Thomas Mann

Bücherschrank in Telefonzelle am Klammerweiher - Stadtrat plant Thomas-Mann-Weg durch Bad Tölz

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Das Haus mit Familie in Bad Tölz.

Lange Zeit war der Stadt die Beziehung von Thomas Mann zu Bad Tölz egal. Jetzt entdecken die Stadtväter ihn als Werbeträger.

Bad Tölz – Schon bemerkenswert: Viele Jahrzehnte war Thomas Mann der Tölzer Stadt, gelinde gesagt, egal. Seit dem Thomas-Mann-Jahr 2017 hat sich das gründlich geändert. Da entdecken die Stadtväter plötzlich auch den möglichen Werbeträger und versuchen, auf der Mann-Welle weiterzuschwimmen. Dahinter steht als Motivator und Antreiber auf städtischer Seite Dritter Bürgermeister Christof Botzenhart (CSU), der sich freilich auf wichtige Helfer und Mann-Kenner in der Bürgerschaft stützen kann.

Neueste Idee: Ein rund 2,5 Kilometer langer Thomas-Mann-Weg, der von der Stadtbücherei (mit dem Thomas-Mann-Zimmer) über Alter Bahnhof, Klammerweiher, Mann-Villa, Prinzregent-Luitpold-Heim, Café am Wald und Schlittenberg am Kalvarienberg bedeutende Lebensstationen der Schriftsteller-Familie ansteuert, die von 1909 bis 1917 in Tölz ein eigenes Haus besaß. Info-Tafeln sollen jeweils Wissenswertes vermitteln. Bei einer Ausschreibung mit zwei Bewerbern wurde Albert Wasl von der Agentur Balleywasl ausgewählt, der sein Konzept in der Stadtratssitzung vorstellte.

Thomas Mann-Weg: Informationstafeln in Form von Lesepulten aus Metall. Diese Idee gefiel den Stadträten besonders gut. Foto:

Metall-Stelen in Form von aufgeschlagenen Büchern

Neben den üblichen Informations-Stelen schlug Wasl alternativ metallene Lesepulte beziehungsweise aufgeschlagene Bücher vor, ein Gedanke, der im Stadtrat breite Zustimmung fand. Zunächst soll freilich ein von Andrea Grundhuber (Grüne) angeregter Prototyp den Praxistest bestehen.

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Willi Streicher (SPD) schlug vor, dass an einer der Stationen auch genug Raum für Schulklassen geschaffen werden solle, damit der Thomas-Mann-Weg festes Ausflugsziel der Schulen werde. Prinzipiell sei das eine gute Idee, antwortete Botzenhart. Doch habe man mit dem Thomas-Mann-Zimmer in der Stadtbücherei, das im Oktober eröffnet wird, eigentlich den idealen Ort für Schulklassen. In dem Raum sind Filmrequisiten aus der Breloer-Verfilmung über die Mann-Familie sowie eine erstklassige Bibliothek mit Sekundärliteratur zu den Manns ausgestellt. Sie wurden jüngst der Stadt geschenkt (wir berichteten).

Leseort am Klammerweiher mit „Bücherschrank“ in Telefonzelle

Wie ist es eigentlich mit den Bildrechten, wollte Streicher ferner wissen. „Kann man so einfach Fotos von Thomas Mann verwenden?“ Nein, kann man nicht. Rund 3000 Euro seien dafür schon eingerechnet, antwortete Kurdirektorin Brita Hohenreiter.

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Zum Konzept Wasls gehören neben Info-Weg, Flyern, Plakaten und Herstellungs- und Druckkosten auch die Empfehlung für eine attraktivere Gestaltung zumindest einer Station. Wasl kann sich am Klammerweiher einen Leseort mit Sitzgelegenheiten und einem sogenannten „Bücherschrank“ vorstellen. Dort können dann Bücher abgelegt und kostenlos entnommen werden. Eine Idee, die Ulrike Bomhard (FWG) sehr begrüßte. Alte Telefonzellen eignen sich für so einen Zweck. Das Design der Sitzmöbel, so bat Bauamtsleiter Christian Fürstberger, solle aber bitte mit der Konzeption der Stadt abgestimmt sein. Für die Möblierung der Stadt wird gerade im Zuge der Entwicklung des Integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzepts eine einheitliche Formensprache gesucht.

Mann ist kultureller Repräsentant des 20. Jahrhunderts

Josef Steigenberger (CSU) wollte wissen, ob es Zuschüsse von der Deutschen Thomas-Mann-Gesellschaft für so ein Projekt gebe. Botzenhart winkte ab. „Die haben selbst kein Geld.“

Der Dritte Bürgermeister, der kürzlich in Lübeck bei einem Treffen der Mann-Gesellschaft war, berichtete aber über eine „berührende“ Aufnahme in diesem Literaten-Kreis. Tölz werde sehr geschätzt. Er erinnerte in dem Zusammenhang auch an den Kauf der Thomas-Mann-Villa in Kalifornien durch den Bund für 13 Millionen Euro. Das zeige, dass sich Thomas Mann zu einem kulturellen Repräsentanten des 20. Jahrhunderts entwickle. „Dass wir in Tölz so eine Verbindung herstellen können, ist ein Geschenk. Das wird noch weite Kreise ziehen.“

Christoph Schnitzer

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