Corona in Fürstenfeldbruck

Inzidenz knackt 200er-Marke - trotzdem verkündet Landrat Öffnung der Schulen: „Ich bin froh...“

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In vielen Schulen im Kreis kam zu Corona-Fällen. (Symbolbild)
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Ab Montag (9.11.) kehren die Schüler des Landkreises Fürstenfeldbruck wieder in die Unterrichtssäle zurück. Trotz Corona-Pandemie und 7-Tage-Indizidenz von über 200.

  • Im Landkreis Fürstenfeldbruck steigen die Corona-Zahlen weiter an.
  • Die 7-Tage-Inzidenz liegt nun bei über 200 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern.
  • Die Schulen sollen ab Montag trotzdem wieder öffnen.

Fürstenfeldbruck - Nachdem die Bayerische Staatsregierung angekündigt hat, die entsprechende Rechtsgrundlage anzupassen, werden die Schulen im Landkreis ab Montag, 09.11. wieder im Präsenzunterricht unterrichten, schreibt Thomas Karmasin (CSU) im Netzwerk Facebook. Eine angeordnete Quarantänemaßnahme für einzelne Klassen blieben natürlich bestehen. „Bitte denkt alle an die Masken und haltet trotzdem so viel Abstand wie möglich“, so der Landrat. Schriftliches liege ihm noch nicht vor, er wolle aber so schnell wie möglich informieren, schrieb Karmasin.

Corona in Fürstenfeldbruck: 7-Zage-Inzidenz knackt 200er-Marke - trotzdem soll Unterricht stattfinden

Wie es in der schriftlichen Begründung, die nun vorliegt, heißt, werde das Landratsamt nicht weiter den Mindestabstand an Schulen und Kitas fordern. Allerdings: Die Maskenpflicht im Unterricht bleibt bestehen, wie aus dem Schreiben hervorgeht.

Die 7-Tage-Inzidenz im Landkreis Fürstenfeldbruck habe nach den Berechnungen des örtlichen Gesundheitsamts die 200-er Marke überschritten, heißt es weiter in dem Schreiben des Landratsamt. Neue Fälle gebe es unter anderen an einer Realschule, zwei Gymnasien und zwei Mittelschulen. Das Landratsamt Fürstenfeldbruck habe mit seiner Entscheidung, wie es weiter gehen soll, auf die Ende Oktober angekündigten Maßnahmen der Länder und die anvisierte Überarbeitung des Rahmenhygieneplans in Bayern gewartet.

Corona in FFB: Schulen öffnen wieder - Maskenpflicht bleibt bestehen

Am Donnerstag wurde allerdings angekündigt, dass Schulen und Kitas möglichst lange offen zu halten sind. Das bedeute auch, dass es keinen Wechselunterricht geben solle. Daher verlängert das Landratsamt die bisher geltende Regel nicht. Es beschränkt sich auf den Appell, im Rahmen der räumlichen Gegebenheiten den maximal möglichen Abstand auch zwischen den Schülern zu gewährleisten. „Damit müssen auch dort, wo die baulichen Gegebenheiten die Einhaltung des Mindestabstandes nicht möglich machen, keine Klassenteilungen mehr durchgeführt werden, so dass auch nicht aufgrund von Klassenteilungen die Notwendigkeit eines Wechsels von Präsenz- und Distanzunterricht besteht“, heißt es in der Erklärung.

Bayernweit bestehe gemäß der 8. Infektionsschutzmaßnahmenverordnung Maskenpflicht für alle Jahrgangsstufen auf dem gesamten Schulgelände, auch im Klassenzimmer am Platz. Raum für Ausnahmeregelungen (von Einzelfällen abgesehen) besteht nicht.

Landrat Thomas Karmasin freut sich, wenn sein Wunsch nach einer Beendigung des „Flickenteppichs“ in Erfüllung geht.: „In einer Situation, in der ich davon ausgehe, dass das Infektionsgeschehen in den Kreisen und Städten sich immer mehr annähert, ist ein unterschiedlicher Vollzug des Rahmenhygieneplans im Schulbereich nicht mehr vermittelbar. Ich bin froh, wenn wir eine einheitliche Regelung von staatlicher Seite haben, wobei erstaunt, dass ein Plan just in dem Moment aufgehoben wird, in dem er Anwendung findet.“

Corona in FFB: Diese Regelungen gelten in den Kitas

Das Landratsamt wird den Gedanken der Regelungen für die Schulen auch, soweit dies sinnvoll und angebracht ist, auf die Entscheidung zu den Maßnahmen für die Kindertagesstätten übertragen. Es bleibt – befristet vom 9. November bis zum 20. November – bei folgenden Anordnungen aus dem Rahmenhygieneplan:

- Es sind feste Gruppen zu bilden

- Die Beschäftigten müssen einen Mund-Nasen-Schutz tragen

- Kinder mit leichtem Schnupfen oder Husten (ohne Fieber und ohne Kontakt zu einem Infizierten) dürfen nur mit einem negativen Testergebnis die Einrichtung besuchen.

- Bleiben Kinder wegen Erkrankung z. B. mit Fieber zu Hause, bis sie 48 Stunden symptomfrei sind, ist keine Vorlage eines negativen Tests erforderlich.

- Die Forderung, je nach den örtlichen Verhältnissen die Gruppengröße möglichst zu reduzieren, wird nicht aufrecht erhalten.

Wie es mit Schulen und Kitas weitergeht, sollen die jeweiligen Landräte selbst entscheiden, hatte Ministerpräsident Söder am Donnerstagvormittag betont. Im Brucker Landratsamt arbeitete man daher an der Frage, welche Regeln ab nächster Woche gelten sollen. Der Ministerpräsident ist vereinfacht gesagt der Meinung, dass Schulen und Kitas offen bleiben sollen. Klassenteilungen sollen laut dpa nur sehr lokal angeordnet werden. Fixe Inzidenzwerte sollen nicht mehr ausschlaggebend sein. Entscheidend sei nur, ob es an einer Schule ein Infektionsgeschehen gebe oder nicht. Auch bislang hatte kein Automatismus bestanden. Ein Stufenplan des Kultusministeriums sah die Möglichkeit ab einer Sieben-Tage-Inzidenz von 50 allerdings explizit vor - das ist nun endgültig vom Tisch.

Kommentar: Bittere Ironie

Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass der Landkreis an ein und dem selben Tag zwei Dinge verkündete, die zumindest nach bisher geltenden Regeln nicht zusammenpassen: Einerseits stieg die sieben-Tage-Inzidenz auf über 200, andererseits kehrt man zum normalen Schulbetrieb zurück. Erklärbar ist das nur mit der Abkehr des bayerischen Ministerpräsidenten vom Rahmen-Hygieneplan.

Kaum umgesetzt, ist dieser auch schon wieder Geschichte, wie der Landrat treffend anmerkt. Natürlich war der Protest vieler Eltern (übrigens nicht aller) gegen den Wechselunterricht groß. Entsprechend groß wird jetzt die Freude sein. Allerdings: Zu große Luftsprünge sollte man jetzt vielleicht trotzdem nicht machen.

Denn (noch) gelten ja auch an den Schulen die Quarantäne-Regeln, die eintreten, wenn irgendwo ein positiver Fall auftritt. Sollten diese nicht aufgeweicht werden, so ist nun zu befürchten, dass Schüler auf diesem Wege verstärkt zuhause bleiben müssen. Das Home-Schooling-Problem, das ja bisweilen seltsame Blüten treibt, bleibt aber weiter ungelöst. (Thomas Steinhardt)

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