Regel seien immer schwierig. Er befürchtet, dass viele kleinbäuerliche Betriebe aufhören müssen, wenn sie die Forderungen aus dem Volksbegehren zu erfüllen haben. Dass sich so viele Menschen eingetragen haben, wundert Fichtner nicht: „Für den Verbraucher hat das ja keine Einschränkungen.“ Vom Runden Tisch erwartet sich der Bad Heilbrunner keine großen Schritte – allenfalls „Schadensbegrenzung“.
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Naturschützer Krönauer stellt sich auf die Seite der kleinbäuerlichen Betriebe. „Wegen Naturschutz muss kein Landwirt aufgeben“, lautet seine Devise. Bauern müssten nun umso mehr unterstützt werden. Das sieht Barbara Schwendner von den Kreis-Grünen genau so. Wer für mehr blühende Flächen sorge, müsse entsprechende Förderungen und Ausgleichszahlungen erhalten, sagt die Tölzerin. „Unser aller Anliegen ist, dass niemand Schaden nimmt.“
Und nicht nur die Bauern, auch die Verbraucher müssen sich nach Krönauers Ansicht nach dem Volksbegehren weiter einbringen. „Man darf es nicht dabei bewenden lassen, sein Kreuz zu machen und dann zu sagen, dass damit alles gut ist“, sagt der Schlehdorfer. Die Bürger müssten ihr Einkaufsverhalten überdenken – ebenso wie die Gestaltung ihrer Außenanlagen. „Der Garten ist nicht die Verlängerung vom Wohnzimmer“, meint Kränauer. Anstatt den Rasen immer weiter zu trimmen, sollten vor der Terrasse wieder Insekten und Igel ihren Platz finden.
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