Podiumsdiskussion in Icking

Warum zwei Bio-Bauern für das Volksbegehren sind

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„Wer soll das schlucken?“ Über neue Wege in der Landwirtschaft diskutierte der Bund Naturschutz mit den Biobauern Hans Urban und Hans Leo.
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War früher alles besser? Ja, erklärten die Bio-Bauern Hans Urban und Hans Leo bei der Podiumsdiskussion „Neue Wege in der Landwirtschaft“. Und erklärten dabei auch, warum sie für das aktuelle Volksbegehren sind.

Icking – Der Gemeindesaal der evangelischen Kirche drohte aus allen Nähten zu platzen. Mit der Podiumsdiskussion „Wer soll das schlucken? – Neue Wege in der Landwirtschaft“ schienen die Verantwortlichen der Ortsgruppe des Bund Naturschutz (BN) förmlich in ein Wespennest gestochen zu haben – und das quasi pünktlich zum Auftakt des Volksbegehrens „Rettet die Bienen“.

BN-Ortsvorsitzende Dr. Beatrice Wagner begrüßte neben den zahlreichen Zuhörern namentlich Claudia Roederstein und Georg Frech als Vertreter des Ickinger Gemeinderats. Dann stellte sie Margarete Moulin vor, freie Journalistin und Moderatorin des Abends, und natürlich die beiden Referenten des Abends, Hans Urban (Packlhof Eurasburg) und Hans Leo (Naturkäserei Tegernsee). Beide sind seit vielen Jahren in der Bio-Landwirtschaft zuhause. Und Hans Urban offensichtlich auch in Icking. „Nach dem letzten Wahlergebnis ist das hier wohl meine zweite Heimat“, scherzte der frisch gewählte Landtagsabgeordnete der Grünen.

Bei Hans Urban hatten die die Eltern den Weg in den Bio-Betrieb geebnet. Hans Leo musste sich bei der Umstellung noch intensiver mit der Frage beschäftigten: „Warum denn diese Umstellung? Warum wie früher?“ Seine Antwort: „Weil’s da besser war.“ „Das autonome Handeln des Landwirts ist verloren gegangen“, sagte Leo. Nach dem Krieg wären alle daran gewöhnt gewesen, ihre Milch zentral abzugeben. Urban ergänzte: „Aber wir standen mit den sinkenden Preisen alle mit dem Rücken zur Wand.“ Sein Vater entschied sich 1984 auf Öko-Landwirtschaft umzustellen. Als Kind habe er durchaus Ausgrenzung aushalten müssen, so Urban: „Da war ich der Bua vom Bio.“ Dann habe man sich etabliert. Inzwischen gehe die Ausgrenzung aber wieder los.

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Hans Leo stimmte zu. Doch er habe die Milchbauern am Tegernsee trotz aller Kritik schnell überzeugen können. Statt 28 Cent zahle er einen Grundpreis von 45 Cent pro Liter. „Wenn die Qualität besonders gut ist, zahlen wir auch mehr.“ Das Erfolgskonzept der Naturkäserei als Genossenschaft sei vor allem den Frauen zu verdanken, die ihre Männer in Zeiten der BSE-Krise überzeugen konnten, die Molkereiverträge zu kündigen.

Wichtig sei ihm die Nähe zum Kunden, so Leo. Da lasse er sich auch nicht von einer Supermarktkette die Preise diktieren. Zustimmender Applaus im Publikum. Es folgte eine ambitionierte Diskussion rund um Artenschutz, intensive und extensive Landwirtschaft sowie die Notwendigkeit der „frühen Mahd“ (höhere Energiedichte, aber eben kein Ausblühen der Pflanzen und damit Nahrung für Insekten).

Als Bio-Bauern sind beide für das Volksbegehren. Urban: „30 Jahre freiwillige Landwirtschaft haben nicht viel gebracht, deswegen brauchen wir eine politische Lösung.“ Das Argument der konventionellen Landwirte, dass zu wenig Bio-Produkte gekauft würden, um wirtschaftlich zu arbeiten, sehen Urban und Leo entspannt. Beide sind sich sicher: „Die Leute sind dabei umzudenken und sind auch bereit, für eine gute Ware mehr zu bezahlen.“ Und das betreffe nicht nur Icking und den Speckgürtel um München.

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