Stadtwerke geben Einblick

Stadt wächst und wächst: Ist genug Wasser für alle da ?

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Mehr Menschen brauchen auch mehr Wasser: An der Banater Straße entstehen derzeit 770 Wohnungen, und Geretsried wird in den nächsten Jahren Prognosen zufolge weiter wachsen.
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Es ist ein Jahr der Trockenheit. Und Geretsried ist einem Wachstumsdruck ausgesetzt. Was das für die Wasserversorgung bedeutet.

Geretsried – Der Sommer war extrem trocken. Mancherorts wurden Sorgen über die Wasserversorgung laut. Die Stadt Geretsried gab im sozialen Netzwerk Facebook mit Blick auf das niedrige Niveau des Grundwasserpegels einige Spartipps. Ob die Geretsrieder Wasserleitungen irgendwann leerlaufen, auch mit Blick auf steigende Einwohnerzahlen, wollte Volker Reeh (Geretsrieder Liste) in der Stadtratssitzung am Dienstag wissen. Jan Dühring, Leiter der Stadtwerke, beantwortete all seine Fragen.

Geretsried wächst – reicht das Wasser für alle?

Die Stadtwerke versorgen Geretsried und die Nachbargemeinde Königsdorf mit Wasser aus den Brunnen im Ortsteil Wiesen. Geretsried darf für seine Bevölkerung laut Förderbescheid 1,85 Millionen Kubikmeter Wasser im Jahr aus dem Schutzgebiet entnehmen. Aktuell werden bei rund 26 000 Einwohnern 1,6 Millionen Kubikmeter Wasser im Jahr gefördert. Nun entstehen an der Banater Straße 770 zusätzliche Wohnungen, zudem ist die Stadt Wachstumsdruck ausgesetzt. „Wir sind am Ende unserer Fördermöglichkeiten“, mahnte Reeh. „Was tut das Kommunalunternehmen, um die Fördermenge auszuweiten?“

Dühring bezeichnete den Förderbescheid als „gläserne Decke“, räumte aber auch ein, dass es damals zehn Jahre lang gedauert habe, diesen zu bekommen. „Es sind so viele Belange betroffen.“ Kurz- bis mittelfristig würde das Wasser ausreichen, erklärte Dühring. Auch für das neue Quartier „Opus G“ auf dem ehemaligen Lorenz-Areal sei gesorgt. Die Herstellung der Wasseranschlüsse sei eines der aktuellen Bauprojekte der Stadtwerke. Die Kosten würden vom Investor getragen. „Die Inbetriebnahme kann voraussichtlich nächste Woche erfolgen.“

Laut Prognosen werden bis 2026 36 000 Menschen in Geretsried leben. Für Menschen lasse sich der Wasserbedarf recht einfach berechnen, so Dühring. „Unberechenbarer dagegen ist die gewerbliche Entwicklung.“ Bei wasser- und abwasserintensiven Betrieben könnte die Stadt vor Problemen stehen, wenn gewisse Dimensionen erreicht sind. „Insbesondere hier müssen wir schauen, wie es sich entwickelt.“

Die Stadtwerke betreiben verschiedene Prüfungen, um den wachstumsbedingt steigenden Wasserbedarf decken zu können. Dazu gehöre zu schauen, ob es noch Reserven im bereits bestehenden Wasserschutzgebiet gibt, wie gesichert das Dargebot ist und wo ansonsten Wasser herkommen könnte. „Wir haben das schon in Angriff genommen und berichten fortlaufend im Verwaltungsrat.“

Ihren Spielraum erhöhen die Stadtwerke außerdem etwas, indem Lecks im Leitungsnetz aufgespürt und ausgebessert werden. „Die Wasserverluste sind dadurch im Vergleich zu vor zehn Jahren besser geworden.“

Wasser in Geretsried: Wie sehen die Pegelstände in diesem trockenen Jahr aus?

Bevor 2017 in Königsdorf die Ultrafiltrationsanlage in Betrieb gegangen ist, gab es bei geringen Wasserständen Eintrübungen, erinnerte Reeh. Nun ist ein äußerst trockener Sommer zu Ende gegangen. „Wie sieht es mit den Pegelständen aus?“, wollte der Stadtrat wissen.

Allgemein gebe es einen abnehmenden Trend in den vergangenen Jahren, berichtete Dühring. Auf diesem Niveau habe sich das Grundwasser aufgrund der aktuellen Witterung wieder eingependelt. Im Sommer seien die Pegelstände angespannt gewesen, aber ähnlich wie 2018, dem bis dato letzten großen Trockenjahr. „2022 war ein Trockenjahr, aber nicht Anlass zum Alarm.“

Bevölkerungswachstum: Graben die Geretsrieder den Königsdorfern das Wasser ab?

Mit einer großen und wachsenden Nachbarstadt kann einem bange werden. So fragen sich wohl manche Königsdorfer, ob die Geretsrieder ihnen das Wasser wegnehmen, zumindest berichtete Reeh von entsprechenden Vorwürfen. Diese Sorge kann Dühring ihnen nehmen, da die Stadtwerke sowohl Geretsried als auch Königsdorf bedienen. Für beide Kommunen ist die Entnahme jeweils durch die entsprechenden Kontingente beschränkt. „Konkurrenz besteht nicht.“

Arbeiten Geretsrieder Unternehmen daran, ihr Schmutzwasser zu reduzieren?

Besonders viel Schmutzwasser fällt im gewerblichen Bereich an. Ob die Stadt mit den Unternehmen im Dialog steht, ihr Schmutzwasser zu reduzieren oder zu verbessern, wollte Reeh wissen. Vor fünf Jahren wurde ein Starkverschmutzerzuschlag stufenweise eingeführt, erinnerte Dühring. Dieser schlage für dieses Jahr erstmals voll zu Buche. Teils sei da von mehreren 100 000 Euro die Rede. „Das ist ein Anreiz zu reduzieren“, so der Stadtwerke-Chef. Auch Investitionen seien aus Unternehmersicht überlegenswert.

Würde ein Brauchwassersystem Abhilfe in Geretsried schaffen?

Die Stadtwerke versorgen ein Unternehmen mit Brauchwasser, also Wasser, das nicht als Trinkwasser genutzt werden kann, aber beispielsweise für technische Prozesse geeignet ist. Es stammt aus Brunnen am Isardamm, die noch aus den Zeiten der Rüstungsbetriebe stammen. Wolfgang Werner (SPD) erinnerte daran, dass vor zwölf Jahren bereits die Idee im Raum stand, das Eisstadion ans Brauchwasser anzuschließen. „Können wir das wieder aufgreifen?“, wollte er wissen.

Laut Dühring wäre das technisch möglich, allerdings wäre zu prüfen, ob sich das finanziell lohnen würde. „Deswegen ist damals von einem Wiederanschluss abgesehen worden.“ Gleiches gelte in anderen Bereichen. Dr. Elmar Immertreu (Geretsrieder Liste) hatte angeregt, das Thema Brauchwasser zu verfolgen und beispielsweise den Friedhof anzuschließen. Allerdings seien auch da Kontingente einzuhalten, der Wasserrechtsbescheid gelte „noch einige Jahre“, so Dühring. Im Einzelfall müsse entschieden werden, ob es Sinn mache, ein paralleles Brauchwassernetz aufzubauen. „Ich wage zu behaupten, dass es nicht wirtschaftlich sein wird.“ Langfristig wäre es mutmaßlich besser, die Kontingente für Trinkwasser zu erhöhen. Aber „das ist eine steile These“.

sw

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Forderung nach mehr Transparenz führt zu Disput

Jan Dühring gab als Leiter des Kommunalunternehmens in der Stadtratssitzung einen Einblick in den Geschäftsbericht und die Baumaßnahmen der Stadtwerke. Das hatte sich die Fraktion der Geretsrieder Liste gewünscht. Die Stadtratsmitglieder Volker Reeh, Patrik Kohlert und Dr. Elmar Immertreu hatten einen entsprechenden Antrag im Rathaus eingereicht. Reeh hatte, wie er sagte, angenommen, dass über diesen in der Sitzung abgestimmt wird und er nicht direkt erfüllt wird. Insofern schüttelte er seine Fragen an den Stadtwerke-Chef aus dem Ärmel. Dühring stand dennoch fast eine Stunde lang Rede und Antwort.

Drittem Bürgermeister Gerhard Meinl (CSU) missfiel das. „Ich komme mir vor wie in einer Sitzung des Verwaltungsrats“, kritisierte er. Dort gebe es all diese Informationen. Wenn der Stadtrat dem nicht vertraue, müsse er ihn abschaffen. „Das ist nicht mein Verständnis von effizienter und verantwortungsvoller Arbeit in Gremien, die der Stadtrat eingerichtet hat“, so Meinl. Zumal die Themen in der Kürze nicht in der notwendigen Tiefe behandelt werden könnten. „Es ist ein Irrtum, dass das mehr Transparenz schafft.“ Reeh widersprach. Bis auf den Tagesordnungspunkt Wasserpreis seien die Sitzungen des Verwaltungsrats nicht öffentlich, und die Mitglieder dürften ihren Fraktionen nicht berichten. Doch Bürger würden Stadträte um Auskunft in diesen Belangen bitten. „Ich sehe die Verpflichtung für ein Kommunalunternehmen, im Stadtrat für Fragen zur Verfügung zu stehen.“ Regelmäßige Berichte seien in anderen Kommunen üblich, zumal der Stadtrat über den Haushalt der Stadtwerke abzustimmen habe.

Dass aus ihrer Fraktion niemand dem Verwaltungsrat angehöre, merkte Vize-Bürgermeisterin Sonja Frank (Freie Wähler) an. Sie bat darum, die entsprechenden Unterlagen im Ratsinformationssystem einsehbar zu machen. Dies ist laut Bürgermeister Michael Müller (CSU) jedoch technisch nicht möglich.

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