Das Bergwachtzentrum auf der Flinthöhe ist einzigartig. Zur weltweit bestaunten Trainingshalle mit Flugsimulatoren soll nun ein Tagungs- und Forschungszentrum kommen. Ein Museumsteil ist angedacht. Und eine neue Heimat für die Tölzer Bergwacht.
Bad Tölz – Ob aus China, Kanada, Sri Lanka oder Tschechien: Aus der ganzen Welt melden sich Interessenten für die Einsatztechniken der bayerischen Bergwacht und ihre einmaligen Übungsmöglichkeiten im Bergwachtzentrum für Sicherheit und Ausbildung auf der Flinthöhe. Spezialführungen gibt es schon lange. Vertieft einzusteigen, zum Beispiel Fachtagungen abzuhalten oder gar Forschungsaufträge von interessierten Universitäten zu bearbeiten, das war bisher aus Platzgründen unmöglich. Schon beim Bau der Simulatorenhalle 2008 war aber angedacht, dass es einen zweiten Bauabschnitt geben soll, der auch den Raumbedarf der Zukunft decken soll. Das Projekt, das bisher unter dem Arbeitstitel „Alpincampus“ firmierte, ist nun durchgeplant und soll in Kürze im Gaißacher Gemeinderat behandelt werden.
Rund 70 Meter lang und 14,50 Meter breit wird der neue Baukörper sein, der sich südlich der Trainingshalle und parallel zum Eisstadion erstrecken wird. Im Erdgeschoss werden zum Beispiel Garagen, Technik und ein Spezialshop für Bergretter untergebracht, erläutert Projektleiter Wolfgang Buchner.
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Interessant wird es in den aus Umweltgründen in Vollholzausführung gestalteten zwei oberen Stockwerken. Im ersten Obergeschoss sind diverse Büros der Bergwacht Bayern sowie Räume vorgesehen, in denen auch geforscht werden kann. Was denn zum Beispiel? Buchner, der selbst Jahrzehnte lang aktiver Bergretter war, nennt das Downwash-Phänomen. Beim Aufwinschen vom Hubschrauber aus kann es dazu kommen, dass der Bergesack vom Abwind der Rotoren in eine unkontrollierbare Drehbewegung versetzt wird. Herbert Streibel von der Bergwacht Bayern habe eine Art Steuerungsruder entwickelt, sagt Buchner, das schon vielfach eingesetzt werde. „Aber hier könnte man es weiterentwickeln.“ Und mit der Neuerung in einem eigenen Downwash-Simulator auch gleich trainieren.
Geplant sind im zweiten Obergeschoss ein Sitzungssaal sowie Räume für neue Aufgaben wie Drohnen- und digitale Technik. Im nördlichen Teil des Gebäudes wird ein großes Foyer auch Tagungen ermöglichen.
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Das Bergwachtzentrum stößt auch bei Touristen und Urlaubern auf enormes Interesse. Ist auch an sie gedacht? „Ja“, sagt Buchner. Er fungiert auch als Vorsitzender des Stiftungsbeirats der Stiftung Bergwacht Bayern, die Eigentümer der Immobilie ist. Er könne sich Ausstellungen, eine Multivisionsshow und auch einen Museumsteil vorstellen, in dem die Geschichte der Bergwacht Bayern präsentiert wird. Da könnte es auch Führungen geben.
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Rund 8 Millionen Euro Baukosten sind für diesen dreistöckigen Teil des Gebäudes anvisiert. Die Bergwacht Bayern sei derzeit gerade dabei, die Finanzierung auf die Beine zu stellen. 2019 wird es nach Einschätzung Buchners wohl noch nicht zu einem Baubeginn kommen.
Anders ist das beim zweiten, nur zweistöckigen Gebäudeteil im Süden des Baukörpers. Dort möchte die Bergwacht Bad Tölz möglichst bald mit dem Bau ihrer rund 900 000 Euro teuren neuen Rettungswache beginnen. Das hat einen guten Grund, erläutert Buchner. Die Bergwacht Tölz, bisher in Containern untergebracht, wird 2019 100 Jahre alt. „Dieses runde Jubiläum will sie unbedingt in den neuen Räumlichkeiten feiern.“
Christoph Schnitzer