VonGabi Wernerschließen
In Bad Wiessee sind kühle Rechner am Werk. Nach der Erhöhung der Parkgebühren geht die Gemeinde nun auch beim Kurbeitrag ihren eigenen Weg: Der Beitrag wurde von 2 auf 3,30 Euro erhöht. Die Entscheidung war umstritten.
Bad Wiessee – Die Entscheidung zur Erhöhung des Kurbeitrags fiel am Donnerstagabend im Gemeinderat nur mit knapper Mehrheit von 8:6 Stimmen. Dabei waren sich die Wiesseer durchaus bewusst, dass sie mit ihrem Beschluss für Aufsehen im Tegernseer Tal sorgen werden. Denn es ist ein Alleingang: Bislang gilt talweit ein einheitliche Kurtaxe von zwei Euro. Die muss der Gast pro Person und Nacht bezahlen.
Der amtierende Bürgermeister Robert Huber (SPD) verteidigte den stattlichen Aufschlag: Angesichts einer Deckungslücke von über einer Million Euro bei den Aufwendungen für die Kureinrichtungen sei die Erhöhung „durchaus angemessen“. „Wir müssen schauen, wie wir unseren Badepark finanziert bekommen und haben noch viele weitere Einrichtungen“, machte Huber deutlich. Wenn ein Staatsbetrieb wie Bad Reichenhall auf 3,30 Euro raufgehen könne, „dann können auch wir ein bisserl nach oben korrigieren“.
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Gewohnt deutliche Worte fand auch Rathaus-Geschäftsleiter Hilmar Danzinger. Die Einnahmen aus dem Kurbeitrag – rund 1,1 Millionen Euro – würden derzeit zur Gänze in den Etat der Tegernseer Tal Tourismus GmbH (TTT) fließen. Bad Wiessee bleibe daher auf den Kosten für die Kurangebote, darunter Musikveranstaltungen, Unterhaltung der Kuranlagen, Betrieb von Badepark und Jodschwefelbad sowie des Gasthofs Zur Post, sitzen. „Das müssen die Bürger zahlen“, sagte Danzinger und schob hinterher: „Das ist die Wahrheit.“
Die CSU wollte die Erhöhung so nicht absegnen. Die 3,30 Euro seien zu viel, sagte Fraktionssprecher Kurt Sareiter. Zudem halte er den Zeitpunkt für komplett falsch. „Wir haben derzeit Baustellen über Baustellen“, gab er zu bedenken. Und auch das Wiesseer Ausscheren aus der bisher talweiten Regelung störte den CSU-Sprecher: Die Tal-Gemeinden sollten doch als Einheit auftreten. „Es besteht die Gefahr, dass wir uns ein Negativ-Image aufbauen, wenn Bad Wiessee immer teurer ist als die anderen Gemeinden“, erklärte Sareiter.
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Ganz ähnlich sah es Birgit Trinkl, Gemeinderätin des Wiesseer Blocks und Vermieterin von Ferienwohnungen: Wenn Bad Wiessee aus der talweiten Regelung ausschere, „stellen wir unsere Gäste schlechter als die in den anderen Orten“. Grundsätzlich würde sie eine Erhöhung durchaus befürworten, aber erst dann, „wenn die neuen Angebote im Ort für den Gast sichtbar und spürbar sind“. Zudem plädierte Trinkl dafür, der Verwirrung um die Gästekarte und die Tegernsee Card endlich ein Ende zu setzen und die beiden Karten miteinander zu verschmelzen. Dass es da zwei unterschiedliche Karten gebe, „versteht nämlich keiner“.
Für die vorgeschlagene Erhöhung um 1,30 Euro sprach sich dagegen Klaudia Martini (SPD) aus. „Wir reden hier nicht über gigantische Beträge“, meinte sie. Martini sah auch kein Problem darin, dass Bad Wiessee damit einen Alleingang startet. „Wenn wir das für sinnvoll erachten, sollten wir das jetzt tun“, fand die SPDlerin. Nachdem die Erhöhung des Kurbeitrags erst zum 1. Dezember 2019 in Kraft trete, bleibe dem Bürgermeister noch genügend Zeit, mit den anderen Rathaus-Chefs im Tal über eine Angleichung zu verhandeln.
Nachdem auch die CSU auf eine einheitliche Regelung gepocht hatte, wurde im Beschluss letztlich der Zusatz verankert, dass es unbedingt Ziel sein müsse, „die Kurbeiträge aller Tal-Gemeinden in absehbarer Zeit wieder zu vereinheitlichen“. Huber solle das Thema bei der nächsten Bürgermeister-Dienstbesprechung auf den Tisch bringen. Ebenfalls mit aufgenommen wurde die Forderung, dass künftig nur noch eine einzige Gästekarte angeboten werden soll.
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„Solidargemeinschaft ist was Wunderbares“, meinte Huber zum Abschluss. Es könne aber nicht angehen, dass Bad Wiessee viele Leistungen erbringe, „von denen die anderen Gemeinden dann partizipieren“.
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