Bürgerentscheid in Holzkirchen

Klares Nein zu neuen Straßen

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Der Wähler hat entschieden: Beim Bürgerentscheid zu dem Umfahrungen von Holzkirchen und Großhartpenning hat sich die Mehrheit gegen neue Straßen ausgesprochen – hier ein Bild von der Wahl im Stimmbezirk 1.
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Die Antwort lautet Nein, und sie fällt deutlich aus. Beim Bürgerentscheid zu den Umfahrungen um Holzkirchen und Großhartpenning hat sich eine klare Mehrheit gegen den Bau von neuen Straßen ausgesprochen.

Holzkirchen – Wie sehr das Thema Umgehungsstraßen die Holzkirchner bewegt, war schon an den Pilgerströmen sichtbar, die sich mittags zum Wahllokal in der Interims-Mittelschule an der Baumgartenstraße bewegten. Am Abend stand dann fest, das die Wahlbeteiligung mit 56,42 Prozent sehr ordentlich ausfiel für einen Bürgerentscheid. Und vor allem, dass die Mehrheit der Wähler die vorgeschlagenen Umgehungsstraßen ablehnt. Die westlich von Großhartpenning sogar deutlich mit 70,15 Prozent. Aber auch die Südumgehung von Holzkirchen, die B 318 und B 13 verbunden hätte, stieß auf 59,42 Prozent Ablehnung.

Damit haben die Holzkirchner gesprochen. Das letzte Wort hat zwar das Staatliche Bauamt Rosenheim, das aber hatte bereits im Vorfeld klargestellt, die Planungen für eine Umgehung nicht gegen den Willen der Menschen vor Ort voranzutreiben. Für eine Entlastung von Holzkirchen vom Verkehr müssen nun andere Lösungen her.

Briefwähler: Anteil der Befürworter ist höher

Auffallend: Im Kreise der Briefwähler – rund 3900 der 7300 Wähler (bei 13 000 Wahlberechtigten) entschied sich für diesen Weg der Stimmabgabe – war der Anteil der Befürworter einer neuen Straße im Süden Holzkirchen tendenziell höher. In fünf von sechs Bezirken lag er bei deutlich über 40 Prozent, in einem knackte die Zustimmung sogar die 50 Prozent-Marke. Auch für eine Großhartpenninger Umfahrung konnten die Briefwähler eher erwärmen als die Urnengänger, in der Gesamtheit aber fiel diese Variante überdeutlich durch.

In einer ersten Reaktion sagte Bürgermeister Christoph Schmid (CSU): „Mich freut, dass es ein klares Votum ist.“ Die Wahlbeteiligung bezeichnet er als „sehr gut“. Am Montag werde er das Votum ans Bauamt Rosenheim melden, das werde die Planung daraufhin einstellen, ist sich Schmid sicher, der anfügt: „Die Entscheidung gibt vielleicht Rückenwind für Tempo 30 in der Münchner Straße.“

Auch Robert Wiechmann, Grünen-Gemeinderat und Gegner des Baus von neuen Straßen, sieht den Ball nun bei der Kommunalpolitik liegen: Das Ergebnis sei „ein Arbeitsauftrag an den Gemeinderat. Jetzt muss geliefert werden“ – und zwar in Richtung der Entwicklung von Konzepten gegen den Verkehr. „Ich bin sehr entspannt und glücklich“, sagt Wiechmann.

Ähnlich geht es Stefan Rank vom Straßengegner-Bündnis „Beste Gegend“. Er sagt: „Ich bin unfassbar glücklich. Das toppt unsere kühnsten Erwartungen. Es ist einfach ein guter Tag für Holzkirchen.“ Auch er fordert: „Jetzt muss etwas getan werden, das Ortsentwicklungskonzept muss angegangen werden.“ Zudem kündigt er an: „Wir werden als Bündnis weitermachen.“

Umfahrungsbefürworter zollt Gegnern Respekt

Christian Hirschberg von den Umfahrungs-Befürworter hätte ein knapperes Ergebnis erwartet, zollt der Gegenseite aber Respekt und gratuliert zum Erfolg. „Uns fehlten die finanziellen und personellen Möglichkeiten, die das Bündnis ,Beste Gegend‘ hatte“, sagt er. Letzterem seit es besser gelungen, die Wähler zu mobilisieren. Eine weitere mögliche Erklärung für das Votum könnte sein: „“Der Umweltgedanke ist halt gerade omnipräsent.“ Auch Hirschberg sieht nun die Gemeinde in der Pflicht, sich um das Verkehrsproblem zum kümmern. Und auch die Schutzgemeinschaft sei bereit, sich einzubringen.

2003 haben die Holzkirchner bekanntlich schon einmal über eine Südumgehung abgestimmt. Zu Erinnerung: Damals lag die Zustimmung bei 73 Prozent. Die Zeiten haben sich offenbar geändert.

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