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Als Kulisse für eine Mysterie-Serie diente nun das Zuhause der Künstlerin Bo Starker in Königsdorf. Ein Besuch.
Königsdorf – Hohe Holzgauben, historische Möbel, alte wandhohe Bilder, hier und da ein paar Spinnweben und eine dünne Staubschicht über den charmanten Dekorationen, wie den Lampenschirmen mit Rüschen oder zahlreichen Rehgeweihen, die einen von der Decke aus beobachten. Diese beinahe wie gemalt aussehende Kulisse ist das zu Hause von der Königsdorfer Künstlerin Bo Starker. Hier lebt sie gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten und ihren Kindern. Der gut 300 Jahre alte Hof im Tölzer Land wirkt wie ein Magnet auf Kamera-Teams. Auch für „Hubert und Staller“ wurden hier schon Klappen geschlagen.
Jetzt nutzte ein Film-Team von RTL II die einzigartige Kulisse für ein neues Format: „Wir arbeiten gerade an einem Pilotprojekt für eine neue Mystery-Serie“, verrät der Regisseur und Produzent Holger Frick.
Einst verliebte er sich in den idyllisch Hof mit dem hübschen verwinkelten Haus. Doch bei der genaueren Motivrecherche entdeckte er in einem der Dachzimmer Starkers menschenhohes Puppenhaus. „So etwas habe ich überhaupt nicht erwartet. Ich war sofort total fasziniert“, sagt er mit einem Strahlen im Gesicht.
Vor allem im Mysterie-Genre sind Puppen beliebt. „Sie haben eine symbolische Bedeutung“, sagt Frick. Voller Begeisterung entschloss er kurzerhand, dass das bereits fertiggestellte Drehbuch umgeschrieben werden muss. „Dass musste ich einfach nutzen. Also hat das Puppenhaus eine zentralere Rolle in der Film-Handlung bekommen“, verrät der Regisseur, der in München die Produktionsfirma Superama führt.
Für die Dreharbeiten musste nahezu nichts umgestellt werden. Requisiten? Fehlanzeige. „Das haben die gar nicht gebraucht, ich hab’ ja alles hier“, sagt Starker und lacht.
Serie könnte im Herbst 2020 bereits ausgestrahlt werden
In welchem Format die neue Grusel-Serie dann genau zu sehen ist, steht zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht fest. „Wir beschäftigen uns nun erst mal mit dem Pilotprojekt, alles Weitere wird sich dann daraus ergeben“, sagt der Regisseur. Konkreteres sei noch nicht spruchreif. Und dann lässt er sich doch noch eine Information aus der Nase ziehen: „Wenn alles nach Plan läuft, könnte es sogar sein, dass die Serie im Herbst 2020 bereits ausgestrahlt wird.“
Für die Künstlerin selbst war die Begeisterung an ihrem Puppenhaus nichts Neues: „2016 war es ein Teil meiner Ausstellung „Bo Starkers Märchenwelt“ im Tölzer Stadtmuseum. Kommendes Jahr leihe ich es einem New Yorker Atelier aus“, sagt Starker mit einem Funkeln in ihren stechend grünen Augen.
Gerade dass das Puppenhaus, das einst nur Hobby war, eine derartige Anziehung auf viele Kunstliebhaber sämtlicher Branchen hat, freut die Königsdorferin, die eigentlich auf Porträts spezialisiert ist.
Denn das Miniaturhaus, das ihrer Tochter gehört, platzt schier vor privaten Eindrücken. Die Einrichtung beispielsweise setzt sich zu großen Teilen aus Stoffen und Materialien zusammen, die auch in ihrem echten zuhause zu finden sind.
Bo Starker: Puppenhaus-Bewohner symbolisieren Personen aus ihrem Leben
Die Bewohner sind allesamt Alter Egos aus Starkers Leben. Wie etwa der sympathische „Herr Bomms “, eine moosgrüne kartoffelartige Figur, die ihren Vater symbolisiert. „Von ihm habe ich die künstlerische Ader und den Hang zu alten Sachen. Er war Antiquitätenhändler in der ehemaligen DDR“, sagt sie. „Ich war mit ihm als Kind oft auf unzähligen Dachböden, und wir haben unsere Schätze zusammengesucht“, erinnert sich Starker zurück und blickt andächtig auf ein großes Foto ihres mittlerweile gestorbenen Vaters, das mittig auf einem massiven Schrank platziert ist. „Hier wacht er über alles“, sagt sie und fügt lachend hinzu: „Auch jetzt, wo in meinem Atelier für einen Mystery-Streifen gedreht wird.“
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