VonFlorian Prommerschließen
Das Unwetter am Freitag hat auch die Feuerwehren im Landkreis München gefordert. Rund 300 Mal sind die Einsatzkräfte ausgerückt. Auf dem Leonhardifest brachten sich die Gäste im Zelt vor dem Hagel in Sicherheit.
Landkreis – Hagel, Platzregen und Sturmböen: Das Unwetter ist am Freitag auch über den Landkreis München gefegt. Besonders betroffen war der Süden des Kreises, und hier besonders Höhenkirchen-Siegertsbrunn, wo Hunderte die Eröffnung des Leonhardi-Fests feierten. Rund 300 Mal, so die ersten Schätzungen der Feuerwehreinsatzzentrale, mussten die Einsatzkräfte insgesamt ausrücken. Die endgültige Einsatzbilanz liegt noch nicht vor. Die Freiwilligen Feuerwehren waren am Samstag noch damit beschäftigt, ihre Einsätze vom Vorabend zu erfassen. Zudem liefen die Unwetter-Nacharbeiten. Mancherorts lag selbst am Samstag gegen 8 Uhr der Hagel zentimeterhoch auf Straßen, Grünflächen und Gehwegen. Am Freitag waren Straßen sogar ganz überflutet.
Festzelt-Besucher müssen sich vor Hagel in Sicherheit bringen
In Höhenkirchen-Siegertsbrunn wurde am Freitagabend das Leonhardifest eröffnet. Hunderte feierten im Zelt und auf der Festwiese. Auf den feuchtfröhlichen Auftakt folgte gegen 21 Uhr die eisige Überraschung: Die Gäste mussten sich vor dem Hagel im Festzelt in Sicherheit bringen. Der Sturm blies die Eisstückchen gar ins Zelt, wo Mitglieder des örtlichen Burschenvereins versuchten, die Wände abzudichten. Bürgermeisterin Mindy Konwitschny (SPD) stieg zwischenzeitlich auf die Bühne und beruhigte die Gäste über das Mikrofon, um eine Massenpanik zu verhindern.
„Wie man sich denken kann, war die Stimmung im Zelt angespannt“, berichtet Valentin Werner, Vorsitzender des Burschenvereins Einigkeit Siegertsbrunn und Mitglied des Leonhardi-Komitees, auf Anfrage. „Doch durch unsere schnelle Reaktion konnte eine Panik vermieden werden. Wir haben sofort alle Zeltplanen geschlossen und somit das Zelt und alle Besucher vor dem Gewitter geschützt.“ Der Burschenverein, der während der mehrtägigen Leonhardi-Feier für das Festzelt zuständig ist, profitierte von seiner jahrzehntelangen Erfahrung und seinem Know-How, „um in solchen Situationen passend zu reagieren“, sagt Werner.
Auf dem Festgelände wütete der Sturm so massiv, dass er ganze Bäume aus dem Boden riss. Fotos, die in den Sozialen Netzwerken geteilt wurden, verdeutlichen das Ausmaß. Unter anderem ist dort ein Baum zu sehen, der gegen einen Schaustellerwagen neben dem Karussell gekracht war und diesen umgerissen hatte. Laut Burschen-Chef Werner war die Feuerwehr aus Siegertsbrunn den ganzen Samstag über im Einsatz. Er ist sich sicher, „dass alles abgesichert ist und keine Gefahr besteht“ für die Besucher.
Schon auf dem Weg zu Festwiese und Zelt offenbart sich den Gästen ein Bild der Zerstörung: Wind und Hagel haben die Pflanzen auf den umliegenden Feldern umgeknickt. „Es ist einfach alles hin“, sagt Landwirtin Anna Stürzer aus Höhenkirchen-Siegertsbrunn, als sie am Samstag mit Tränen in den Augen auf den Feldern steht. In einem Video, das sie auf Instagram veröffentlicht hat, nimmt sie ihre Follower mit auf den Acker und zeigt ihnen die Sturmschäden. Raps, Soja, Mais und selbst der Wald: Nichts blieb verschont von Hagel und Sturm. „Das ist irre – einfach Wahnsinn“, sagt die Landwirtin und Tochter von Kreisobmann Anton Stürzer.
Unwetter fegen über Bayern: Keller der Sigoho-Marchwart-Schule unter Wasser
Eine unerfreuliche Überraschung erlebte auch die Blaskapelle Höhenkirchen-Siegertsbrunn nach ihrem Auftritt beim Leonhardifest. Wie die Kapelle auf Facebook mitteilt, stand der Probenraum im Keller der Sigoho-Marchwart-Schule unter Wasser. Ein Fenster hatte dem Wasserdruck offenbar nicht standgehalten. Bis vier Uhr morgens pumpten und wischten die Musikanten nach eigenen Angaben das Wasser auf, „ab zwei Uhr unterstützt von der Feuerwehr“, heißt es auf Facebook. Bis dahin waren die Einsatzkräfte im örtlichen Seniorenzentrum beschäftigt, berichtet Florian Sepp von der Blaskapelle dem Münchner Merkur. „Dort war der Keller auch vollgelaufen.“
Die Leonhardi-Fierlichkeiten an diesem Wochenende laufen in Höhenkirchen-Siegertsbrunn bereits wieder. „Das Festwochenende geht ganz normal weiter wie geplant“, betont Burschen-Vorsitzender Werner. Am Samstagmorgen waren laut Sepp schon Wallfahrer in der Kirche St. Leonhard. Ein weiterer Lichtblick: Für den Festsonntag ist gutes Wetter angesagt, wenn Reiter, Rösser und Wagen beim Leonhardiritt die Wallfahrtskirche umrunden und der Festgottesdienst stattfindet. „Wir freuen uns also auf den heutigen Leonharditanz und den morgigen Ausklang am Festsonntag“, sagt auch Werner am Samstagnachmittag.
Superzelle über Bayern: Unwetter setzt Orte unter Wasser – Hagel sorgt für Winterlandschaft




Das Unwetter wütete am Freitag in ganz Süd-Bayern. Im Bereich des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd gab es zwischen 19 Uhr und Mitternacht gut 230 Einsatzlagen aufgrund des Unwetters, wie ein Sprecher in Rosenheim sagte. Schwerere Einsätze waren demnach aber nicht dabei. Weitere Informationen folgen.



