VonKatharina Brombergerschließen
Der erste Testlauf ist geglückt. Für einen Patienten in Quarantäne hat das Bayerische Rote Kreuz den Einkaufsdienst übernommen. Es initiierte diesen Service mit Gemeinden im Landkreis.
Garmisch-Partenkirchen – Vor einer Woche wurde Werner S. (Namen geändert) an den Augen operiert. Seit Montag ist er wieder zu Hause – nur zu Hause. Denn er darf seine Wohnung in Garmisch-Partenkirchen nicht verlassen. Vor ein paar Tagen hat ihn die Augenklinik aus Freiburg angerufen. Während seines Aufenthaltes dort hatte er offenbar Kontakt zu einem mit dem Coronavirus infizierten Patienten. Das heißt: Quarantäne. „Ich bin aus allen Wolken gefallen“, sagt S. Mit einem Schlag wurden vermeintlich einfache Dinge zum Problem.
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Für seine Augen braucht er ständig Medikamente wie Cortisontropfen. „Und ich muss ja auch von irgendetwas leben.“ Eine Ehefrau oder Lebensgefährtin hat er nicht, eine Nachbarin hat Angst vor Kontakt. Also bat Werner S. im Landratsamt um Hilfe. Er ist damit der Erste im Landkreis, der den gemeinsamen Einkaufsservice der Gemeinden und des Bayerischen Roten Kreuzes vor Ort in Anspruch nimmt. Dabei ist er ein Sonderfall. Das BRK sprang spontan ein, übernahm jeden Schritt, weil kurzfristig Hilfe benötigt wurde. Offiziell startete das Angebot am Montag in den Gemeinden Krün, Wallgau und Mittenwald, zudem Saulgrub. Manche Kommunen haben selbstständige Lösungen gefunden (siehe unten) . Bei Werner S. war schnelles Handeln gefordert.
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Lieferung nach einer Stunde
Noch am Freitag, als der Mann von seiner Quarantäne erfahren hatte, kontaktierte Andreas Kumeth, Leiter der BRK-Bereitschaft Garmisch, eine Apotheke vor Ort, um die Medikamente für den 52-Jährigen zu besorgen. Erstes Problem: Sie sind verschreibungspflichtig. Für das Rezept müsste Werner S. zum Arzt. Die Lösung: Er bekommt es per Post – und am Montag bekam er seine Medikamente. Zweites Problem: Werner S. wünscht sich eine bestimmte Nudelsorte – ausverkauft. „So wie das ganze Nudelregal ziemlich leer geräumt war“, sagt Kumeth. Immerhin: Gemüse, Steaks, etwas Aufschnitt und Brot bekam er ohne Schwierigkeiten. Nach einer Stunde stellte der 31-jährige, der für den ersten Lieferauftrag einen Bestellzettel entworfen hatte, die beiden Schachteln mit Lebensmitteln vor die Haustür. Per Telefon informierte er S. über die Lieferung.
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„Das war der erste Testlauf“, sagt Michael Debertin, der für das BRK den Einkaufsservice organisiert. Im Isartal und in Saulgrub läuft die Organisation bereits anders. Die Gemeinden nehmen die Bestellungen auf und kümmern sich um die Abwicklung der Zahlung zwischen den Kunden und den teilnehmenden Supermärkten. Die BRK-Helfer holen die fertig gepackten Lieferungen ab und bringen sie zu ihren Empfängern.
Jeder bekommt seine lebenswichtigen Medikamente
In Anspruch nehmen kann den Dienst jeder, der wegen einer möglichen Corona-Infektion in Quarantäne ist oder wegen einer Beeinträchtigung (Krankheit, Behinderung oder Ähnliches) nicht selbst einkaufen kann. Auf eine weitere Stütze hofft Debertin: die Nachbarschaftshilfe, zudem Lieferdienste der Supermärkte. Ausdrücklich versichert der Leiter der BRK-Bereitschaften im Landkreis: „Jeder erhält seine lebenswichtigen Medikamente. Und niemand muss verhungern.“
Ansprechpartner
Derzeit entsteht eine Liste für alle Landkreisgemeinden mit Ansprechpartnern und Märkten mit Lieferservice. In den nächsten Tagen wird diese veröffentlicht. Bis dahin wenden sich Betroffene, die Einkaufshilfe benötigen, an die Gemeinden. Zum Teil haben diese online bereits Märkte mit Lieferangeboten aufgeführt. Dazu gehört der Markt Garmisch-Partenkirchen. Unter www.buergerservice.gapa.de finden Bürger eine Auflistung, die bei Bedarf erweitert wird. Farchant verteilt Wurfzettel mit umfassenden Informationen zu Ansprechpartnern und Versorgungsangeboten. Lieferdienste sind dort noch nicht aufgeführt.
