VonVeronika Ahn-Tauchnitzschließen
„Chaos pur.“ So beschreibt der Greilinger Bürgermeister Anton Margreiter das, was sich am Freitagabend in seinem Dorf abspielte, nachdem die B472 gesperrt worden war.
Greiling/Bad Tölz – Selbst beim Telefonat am Montagvormittag ist Anton Margreiter noch immer fassungslos. „Der Freitagabend war wirklich sehr schlimm“, sagt der Greilinger Bürgermeister. Nachdem die B 472 auf der Flinthöhe um 18 Uhr für Bauarbeiten gesperrt worden war (wir berichteten), spielten sich auf den engen Straßen im und rund ums Dorf Szenen ab, die Margreiter an „Zustände wie im Wilden Westen“ erinnerten. „Was mich am meisten schockiert hat, war die Aggressivität vieler Autofahrer.“
Da seien beispielsweise Zaunpfosten ausgerissen worden, um mehr Platz fürs Auto zu schaffen. Andere Fahrer entfernten Absperrungen, fuhren durch Felder oder versuchten, über einen Radweg die Flinthöhe zu passieren. „Ein Bauer, der seine Kühe von der Weide getrieben hat, wäre fast gelyncht worden“, sagt der Rathauschef. Gegen einen Fahrer hat Margreiter sogar Anzeige erstattet, nachdem der Mann den Bürgermeister unflätig beschimpft und mit dem gestreckten Mittelfinger bedacht hatte und danach mit hohem Tempo Richtung Dorf rauschte. „Da haben sich echt Abgründe aufgetan“, sagt Margreiter, der bis in die späten Abendstunden rund um die Baustelle auf der Flinthöhe unterwegs war.
Dass es überhaupt so viele Autofahrer bis Greiling verschlug, war so eigentlich auch gar nicht vorgesehen. Allerdings gab es offensichtlich eine Panne bei der Beschilderung. Für die war laut Martin Herda, Abteilungsleiter am Staatlichen Bauamt Weilheim, eine externe Firma zuständig. Diese war vom Bauunternehmen, das den Auftrag auf der Flinthöhe ausführte, beauftragt worden. Es habe wohl Probleme bei der Informationsweiterleitung gegeben, deshalb hätten Teile der Beschilderung gefehlt, so Herda. Beispielsweise wies aus Richtung Miesbach kommend keine große LED-Tafel auf die Sperrung hin. „Die Umleitung an sich stand aber“, sagt Herda.
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Einige Verkehrsteilnehmer hätten die ab Kreuzstraße weiträumig ausgeschilderte Umfahrung über die B 318 und B13 aber auch einfach ignoriert. „Wir konnten die Straße dort nicht komplett dicht machen, weil es Leute gibt, die nach Reichersbeuern oder Greiling müssen“, sagt Herda. Es schlugen aber eben auch viele Fahrer in Greiling auf, die nach Tölz oder noch weiter wollten. Im Ort selbst gab es dann aber gar keine Beschilderung mehr. „Es war ja auch nicht vorgesehen, den Verkehr durch Greiling zu leiten“, sagt Herda. Durch die fehlenden Hinweise landeten aber viele wieder auf der gesperrte B 472 oder wurschtelten sich irgendwie auf der schmalen Sachsenkamer Straße vorwärts.
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Am Samstag in der Früh nahm Margreiter Kontakt zum Straßenbauamt auf. „Die können ja aber auch nur teilweise was dafür, weil ja einen Fachfirma beauftragt war“, sagt er. Dort hatte man sich des Problems aber schon am Vorabend angenommen. Und sobald die Beschilderung verbessert worden war, habe sich die Situation am Samstag und Sonntag verbessert, sagt Margreiter. Leid taten dem Bürgermeister übrigens die Bauarbeiter auf der Flinthöhe. „Als wir am Abend hochgeradelt sind, um uns die Baustelle anzuschauen, hat sich gerade ein Autofahrer mit einem Bauarbeiter angelegt.“ Dabei könnten die ja nun gar nichts dafür.
Aus rein bautechnischer Sicht seien die Arbeiten auch optimal gelaufen, sagt Herda. Durch die Vollsperrung gebe es keine „Nähte“ im Asphalt, da die Arbeiten in einem Rutsch, ganz ohne Unterbrechung, erledigt werden konnten. „Und selbst die Hitze tut dem Asphalt gut, der bei 170 bis 180 Grad eingebaut werden muss.“ Am Montag um 6 Uhr konnte die Fahrbahn daher auch wie geplant wieder freigegeben werden.
Bei Margreiter bleibt allerdings ein schlechtes Gefühl zurück – vor allem mit Blick auf die Zukunft. Sollte jemals die Tölzer Nordspange gebaut werden, rechnet er damit, „dass der Baustellenverkehr ein bis eineinhalb Jahre durch Greiling führt“. Nach den Erfahrungen vom Freitagabend sei er sich nicht sicher, ob das Dorf das verkrafte.
