Züchtertag in Lenggries

Bienen-Volksbegehren: „Bauern sollen sich nicht als Verbrecher fühlen müssen“

Beim Züchtertag in Lenggries ging es unter anderem auch um das Volksbegehren „Rettet die Bienen“.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Die Tölzer Viehzuchtgenossenschaft (VZG) macht konstant gute Arbeit und liefert beste Qualität. Das zeigte sich jetzt einmal mehr beim Züchtertag in Lenggries, bei dem Rückblick und Vorschau auf wichtige Ereignisse im Bereich der regionalen Rinderzucht gehalten wurde.

Als eine von insgesamt acht Viehzuchtgenossenschaften, die im Zuchtverband Miesbach zusammengeschlossen sind und bei den Miesbacher Viehmärkten ihre Tiere zum Verkauf bringen, genießen die Züchter aus dem Isarwinkel großes Ansehen. Bei den Jungkühen stellten sie im Jahr 2018 mit 339 Stück gut ein Fünftel der vermarkteten Jungkühe. Bei den Kälbern konnte die Stückzahl mit 3682 gegenüber 2017 um 152 gesteigert werden.

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Speziell bei den Kälbern müssen sich die Bauern nun wohl unvermeidbar der Herausforderung des ungeliebten Enthornens stellen, wie VZG- und zugleich auch Zuchtverbands-Vorsitzender Hans Rauchenberger betonte. Nachdem jetzt auch die Käufer aus Norddeutschland nur noch enthornte Kälber in ihren Betrieben aufnehmen wollen und die Enthornung laut Vorschrift während der ersten sechs Lebenswochen über die Bühne gehen muss, ist die Durchführung dieser Prozedur vor der Vermarktung der Tiere kaum mehr zu umgehen. Wer diese Aufgabe nicht selber erledigen kann oder möchte, solle sich beim Zuchtverband oder beim Maschinenring melden, riet Zuchtleiter Franz Gasteiger den Bauern. „Da bekommt ihr Adressen von Leuten, die diesen Eingriff fachgerecht vornehmen können.“

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Eine Umstellung steht ebenso bei der Präsentation der Markttiere bevor: Sie sollen von den Interessenten künftig „führerlos“, also nicht mehr an einer Halfter geführt, begutachtet werden können. Dennoch appellierte Rauchenberger an die Bauern, die Tiere auf ihren Betrieben immer mal wieder mit einer Halfter zu fixieren. „Die Praxis zeigt, dass beim Umgang mit Rindern, die nie festgebunden waren, mehr Unfälle passieren.“

Sorge bereitet den Rinderzüchtern die Blauzungenkrankheit. „Mit jedem Fall rückt das Sperrgebiet 150 Kilometer näher zu uns heran“, stellte Amtsveterinär Dr. Bernhard Hauser fest. Bei der Vermarktung von Zucht- oder Nutztieren aus einem Sperrgebiet müssen entsprechende Untersuchungen beziehungsweise Impfungen mit Einhaltung gewisser Wartezeiten nachgewiesen werden. Der benötigte Impfstoff ist aber wohl erst ab März verfügbar.

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Auch über das Volksbegehren „Rettet die Bienen“ wurde gesprochen. Diese Überschrift sei öffentlichkeitswirksam, meinte der Lenggrieser Bürgermeister Werner Weindl in seinem Grußwort. Er habe allerdings den Eindruck, dass sich viele Unterstützer nicht genauer über die Forderungen und die daraus resultierenden Folgen informiert hätten. Es könne nicht sein, schloss sich auch Kreisbäuerin Ursula Fiechtner Weindls Kritik an, dass immer die Landwirtschaft an den Pranger gestellt werde, „denn jeder Einzelne könnte für die Artenvielfalt was tun“. Durch die steigenden Auflagen und Forderungen sei es schwer, die bäuerliche Jugend zu motivieren, die Höfe weiterzuführen, so Fiechtner. Hans Rauchenberger sprach zum Schluss der Versammlung den Wunsch nach einer Zeit aus, „in der sich die Bauern nicht als Verbrecher fühlen müssen“. ROSI BAUER

Rubriklistenbild: © dpa / Michael Reichel

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