VonKatharina Brombergerschließen
Medizinisches Personal braucht Corona-Schutzausrüstung. Dafür packt der Landkreis Garmisch-Partenkirchen an. Das Bayerische Rote Kreuz produziert Masken. Freiwillige und Unternehmer wollen helfen.
Landkreis – Das große Nähen beginnt. Da Schutzausrüstung für medizinisches Personal im Moment Mangelware ist, wird der Landkreis aktiv. Das Thema beschäftigt Bundes- und Landesregierung gleichermaßen. In der Region löst dieses Problem eine Welle der Hilfsbereitschaft aus.
Das Landratsamt hat das Bayerische Rote Kreuz (BRK) offiziell damit beauftragt, deutlich mehr Masken zu produzieren. Aufgrund der vielfältigen Berichterstattung haben sich in den vergangenen Tagen BRK-Sprecher Jörg Jovy zufolge bereits zahlreiche Freiwillige gemeldet, die das Team gerne unterstützen würden. Darunter auch Firmen, die über professionelle Arbeitsplätze mit Industrienähmaschinen, Maschinen für den Zuschnitt und qualifiziertes Personal verfügen.
800 Masken im Ortsteil Partenkirchen schon entstanden, Unternehmen arbeiten zusammen
Seit einer Woche näht beispielsweise Astrid Schweiger vom Nähstüberl im Ortsteil Partenkirchen etwa 2000 Masken aus Baumwollstoff, den das Rote Kreuz zur Verfügung stellt und zu einem Vorzugspreis bei der Stoffstube ebenfalls in Partenkirchen gekauft hat. 800 Masken haben Schweiger und zwei Helferinnen in der Zwischenzeit hergestellt. Den Stoff hat Thomas Grasegger vom gleichnamigen Trachten- und Modehaus zugeschnitten. „Wir werden die Produktion deutlich ausweiten, um die vielen Anfragen nach einem Mund-Naseschutz im Landkreis zu bedienen“, sagt BRK-Kreisgeschäftsführer Klemens Reindl. Dabei greift das Rote Kreuz sowohl auf Angebote von Unternehmen als auch von Freiwilligen zurück.
Das Ziel des Teams: Täglich 1000 Schutzmasken - Erste Probestücke fertig
Im Kreisverband wurde unter der Leitung von Marc Lehmann ein eigenes Team eingerichtet, das sich ausschließlich um das Thema Atemschutzmasken kümmert. Geplant ist, in jeden Tag etwa 1000 Masken herzustellen. „Wir wollen noch in dieser Woche starten“, sagt er. Dazu wird auch Material verwendet, das der Bayerische Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger den Landkreisen zur Verfügung stellt. Die ersten Probestücke hat Lehmanns Nähteam schon angefertigt. Nun sucht es geeignete Gummis für die Befestigung.
Sobald genug Schutzmasken vorliegen, wird das BRK sie an Organisationen und Bürger verteilen. Beim BRK-Kreisverband geht man davon aus, dass die Nachfrage nach Masken zum Tragen in der Öffentlichkeit in den kommenden Tagen deutlich steigt – zumindest für Personal beispielsweise an Supermarktkassen.
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Corona-Schutzmasken werden nicht zertifiziert - Aber sie schützen
Das BRK weist vorsorglich darauf hin, dass die Masken nicht zertifiziert sein werden. „Wir werden alle Anforderungen, die an Atemschutzmasken gestellt werden, versuchen zu erfüllen“, betont Lehmann. Doch können die Produkte nicht getestet und deshalb auch nie offiziell zugelassen werden. „Sie sind jedoch immer besser als kein Schutz, vor allem wenn man sie richtig verwendet.“ Deshalb wird jeder Packung mit dann drei Atemschutzmasken ein entsprechender Hinweiszettel beiliegen. Das BRK kümmert sich auch um das Verpacken und Desinfizieren.
Hier können sich Freiwillige zum Nähen melden
Freiwillige, die helfen wollen, wenden sich an das Freiwilligenzentrum „Auf geht’s“ in Garmisch-Partenkirchen. Dort können sie sich unter www.aufgehts-gap.de online registrieren, eine E-Mail an auf gehts@lebenslust-gap.de schreiben oder während der Servicezeiten anrufen, Telefon 0 88 21/7 81 05 25. Es ist besetzt von Montag bis Freitag, 9 bis 12 Uhr und 13 bis 16 Uhr. Alle Freiwilligen werden dann benachrichtigt, sobald die Nähaktion beginnt.
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