VonAlois Ostlerschließen
Die Isar gleicht derzeit einer Großbaustelle. Gleich an mehreren Abschnitten arbeiten Bagger im Flussbett. Die massiven Eingriffe verbessern nachhaltig den ökologischen Zustand des Wildflusses.
Lenggries – „Wir wollen die Isar wieder in die Höhe bringen“, sagt Helmut Henkel von der Flussmeisterstelle Lenggries. Sie ist für die Ausführung der Maßnahmen zuständig, die das Wasserwirtschaftsamt Weilheim (WWA) geplant hat. Die Behörde will damit einen weiteren Beitrag zur Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie leisten.
Der aufwendigen Baggerei liegt folgender Grundgedanke zugrunde: „Wir müssen das Geschiebe so umsetzen, dass sich wieder Seitenarme an der Isar bilden“, erklärt Flussmeister Henkel. Die Bagger setzen dazu das Geschiebe im Flusslauf meist so um, dass sich die Sohle in der Mitte der Isar erhöht und das Wasser zwangsläufig einen neuen Weg nimmt.
WWA-Chef Roland Kriegsch erklärt das Vorgehen so: „Zur Strukturverbesserung und Förderung der natürlichen Entwicklung im Abflussprofil wird das Geröll der verfestigten Kiesbänke in die Hauptflussrinne umgelagert.“ Der Kies stehe damit der natürlichen Geschiebetrift wieder zur Verfügung. Die Maßnahme sei erforderlich, weil die Isar die Kiesbänke im Bereich der Isarbrücke trotz erhöhter Abflüsse aus eigener Kraft nicht umlagern konnte. Mittlerweile sind die Kiesbänke laut Kriegsch so verfestigt, dass diese auch bei Hochwasser nicht mehr mobilisiert werden können. „Verfestigungen entstehen einerseits durch die Verstopfung und Verdichtung der Kieslücken und andererseits durch mikrobiologische Prozesse“, so der WWA-Leiter. Durch die maschinelle Umlagerung werde der Kies gelockert und komme entweder durch die entstandenen Veränderungen der Strömungsverhältnisse oder mit erhöhten Abflüssen während der Schneeschmelze oder bei einem Hochwasser wieder in Bewegung.
Zu der Maßnahme gehört laut Kriegsch auch das Einbringen von Totholz, damit Lebensräume für Jungfische, Unterstände und Rückzugsbereiche entstehen. Um das eingebrachte Totholz auch bei erhöhten Strömungsgeschwindigkeiten gegen eine Verlagerung oder Abtrieb zu sichern, graben die Bagger Baumstämme in das Gewässerbett ein. Seile oder ähnliche künstliche Sicherungen werden nicht verwendet. Sowohl die umgesetzten Kiesbänke als auch das Totholz dienen nach WWA-Angaben der Verbesserung der Gewässerstruktur, der Erschließung neuer Geschiebequellen und letztendlich der Verbesserung der Lebensbedingungen für die Fische. „Das frische Geschiebe ist ein idealer Laichplatz, und das Totholz in den seichten Gewässerbereichen schafft optimale Rückzugsorte für Jungfische“, sagt Kriegsch. Gerade im Sommer bei zunehmender Freizeitnutzung würden diese Strukturen gerne als Versteckmöglichkeiten genutzt. Aber auch größere Fische fänden Schutz unter den Totholz-Gumpen.
Die mit Naturschutz und Fischern abgestimmten Arbeiten sollen bis Ende Januar abgeschlossen sein. Die Baukosten sind auf rund 10 000 Euro veranschlagt. Nach Schätzungen von Flussmeister Henkel werden in diesen Wochen weit über 10 000 Kubikmeter Kies umgesetzt. Wenn alles glatt über die Bühne geht, dann kann laut Henkel eventuell auch noch eine Geschiebe-Umsetzung auf Höhe der Arzbacher Sporthalle in Angriff genommen werden.
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