VonChristiane Mühlbauerschließen
Die Ausbreitung des Coronavirus hat auch Auswirkungen auf Kulturveranstaltungen im Tölzer Land. Während alle städtischen Termine bis 19. April abgesagt wurden, reagieren andere Veranstalter unterschiedlich.
++++ UPDATE Donnerstag, 12. März, 18.44 Uhr +++
Auch „Pam Pam Ida“ und das Jugendsinfonie-Konzert wurden abgesagt
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Erster Bericht
Bad Tölz/Lenggries/Bad Heilbrunn/Benediktbeuern – Im Frühjahr herrscht Hochbetrieb für viele Kulturveranstalter: In den Wochen zwischen Fasching und Ostern finden in der Regel viele Konzerte und Kabarettabende statt. Doch heuer ist es anders. Am Montag wurden alle städtischen Veranstaltungen bis zum 19. April abgesagt. Darunter fallen zum Beispiel das Tanzcafé mit Sepp Wiesmann (15. März), die Jazz-Konzerte von Peter Zoelch (20. März, 3. April), die Blasmusikkonzerte der Wackersberger Musikanten (29. März) und der Tölzer Stadtkapelle (13. April) sowie alle Konzerte in der Reihe „Die Stadt mit der besonderen Note“.
Auch das Klassik-Konzert in der Reihe „Quartettissimo“ am 14. März findet nicht statt. Geschlossen werden auch die Türen im Marionettentheater und im Planetarium. Karten können im Theater oder an den Vorverkaufsstellen zurückgegeben werden. Abgesagt wurde auch der Flohmarkt im Moraltpark.
„Abo Tölz“, „Pam Pam Ida“ und „Lust“-Premiere finden statt
Bei anderen Veranstaltungen wird hingegen noch gewartet, wie sich die Lage entwickelt. „Wir sind in ständiger Absprache mit den Gesundheitsämtern in den Landkreisen“, sagt Wolfgang Ramadan, dessen „Abo“-Kulturreihe in sechs Landkreisen läuft. „So eine Situation habe ich auch noch nie erlebt“, sagt Ramadan. „Jedes Landratsamt geht anders vor“, beklagt sich der Ickinger über den Aufwand, der über ihn und seine Mitarbeiter hereingebrochen ist. Bis zum 19. April hat Ramadan zehn Konzerte in der ganzen Region. Am 27. März sollen zum Beispiel die „Wellküren“ im Tölzer Kurhaus auftreten. Daran hält Ramadan derzeit fest. „Laut Gesundheitsamt ist das Ansteckungsrisiko gering.“ Generell werde er nichts absagen, sondern die Veranstaltungen verschieben. Das habe wirtschaftliche Gründe. „Pro Auftritt habe ich 2000 Euro Fixkosten.“ Einen Ausfall von 20 000 Euro könne er nicht verkraften. „Geisterspiele“, wie sie etwa das Nationaltheater in München machen will, seien für ihn nicht möglich: „Diesen Aufwand kann ich mir technisch nicht leisten. Die Oper hat den Vorteil, Steuergelder zu erhalten“, sagt Ramadan.
Ähnlich äußert sich Christian Gutmair, der ebenfalls zahlreiche Veranstaltungen im Tölzer Kurhaus plant, zum Beispiel an diesem Freitag das Konzert der bekannten bayerischen Band „Pam Pam Ida“. Es wird stattfinden, teilte Gutmair am Mittwoch mit. Für das Publikum gibt es Hinweise zur Hygiene. Gutmair überlässt es den Künstler-Agenturen, ob sie die Auftritte durchziehen wollen. „Wenn nicht, dann wird der Termin verschoben.“ Wer dann keine Zeit hat, könne die Karten zurückgeben. „Es wird keine Nachteile für die Kunden geben.“
Stattfinden wird auch die Theaterpremiere der „Lust“ am Freitagabend.
Musikschule sucht nach Konzept für großes Sinfoniekonzert
Abgesagt wird hingegen der „Tag der offenen Tür“ am Samstag in der Tölzer Sing- und Musikschule, sagt Leiter Harald Roßberger. Doch für das seit Monaten geplante Konzert des Kinder- und Jugendsinfonieorchesters sowie des Harfenorchesters am 19. März im Kurhaus laufen gerade diverse Überlegungen. Rund 100 Schüler proben seit Monaten dafür – und auch die Eltern fiebern dem großen Auftritt entgegen. „Wir versuchen, mit gesundem Menschenverstand eine Lösung zu finden“, sagt Roßberger. Wenn irgendwie möglich, wolle man das Konzert durchführen, denn einen neuen Termin zu finden, an dem alle Zeit hätten, wäre „organisatorisch wahnsinnig schwierig“. Ins Kurhaus passen 500 Besucher. Die Schule arbeite gerade an „einem Plan B und C“, sagt Roßberger.
Plan B ist ein „Geisterkonzert“, das man übers Internet streame. „Ich kümmere mich gerade um die technischen Möglichkeiten und um die Kosten.“ Leicht sei das nicht, und letztlich könnte es an der Gema scheitern. „Da hängen ja auch Rechte dran. Man kann nicht einfach Musikveranstaltungen im Internet übertragen.“ Plan C sei, dass von den 100 Mitwirkenden jeder nur ein oder zwei Angehörige mitbringen darf. „Dann könnten wir im Kurhaus lockerer bestuhlen.“ Eine Entscheidung will Roßberger in den kommenden Tagen bekannt geben.
Abgesagt wurde der für Freitag geplante Bandworkshop vom Musikzentrum Trommelfell im Tölzer „Rocks Off“. „Gekommen wären 40 bis 50 Musiker plus Zuhörer, und das auf engstem Raum“, sagt Leiter Hannes Deißenböck. „Ich bin nicht hysterisch, aber das Risiko ist mir zu groß. Ich trage die Verantwortung, wenn was passiert.“
Keine Absagen von KKK-Veranstaltungen und Manuel Randi
Lockerer bestuhlt wird hingegen bei den Veranstaltungen von „KleinKunst und Kultur“ (KKK) von Sabine Pfister. Wenn an diesem Freitag Mathias Kellner im „Kramerwirt“ in Arzbach spielt, „werden die Stühle großzügiger verteilt. Im Saal ist ja gut Platz“, sagt Pfister. Kabarettist Helmut Binser, der am 20. März nach Lenggries kommt, wird in einem anderen Raum im Arabella-Brauneckhotel auftreten, der größer ist als die „Kaminstuben“. Binsers Auftritt ist fast ausverkauft. „Beim Sitzen wird man sich nicht berühren. Und wir bitten das Publikum, sich an die bekannten Hygieneregeln zu halten“, sagt Pfister. Dass Kulturliebhaber derzeit verunsichert sind, merkt sie am Vorverkauf: „Für kommende Veranstaltungen geht momentan so gut wie nichts.“
Definitiv stattfinden wird der Auftritt von Manuel Randi am 20. März in der evangelischen Waldkirche in Lenggries. Der Künstler stammt aus Südtirol. „Er ist gesund und hat ein Attest, das bestätigt, dass er nicht am Virus erkrankt ist“, sagt Veranstalterin Nicole Müller-Pürzer. Sollte dennoch jemand Angst haben, „soll er sich bei mir melden“. Erwartet werden rund 130 Besucher.
Odametey-Konzert verschoben, Frühjahrsfest in Nantesbuch gestrichen
Verschoben wurde hingegen der Auftritt von Adjiri Odametey an diesem Sonntag in Benediktbeuern. Viele Besucher hätten im Vorfeld ihre Karten zurückgegeben, dass hätte der Künstler auch schon vor ein paar Tagen bei einem anderen Konzert zu spüren bekommen, sagt Veranstalter Günter Sirsch von den „Oberland Konzerten“. „Es herrscht schon eine gewisse panische Stimmung. Es bringt nichts, dann ein Konzert durchzuziehen.“ Man trage ja nicht nur ein wirtschaftliches Risiko, sondern auch Verantwortung für die Besucher. Ein neuer Termin steht noch nicht fest.
Abgewartet wird derzeit noch in der Reihe „Musikalisches Heilbrunn“. Hier soll am 28. März die Musikerin Martina Eisenreich im Kursaal auftreten. „Wir werden mal abwarten und schauen, wie sich die Lage entwickelt“, sagt Ulrich Glodowski, Leiter der Gäste-Info. „Es hängt auch davon ab, was das Landratsamt vorgibt.“
Ersatzlos gestrichen wurde hingegen das Frühjahrsfest der Stiftung Nantesbuch am 21. März im Langen Haus in Bad Heilbrunn. Dort sollte eigentlich das Jahresprogramm 2020 vorgestellt werden. Weitere Infos dazu gibt es hier.
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