Heute ist Weltkrebstag

Den Brustkrebs besiegt: So hat die Krankheit das Leben von Sabine Pfister verändert

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Sabine Pfister
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Vor zehn Jahren wurde bei Sabine Pfister (48), Betreiberin von „KleinKunst und Kultur“ (KKK) in Lenggries, Brustkrebs diagnostiziert. Die Mutter einer Tochter nahm den Kampf auf.

Lenggries – Anlässlich des heutigen Weltkrebstags berichtet Sabine Pfister von ihren Erfahrungen.

Frau Pfister, wie haben Sie Ihre Krebsdiagnose erlebt?

Für mich war die Diagnose zerstörerisch, das Schlimmste, was passieren konnte. Ich war 38, meine Tochter knapp fünf. Wegen meiner familiären Vorgeschichte hatte ich schon lange große Angst vor Krebs entwickelt. In den ersten zwei Wochen konnte ich nicht den Kopf einschalten und habe nur das Sterbelied gesungen. Die Ärzte sagten, dass ich gute Heilungschancen hätte, aber darauf konnte ich in dem Moment nicht hören. Ich hatte nur Panik.

Wie kam das Vertrauen zurück?

Das kam erst im Lauf der Zeit. Drei Wochen, drei Monate, drei Jahre. . . die Abstände zwischen den Angstattacken wurden größer. Es hat mir geholfen, dass ich viel gelesen habe. Das empfehle ich allen Krebspatienten: zum Professor der eigenen Krankheit zu werden. Bei mir spielt zum Beispiel der Sport eine große Rolle. Die Sauerstoffzufuhr wirkt sich positiv aus, da bin ich heute sehr viel konsequenter als früher. Auch die Gespräche mit den Ärzten waren sehr wichtig für mich.

Entwickelt man als Krebspatient einen Kampfgeist?

Von Kampf würde ich nicht sprechen. Wenn man nicht gerade lebensmüde ist, passiert es, denke ich, automatisch, dass man in einen Gegenwehr-Modus geht. Man sagt: „Ich ergebe mich nicht“ und versucht, aus diesem Strudel herauszukommen.

Wie lange hat Ihre Krebsbehandlung gedauert?

Ich hatte fünf Operationen, ein halbes Jahr Chemotherapie und ein Jahr Antikörpertherapie. Anschließend folgte eine Antihormontherapie, und ich habe entschieden, sie bis vor einem Jahr fortzuführen. Erst dann hatte ich den Mut zu sagen: Ich verlasse mich darauf, dass mein Körper es alleine schafft.

Was hat Ihnen Mut und Kraft gegeben?

Zu allererst: Ich lebe sehr gern. Ich mag es, wenn die Sonne scheint und mir den Rücken wärmt. Ich mag es, auf den Berg zu gehen, mit Menschen zu sprechen. Die Vorstellung, gehen zu müssen, ist schrecklich für mich. Genauso wichtig ist mir, dass meine Tochter gut groß werden kann und nicht mit diesem Loch im Leben, dass ihre Mutter gestorben ist. Und mein Mann hat Übermenschliches geleistet, mir oft, oft, Mut gemacht – ohne die Floskel „das wird schon wieder“. Er hat mich aufgefangen und unterstützt, wann immer ich es gebraucht habe.

Wie hat die Krebserkrankung Ihr Leben verändert?

Ich bin fest überzeugt, dass alles Schlechte auch etwas Gutes hat. Ich nehme heute vieles nicht mehr so wichtig. Früher zum Beispiel habe ich mir im zwischenmenschlichen Bereich viel zu Herzen genommen und kam nicht mit Konflikten klar. Heute kann ich sagen: Ich muss nicht mit jedem gut Freund sein. Und ich verfolge meine Wünsche klarer: Wenn ich verreisen will, dann verschiebe ich es nicht, sondern tue es. Mit den langfristigen Plänen wie „Wenn ich in Rente bin, kaufe ich mir ein Wohnmobil“ habe ich aufgehört. Ich denke in Abschnitten von ein oder zwei Jahren.

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