Chill Out Club in Aschheim

Cannabis-Plantage erhitzt Gemüter - Inhaber droht Gemeinde: „Ziehe vor Gericht“

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Wenzel Cerveny betreibt die „Natur Erlebniswelt“ und künftig auch den „Chill Out Club“ in Aschheim.
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Mit einem Spielplatz will die Gemeinde Aschheim den Anbau und Verkauf von Cannabis im Ort verhindern. Der Club-Betreiber droht nun mit einem Bürgerbegehren - und einer Klage.

Aschheim – Der geplante Cannabis-Anbau in Aschheim treibt immer seltsamere Blüten. Noch nicht im „Chill out Club“ von Wenzel Cerveny (62), dessen neu eröffnete „Natur Erlebniswelt“ nur zur Hälfte aus dem Hanfladen in der Saturnstraße besteht – die anderen 50 Prozent sollen „Deutschlands erster Anbau-Club“ für Cannabis ausmachen. Dafür schien der Weg frei, nachdem der Bundestag am Freitag das Cannabisgesetz verabschiedet hatte. Doch nun will die Gemeinde Aschheim per Bau eines Kinderspielplatzes die Hanf-Plantage verhindern. „Wenn die mir einfach einen Spielplatz vor die Haustür schmeißen, ist Kampf angesagt“, kündigt Cerveny an. „Notfalls ziehe ich gegen die Gemeinde vor Gericht. Oder es gibt ein Bürgerbegehren – die Hälfte der Bevölkerung hätte ich hinter mir.“

Laut dem neuen Cannabisgesetz dürfen die Cannabis-Clubs ab Juli mit dem Anbau beginnen. „Aschheim soll das Zentrum werden“, schwebt Cerveny vor. Elf Ladengeschäfte betreibt er bislang in Bayern, Aschheim ist Nummer zwölf – und ein ganz besonderes: „Mit Bistro und Bühne wird das hier die Franchise-Basis für Projekte bundesweit.“

„Missbrauch des Amtes“

Das Interesse in der Szene ist groß, maximal 500 Mitglieder darf der Aschheimer „Chill out Club“ haben, es gibt 550 Vorregistrierungen. „Der Geldeingang entscheidet über die Mitgliedsnummer“, sagt der Hanf-Unternehmer. Schon 250.000 Euro hat der 62-Jährige in das Gebäude in Aschheim investiert, weitere 200.000 Euro stünden an, unter anderem für Beleuchtung und Klimatisierung der Plantage.

Dass die Gemeinde nun einen Spielplatz bauen will und diesen als K.o.-Kriterium für den Cannabis-Anbau vorschiebe, wundert Cerveny. „So könnte die Gemeinde ja jedes Unternehmen torpedieren.“ Darin sieht Cerveny einen „Missbrauch des Amtes“.

Rathaus-Geschäftsleiter widerspricht Darstellung

Auf Nachfrage des Münchner Merkur widerspricht Rathaus-Geschäftsleiter Christian Schürer dieser Darstellung vehement. Er verweist auf einen Gemeinderatsbeschluss vom 14. Dezember 2023, „alles zu unternehmen, um einen Anbauverein zu verhindern“. Überdies bedürfe der Cannabis-Anbau der Genehmigung durch die Kommune, und dieses Placet gebe es bis dato nicht.

Sollte sein Cannabis-Gewächshaus tatsächlich gestoppt werden, kündigt Cerveny unter Verweis auf den Vereinsnamen „Chill out Club“ augenzwinkernd als Alternative an: „Dann pflanzen wir eben Chili an.“

CSU-Bundestagsabgeordneter: „Legalisierung der komplett falsche Weg“

Der CSU-Kreisvorsitzende Florian Hahn aus Putzbrunn hatte als Bundestagsabgeordneter gegen das Cannabisgesetz gestimmt. „Ich teile die Bedenken der Gemeinde Aschheim hinsichtlich eines Cannabis Clubs absolut“, sagt Hahn. „Die Legalisierung von Cannabis halte ich für den komplett falschen Weg.“ Dieser sei „mit Blick auf den Jugend- und Gesundheitsschutz absolut verantwortungslos“. Ziel müsse es „doch gerade sein, Kinder und Jugendliche von Drogen fernzuhalten und nicht, durch eine Legalisierung des Konsums, totale Normalität zu vermitteln“.

Anton Hofreiter (Grüne) indes stimmte im Bundestag für das Cannabisgesetz. „Man darf die Auswirkungen der Droge auf das Gehirn eines 17-Jährigen nicht unterschätzen“, sagt der Abgeordnete aus Unterhaching. „Aber die bisherige Drogenverbotspolitik ist krachend gescheitert – sie führte nur dazu, den Schwarzmarkt und die organisierte Kriminalität zu stärken.“ Das neue Gesetz senke „die Wahrscheinlichkeit, dass ein Jugendlicher an Cannabis herankommt“. Deshalb sei das Gesetz „ein anderer Versuch, das Problem unter Kontrolle zu bekommen“.

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