Biber beißt Bichler Birkenallee kahl

+
d505f27b-be58-46db-8974-d5525bb4d34f.jpg
  • schließen

Dass der Biber im Loisach-Kochelsee-Moor wieder heimisch geworden ist, bereitet vor allem den Landwirten Probleme. Aktuell klagt auch die Gemeinde Bichl über Schäden. In Kochel durften schon vier Tiere abgeschossen werden.

Bichl/Kochel am See – Wenn man am Bichler Dorfbach entlang Richtung Loisach spaziert, sieht man, wie der Biber einige Birken angefressen hat. „So eine schöne Allee. Die Bäume sind 30, 40 Jahre alt“, sagte Bürgermeister Benedikt Pössenbacher im Gemeinderat. Und: „Würde ein Mensch die Bäume beschädigen, würde er bestraft. Aber der Biber darf das“, so Pössenbacher frustriert.

Mittlerweile hat sich ein Biberberater den Bereich angeschaut. „Es wurde festgestellt, dass der Biber am Dorfbach Gehölze fällt und Dämme errichtet“, berichtet Sabine Schmid, Pressesprecherin des Landratsamts. Ein Durchlassrohr sei bereits fast vollständig zugebaut.

Im Loisach-Kochelsee-Moor gibt es allein im Landkreis 26 Biberreviere. Aktuell nagen die Tiere in der Bichler Birkenallee am Dorfbach Richtung Loisach.

Bei der letzten Kartierung, durchgeführt 2016/17, kam heraus, dass im Loisach-Kochelsee-Moor „nahezu alle Gewässer vom Biber besetzt sind“, berichtet Schmid. Insgesamt wurden im Moorbereich im hiesigen Landkreis 26 Biberreviere gezählt. „Es kann davon ausgegangen werden, dass sich die Reviere durch den Nachwuchs noch nachverdichten beziehungsweise schon haben.“

Nach Angaben des Landratsamts durften in Kochel seit September 2017 vier Biber gefangen und erschossen werden. Es handelt sich um jene Tiere, die sich am Schleußbach niedergelassen hatten. Dort verläuft die Bahnlinie, und durch die dauerhaften Wasseraufstauungen sah man die Sicherheit des Gleiskörpers gefährdet. Laut Schmid wurde über ein Jahr lang vergeblich versucht, die Biber zu vertreiben, unter anderem mit einem Elektrozaun.

Biber sind streng geschützt

Das Erlegen von Bibern ist nicht ohne Weiteres möglich. Die Nagetiere sind streng geschützt, vor allem in Naturschutzgebieten. Ausnahmen gibt es nur, wenn zum Beispiel die öffentliche Sicherheit gefährdet ist oder erhebliche wirtschaftliche Schäden zu erwarten sind. Das gilt auch für den Landwirtschaft- und Forstbereich. „Die Entnahme ist wirklich das allerletzte Mittel“, sagt Schmid.

Die Untere Naturschutzbehörde am Landratsamt erlaubt nun der Gemeinde Bichl, alle Dämme im betroffenen Bereich zu entfernen und diesen freizuhalten – zumindest für die nächsten zwei Jahre. Zudem wird empfohlen, schützenswerte Bäume zum Beispiel mit Drahthosen zu versehen, um weiteres Fällen durch den Biber zu vermeiden.

Bürgermeister Pössenbacher: Landratsamt macht es sich zu leicht

Bürgermeister Benedikt Pössenbacher hält das für wenig zielführend. „Bereits am Pfundweiher hat der Biber gewütet, obwohl die Bäume Drahthosen hatten“, sagt er auf Nachfrage unserer Zeitung. Und meint: „Das Landratsamt macht es sich leicht, die Verantwortung und die Kosten auf die Gemeinde zu schieben.“ Zwar sei die Gemeinde für den Unterhalt der Wege zuständig, „aber man kann im Endeffekt nur zusehen und reagieren, wenn der Biber was macht“. Seine Gemeinde habe zudem kein schweres Gerät, um die Dämme zu entfernen, und müsse damit Firmen oder Landwirte beauftragen. „Die Kosten zahlt der Bürger mit Steuergeldern.“

Wenn man das Biber-Problem „überhaupt noch“ in den Griff bekommen könne, sagt Pössenbacher, dann „nur noch durch Entnahme der Tiere“. In seinen Augen sei man im Tölzer Landratsamt damit aber viel zu zurückhaltend: „Es ist einfach schade, wenn bachbegleitende Bäume jetzt dem Biber zum Opfer fallen. Die Biber werden noch sehr viele Probleme machen und viel Geld kosten, wenn es so weitergeht.“

Lesen Sie auch: „Leonhardi ist eine Familientradition

Kommentare