Traurige Gewissheit nach toxikologischer Untersuchung

Biber tatsächlich vergiftet – Tierschutzverein erstattet Anzeige

+
Jetzt ist klar: So ein stattlicher Biber wurde bei Gmund vergiftet.
  • schließen

Acht Wochen, nachdem ein verletzter Biber bei Gmund gefunden und durch einen Gnadenschuss von seinem Leiden erlöst werden musste, steht jetzt fest: Das Tier wurde vergiftet. Der Tierschutzverein Tegernseer Tal hat Strafanzeige erstattet.

Gmund – Johanna Ecker-Schotte, Vorsitzende des Tierschutzvereins Tegernseer Tal, ist geschockt: Der Biber, der Ende Oktober verletzt am Ufer zwischen dem Mangfallsteg und dem Strandbad Kaltenbrunn aufgefunden worden war und letztlich mit behördlich genehmigtem Gnadenschuss von seinem Leiden erlöst werden musste, ist tatsächlich vergiftet worden. Das hat eine toxikologische Untersuchung an der tierärztlichen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität München ergeben.

Biber bei Gmund: Rückstände des Betäubungsmittels Pentobarbital gefunden

Das entsprechende Gutachten, das Johanna Ecker-Schotte vorliegt, besagt, dass Rückstände des Betäubungsmittels Pentobarbital gefunden wurden. „Und das ist dokumentationspflichtig und darf in der Regel nur durch einen Tierarzt verabreicht oder abgegeben werden“, weiß die Vorsitzende, die von Anfang an in den Fall involviert war.

„Schon als ich von der Polizei Bad Wiessee über den aufgefundenen Biber informiert wurde, erhärtete sich bei mir nach Rücksprache mit dem Biberbeauftragten Max Wolf der Verdacht, dass das Tier vergiftet worden sein könnte“, sagt Ecker-Schotte.

Sie lässt den Fall nicht auf sich beruhen und hat Strafanzeige erstattet – und zwar wegen mehrerer Delikte: wegen vorsätzlicher Inkaufnahme von Leiden eines Tieres; wegen Gabe eines Betäubungsmittels, welches in der Regel nur durch einen Tierarzt verabreicht oder abgegeben werden darf; wegen versuchter Tötung des Bibers, der dem Bundesnaturschutzgesetz untersteht und streng geschützt ist; wegen versuchter Tötung eines Bibers, der im internationalen Recht als „geschützte Tierart“ in der Berner Konvention in den Fauna-Flora-Habitat-Richtlinien verankert ist und für dessen Erhalt Schutzgebiete ausgewiesen werden müssen.

Biber-Obduktion bringt traurige Gewissheit: Grünfutter oder Obst war mit Betäubungsmittel versehen

Aufgrund des Obduktionsbefunds geht Ecker-Schotte davon aus, dass der gut 23 Kilo schwere Biber mit Grünfutter und eventuell auch Apfelstückchen oder Obstresten gefüttert wurde, die mit Pentobarbital präpariert waren. „Der Magen des Tieres war jedenfalls gut gefüllt, auch mit den Apfel- oder Obststücken“, weiß Ecker-Schotte.

„Wir sind sprachlos, mit welchen perfiden Methoden versucht wird, ein geschütztes Tier illegal zu beseitigen“, sagt die Vorsitzende im Namen des Tierschutzvereins und verweist darauf, dass eine Entnahme des Bibers nach Antrag sogar möglich wäre, wenn gängige Lösungen nicht möglich oder unzumutbar sind. „Dies alles wurde hier vorsätzlich und sträflich missachtet“, protestiert Ecker-Schotte.

Wie das Landratsamt auf Nachfrage berichtet, hätten nun die Staatsanwaltschaft und die Polizei als Ermittlungsbehörde den Fall übernommen. „Uns bleibt nur übrig, die Ermittlungen abzuwarten“, sagt Sprecherin Sabine Kirchmair. Das Landratsamt, und hier der Biber-Manager Michael Vermeulen, stehe aber in engem Kontakt mit dem Tierschutzverein und Johanna Ecker-Schotte.

Biber bei Gmund vergiftet: Kein Einzelfall

Bleibt die Frage, ob mit der Ermittlung des Täters überhaupt gerechnet werden kann. „Das verabreichte Mittel wird in Deutschland in der Tiermedizin verwendet, ist dokumentationspflichtig und nicht frei verkäuflich“, so Kirchmair. „Dies könnte den Täterkreis schon eingrenzen.“ Zumindest liege der Verdacht nahe, dass es sich bei dem Täter oder der Täterin um Menschen handelt, die über medizinisches Wissen verfügen und Zugang zu dem Mittel haben.

Um einen Einzelfall scheint es sich außerdem nicht zu handeln. Bereits 2021 wurde laut Landratsamt ein Biber am Tegernsee zur Strecke gebracht – damals mit Rattengift.

Weitere In Infos aus der Region lesen Sie hier.

gr

Kommentare