- VonPeter Keesschließen
Zwei neue Gleise durch die Gemeinde Aßling: Lieber bald als später, findet der Gemeinderat. Aber einverstanden ist man mit den Plänen deshalb nicht.
Aßling – Nirgends im Landkreis wird so intensiv über den Brenner-Nordzulauf debattiert wie in Aßling. Die zwei neuen Gleise sollen durch die Gemeinde gebaut werden. Im August hat sich deshalb ein politischer Arbeitskreis „Brenner-Nordzulauf“ gegründet, dem Mitglieder aller Gemeinderats-Fraktionen angehören. Dieses Gremium hat nun Kernforderungen erarbeitet, die an die Streckenplaner der Deutschen Bahn gehen sollen.
Priorität eins hat dabei maximaler Lärmschutz für die Bevölkerung, gefolgt von Erhalt und Verbesserung des Nahverkehrs. Bessere Verbindungen etwa will man haben und den Bahnhof erhalten, so Bürgermeister Hans Fent (parteifrei) auf der Ratssitzung am Dienstag. Dort wurde das Papier ohne Diskussion mit nur einer Gegenstimme abgesegnet.
„Gegenüber der durch die DB vorgelegten Planungen sind noch erhebliche Verbesserungen notwendig“, heißt es darin. Man erwarte „die verträglichste Umsetzung für Mensch, Natur und Landschaft.“ Weder dürften durch den Flächenverbrauch landwirtschaftliche Betriebe noch der Nahverkehr gefährdet werden. „Biotope und Schutzgebiete müssen erhalten bleiben.“ Auch müsse die Bahnlärmbelastung an der Bestandsstrecke sinken.
Brenner-Nordzulauf: Aßling fordert mehr Tunnel
Konkret fordert man neben Lärm- und Erschütterungsschutz für die Neubau- wie die Bestandsstrecke eine „maximal mögliche Untertunnelung für die gesamte Neubaustrecke“. So wollen die Aßlinger an Niclasreuth vorbei statt eines auf 100 Meter überdeckelten Trogs einen 800 Meter langen Tunnel. Auch bei Dorfen fordert die Gemeinde eine Tunnellösung. 350 Meter nach dem südlichen Ende des Salachtunnels soll er beginnen und am Ende der geplanten Stützwand südlich des Ortes enden. Überdies erwartet man, dass alle bestehenden Wegeverbindungen erhalten bleiben.
Außerdem solle die Bahn im Abschnitt Grafing-Ostermünchen zügig losbauen. Werde die Trasse erst wie geplant 2040 fertig, sei mit der Fertigstellung des Brennerbasistunnels und dem folglich höheren Verkehrsaufkommen eine Verschlechterung des Nahverkehrs zu erwarten. „Aßling und die gesamte Region müssen mit dem Trassenneubau durch Verbesserung des ÖPNV-Taktes gestärkt werden.“ Klar sei etwa, dass der Aßlinger Bahnhof barrierefrei werden müsse.
(Übrigens: Alles aus der Region gibt‘s jetzt in unserem regelmäßigen Ebersberg-Newsletter.)
Zwei Gleise bei Aßling - und nicht mehr
Auch beim Umgang mit dem Baumaterial ist man wach. Das nämlich dürfe die Straßen und Ortschaften nicht belasten. Für Schäden müsse die Bahn aufkommen. Und: „Der Flächenverbrauch ist so gering wie möglich zu halten.“ Heißt: „Neben den zwei neuen Gleisen sollen keine weiteren Gleise (Überholgleise) gebaut werden.“
Grundsätzlich will man, dass eine Alternative zur derzeitigen Vorzugsvariante der Bahn nochmals geprüft wird, „in möglichst enger Parallellage zu den Bestandsgleisen.“ Denn die Aßlinger Räte finden: „Die im Trassenauswahlverfahren von der DB ausgearbeiteten Variante „Türkis“ (oberirdisch am Bestand, Anm. d. Red.) erfüllt die Erwartungen nicht.“
Für manche unerwartet ruhig und friedlich verlief das Thema auf der gut besuchten Gemeinderatssitzung. Weder gab es Diskussionen im Rat, noch kamen Zwischenrufe aus dem Publikum oder Wortmeldungen vorab zur Sache. Nach dem öffentlichen Teil der Sitzung standen die Zuhörer noch zusammen und diskutierten. Die Gemeinde wird ihre Kernforderungen demnächst öffentlich zugänglich machen.
Mehr News finden Sie in unserer brandneuen Merkur.de-App, jetzt im verbesserten Design mit mehr Personalisierungs-Funktionen. Direkt zum Download für Apple und Android, mehr Informationen gibt es hier. Sie nutzen begeistert WhatsApp? Auch dort hält Sie Merkur.de ab sofort über einen neuen WhatsApp-Kanal auf dem Laufenden. Hier geht‘s direkt zum Kanal.