Bilanz bei der Milchliefergenossenschaft Bad Tölz

Isarwinkler Bauern liefern über 30 Millionen Liter Milch an Pidinger Molkerei

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„Es ist um jeden Hof schade“, sagte Vorsitzender Jakob Wasensteiner (li.) in der Generalversammling der Milchliefergenossenschaft Bad Tölz im Alpenfestsaal.

Die Zahl der Betriebe, die zur Milchliefergenossenschaft Bad Tölz gehören, ist auf 22 gesunken. Dafür hat jeder einzelne Hof seine Milchproduktion zuletzt gesteigert. Und in der Pidinger Molkerei mit der Marke „Berchtesgadener Land“ haben sie einen Partner, der sich erfolgreich vom Weltmarkt-Geschehen abgesetzt hat und faire Bedingungen anbietet.

Lenggries Das Höfesterben schreitet voran: 13 Betriebe der Milchliefergenossenschaft Bad Tölz haben im Wirtschaftsjahr 2017 die Milchkuhhaltung aufgegeben. Und 2018 haben bis zum jetzigen Zeitpunkt weitere acht Höfe die Milchproduktion eingestellt.

Aktuell besteht die Liefergenossenschaft somit nur noch aus 220 Betrieben. Man verfolge diese Entwicklung mit Bedauern, „denn es ist um jeden Hof schade“, stellte Vorsitzender Jakob Wasensteiner jetzt bei der Generalversammlung im Lenggrieser Alpenfestsaal fest. „Die einzelbetrieblichen Gegebenheiten sind sehr unterschiedlich. Die Entscheidung zur Betriebsaufgabe fällt sicher nicht jedem leicht. Wir müssen das respektieren.“

Insgesamt wurden 2017 aus dem Isarwinkel rund 32,6 Millionen Kilogramm Milch nach Piding zu den Berchtesgadener Milchwerken geliefert. Das waren 500 000 Kilogramm mehr als im Jahr zuvor und entsprach 10,5 Prozent der dort verarbeiteten Gesamtmenge.

Die durchschnittliche Steigerung der Milchproduktion je Hof sei mit knapp 10 000 Kilogramm so hoch wie nie zuvor gewesen, so Wasensteiner. Die durchschnittliche Jahresmenge je Betrieb habe sich auf rund 143 000 Kilo erhöht. Mit 99,58 Prozent in der höchsten Güteklasse blieb die Qualität aus dem Tölzer Land auf hohem Niveau.

Die Berchtesgadener Milchwerke würden alles unternehmen, um aus dem hervorragenden Rohstoff beste Produkte herzustellen, erklärte Wasensteiner, der im Aufsichtsrat der Molkerei sitzt. Mit schrittweisen Erweiterungen und Erneuerungen stelle man sich in Piding für die Zukunft auf – mit dem Ziel, dauerhaft einen Milchpreis auszahlen zu können, der bayern- und deutschlandweit mit an der Spitze stehe. Die „Bergbauern“-Produktmarke sei sehr erfolgreich vermarktet worden. So erfolgreich, dass inzwischen einige andere Molkereien ebenfalls auf dieser Schiene agieren.

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Die „Dorfmolkerei“ habe es geschafft, sich vom Weltmarkt-Geschehen abzusetzen, unterstrich Josef Siglreithmayr, Aufsichtsrats-Vorsitzender der Genossenschaftsmolkerei. Die Erträge würden an die Bauern ausbezahlt oder investiert. „Das ist dann das Milchgeld von morgen“, wie Molkereichef Bernhard Pointner formulierte.

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Dass sich die Berchtesgadener Milchwerke trotz des Marktdiktats gut halten könnten, sei auch der jungen Generation zu verdanken. „Die jungen Leute sind bestens informiert. Sie finden unsere Betriebsphilosophie ,Nachhaltigkeit, Fairness und Ehrlichkeit‘ und unsere genossenschaftliche Geschäftsform gut.“

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Die Molkerei lege Wert auf faire Beziehungen zu den Zulieferern, habe eine moderne Autoflotte und betreibe eine eigene Kfz-Werkstatt, was Kosten spare. Zur Kostenersparnis, so Pointner, müssten nun auch die letzten Betriebe mit täglicher Milchabholung auf zweitägige Abholung umstellen.

Nicht untätig ist man in Piding auch in Sachen Plastikvermeidung: Die Innenbeschichtung einiger Sorten Milch-Tetra-Packs besteht inzwischen aus Kunststoff aus Zuckerrohr. Die Verwendung von Verpackungsmaterialien aus nachwachsenden Rohstoffen soll auf weitere Produkte ausgeweitet werden.

Rosi Bauer

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