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Helmut Wiesmeth ringt um Fassung, wenn er berichtet, welch große Hilfsbereitschaft er in den vergangenen Tagen in Kochel erlebt hat. Sein vermisster Hund Timmi wurde am Samstag gefunden.
+++ UPDATE 7. JUNI ++++
Der Schreck war groß, als Hund Timmi am vergangenen Mittwochnachmittag auf einer Wanderung verschwand. Helmut Wiesmeth befand sich mit einem Bergkameraden beim Abstieg unterhalb des Grasecks in Richtung Geißalm, als Timmi auf Höhe der Einmündung des Steigs von der Kotalm in einen Graben zum Heckenbach stürzte. Der Hund sei grundsätzlich bergerfahren, berichtet Wiesmeth am Telefon. Er geht davon aus, dass irgendetwas Timmi erschreckt habe, denn plötzlich war er weg.
Noch bis in den Mittwochabend hinein suchte Wiesmeth nach seinem Hund. Unterstützung bekam er von einigen Kochler Bergwacht-Mitgliedern. Aus privater Initiative wurde eine Drohne zur Verfügung gestellt, mit der der Graben zum Heckenbach (auf der Nordseite des Jochbergs) abgesucht wurde. Heute weiß man, dass sich Timmi dort auch befand. „Warum wir ihn nicht gesehen haben, bleibt ein Rätsel“, sagt Wiesmeth. Er vermutet, dass das Geräusch der Drohne den Hund verängstigte, „so dass er sich ins Gelände gekauert hat“.
Die Berichterstattung über den vermissten Hund zog derweil Kreise, bei Wiesmeth meldeten sich einige freiwillige Helfer. Der Ingolstädter suchte am Donnerstag mit Unterstützung der Bergwacht den weglosen Bereich am Heckenbach ab, zudem wurden Polizei und Gemeinde informiert. Wiesmeth hatte außerdem Plakate entworfen, um auf den Hund aufmerksam zu machen.
Am Freitag war das Wetter für eine Suche zu schlecht. „Ich saß den ganzen Tag zu Hause, habe die Webcam vom Herzogstand angeschaut und Karten studiert“, erzählt Wiesmeth. Timmi lebt erst seit einem Jahr bei ihm und seiner Frau. Der gut fünf Jahre alte Mischlingshund stammt ursprünglich aus Rumänien, lebte dort auf der Straße und kam mit drei Jahren nach Deutschland. Allerdings kam nicht jeder Besitzer mit ihm zurecht, sodass der Hund immer wieder im Tierheim landete. „Er ist scheu und misstrauisch gegenüber manchen Menschen“, berichtet Wiesmeth.
Ihm sei es jedoch gelungen, Vertrauen aufzubauen. „Timmi ist ein Goldschatz“, sagt sein Besitzer. „Am Berg sind wir ein gutes Team.“ Die ganzen Tage über habe er sich gefragt, ob Timmi den Absturz wohl überlebt habe – und wie es ihm wohl geht. „Man sagt, dass Hunde zirka eine Woche ohne Nahrung überleben können, wenn sie genügend Wasser haben.“
Aufgrund der überregionalen Berichterstattung meldete sich Joana Hoffmann aus Mittenwald. Sie stammt ebenfalls aus Ingolstadt und kennt wiederum Christopher Lührs. Der Bundeswehrler aus München hat schon mal einen Hund aus Bergnot gerettet. Sie verabredeten sich am Samstag an der Unglücksstelle. Lührs stieg in den Graben ein, sicherte sich und seilte sich dann weiter ab. Wenige Minuten später kam dann der erlösende Ruf: Timmi ist gefunden, und er lebt. Der Hund befand sich auf einem gerade für ihn ausreichenden, nicht einsehbaren Plateau im Abbruchgelände. Es ging ihm verhältnismäßig gut, er hatte nur leichte Blessuren.
Inzwischen war auch Uli Rappolder von der Kochler Bergwacht eingetroffen. Er holte den geschwächten Hund nach oben auf den Steig, dort gab es Wasser und etwas zu fressen. „Timmi war dann in der Lage, den kurzen Verbindungsweg zum Bergwachtfahrzeug zu gehen“, berichtet Wiesmeth. Unten auf dem Parkplatz bedankte sich Wiesmeth emotional bei allen Helfern. Auch am Sonntag, beim Telefongespräch mit dem Tölzer Kurier, war Wiesmeth sehr gerührt. „Ich habe hier am Kochelsee Freunde gefunden“, sagt der Rentner. Die Tatsache, wie sehr sich andere Menschen in ihrer Freizeit für andere am Berg, sogar für Hunde, einsetzten, habe ihn sehr bewegt. „Das werde ich nie vergessen. Meine Frau und ich sind sehr sehr dankbar.“
Erster Bericht am Donnerstag, 4. Juni:
Kochel am See – Freiwillige Helfer suchten „Timmi“ zwar stundenlang, entdeckten den Vierbeiner aber nicht. Besitzer Helmut Wiesmeth aus Ingolstadt hofft aber immer noch, dass sein Hund wieder auftaucht.
Wiesmeth war am Mittwoch mit einem Bekannten und „Timmi“ in den Bergen unterwegs. Auf dem Weg vom Sonnenspitz runter in Richtung Graseck habe sein Hund plötzlich eine „merkwürdige Bewegung“ gemacht. Das habe sein Begleiter bemerkt und ihn darauf aufmerksam gemacht, berichtet Wiesmeth. Doch als der Ingolstädter nach seinem Vierbeiner schauen wollte, war Timmi verschwunden. „Es ging alles so schnell, ich habe nach links geschaut, und dann war er auch schon weg“, erklärt Wismeth. Das war am Mittwoch zwischen 13 und 14 Uhr.
Natürlich suchte er sofort nach seinem Hund, rief immer wieder seinen Namen. Sein Mitwanderer blieb an der Stelle stehen, an der der Hund verschwunden war, in der Hoffnung, dass „Timmi“ wieder zurückkommen würde. Doch das Warten war vergebens. Schließlich bekam das Wander-Duo Hilfe von Ortsansässigen. Aber auch die freiwilligen Helfer suchten bis 22 Uhr vergeblich nach dem Mischlingsrüden. Am Donnerstag wurde die Suche fortgesetzt – ebenfalls ohne Erfolg. Roland Stadler aus Kochel am See war einer der Helfer. „An der Stelle, an der der Hund wahrscheinlich abgestürzt ist, geht es recht tief nach unten, bis zum Heckenbach“, sagt er auf Anfrage. Ob der Hund den vermuteten Sturz überlebt haben könnte, ist seines Erachtens schwer abzuschätzen. „Wir halten aber alle weiter unsere Augen nach ,Timmi‘ offen“, sagt er.
Wiesmeth selbst fuhr am Donnerstagnachmittag schweren Herzens ohne seinen geliebten Timmi zurück nach Ingolstadt. Wer den Hund sieht, wird gebeten, sich unter der Rufnummer 01 72/7 58 66 25 zu melden. Der sechsjährige Mischling ist zirka 50 Zentimeter groß und hat weißes Fell mit braunen und dunklen Flecken. „Timmi“ trägt ein anthrazit-farbenes Geschirr und ist generell recht scheu.
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