VonIngrid Zeilingerschließen
Der Fliegerhorst Fürstenfeldbruck bleibt jetzt doch Bundeswehrstandort. Grund für die Rolle rückwärts ist die sicherheitspolitische Lage. Damit ist die geplante Konversion offenbar vom Tisch – zumindest großteils.
Fürstenfeldbruck – Gerüchte gab es schon länger, doch jetzt ist es amtlich: Die Bundeswehr nimmt von ihren Plänen, den Fliegerhorst bis 2030 zu verlassen, Abstand. Fürstenfeldbrucks Oberbürgermeister Christian Götz hat davon in einer Video-Konferenz erfahren und nun auch die Fraktionsvorsitzenden informiert.
Hintergrund ist die aktuelle sicherheitspolitische Lage, aufgrund derer das Bundesverteidigungsministerium eine neue Standortstrategie verfolgt und sämtliche militärischen Flächen in Deutschland – auch bereits entwidmete – einer erneuten Prüfung unterzieht, wie die Stadt mitteilt. Nun ist es zu dem Schluss gekommen, den Fliegerhorst doch weiterhin zu nutzen, auch wenn die Offizierschule der Luftwaffe nach Roth umgezogen ist.
„Die sicherheitspolitischen Entwicklungen machen auch vor Fürstenfeldbruck nicht Halt“, sagt OB Christian Götz dem Tagblatt. Die Aussage sei klar. 2030 als Abzugsdatum sei vom Tisch. „Und sie nennen auch kein Datum mehr“, sagte der Rathauschef.
Wie lange die Bundeswehr bleiben wird, ist offen, da das Standortkonzept noch nicht fertig ausgearbeitet ist. Das Bundesverteidigungsministerium hat angekündigt, ab kommendem Jahr einen Standortdialog führen zu wollen. Die Stadt Fürstenfeldbruck soll so Gelegenheit bekommen, ihre Flächenbedarfe anzumelden „Ich bin froh, dass wir endlich nach zwei Jahren Anlauf einen Ansprechpartner im Verteidigungsministerium haben“, so Götz.
Der Rathauschef ist erleichtert, dass nun eine Entscheidung da ist, auch wenn es bedeutet, dass man sich von den großen Planungen für ein neues Stadtviertel verabschieden muss. Es sei nicht ausgeschlossen, dass Teilbereiche des Areals freigegeben werden – auch wenn weder Zeitpunkt noch Umfang bekannt sind. Aber eher mit gewerblicher Nutzung, so Götz. „Es wird keinen Wohnungsbau geben, keine Kultur und auch keine Naherholungsflächen.“
Aus diesem Grund wird die Stadt mit dem Büro Adept, das den städtebaulichen Wettbewerb für die Nachnutzung gewonnen hatte, die Rahmenplanung anpassen, mit dem Ziel, die Grundidee zu erhalten und flexibel umsetzen zu können. Ein vollständiger Planungsstopp sei weder zielführend noch wirtschaftlich sinnvoll, heißt es in der Mitteilung weiter. „Jetzt einfach alles hinzuschmeißen wäre keine Option – wir wollen vorbereitet sein, wenn sich Chancen für Teilflächen ergeben“, sagte Götz. „Wichtig ist nun, dass wir unsere Bedarfe klar benennen, um für unsere Stadt die bestmögliche Lösung im Dialog mit Bund und Land zu erreichen.“
Die Stadträte müssen sich nun ganz neue Gedanken machen, sagt Markus Droth, Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler. „Nun ist Klarheit da, aber das macht die Sache nicht einfacher.“
Für die Übergangsphase denkt Droth etwa an das Offiziersheim, das zum 30. September seine Gastronomie einstellt. In einem Antrag fordern die Freien Wähler, dass die Stadt unmittelbar Gespräche mit der Bima und den zuständigen Stellen aufnimmt.
