VonAndreas Steppanschließen
Obwohl teilweise wieder Kurse starten, ist für die Volkshochschulen noch kein Alltag in Sicht. Einschränkungen werden bleiben - ebenso wie ein enormer finanzieller Schaden.
Bad Tölz/Lenggries – Gemeinsam Sprachen lernen, Sport treiben, Küchen- oder Computerkenntnisse erwerben: Für all das und mehr stehen die Volkshochschulen (Vhs). Noch aber haben sie keine konkrete Perspektive, wann sie nach der Corona-Zwangspause ihren Betrieb wieder aufnehmen können. Die Volkshochschulen in Bad Tölz und Lenggries bringt das in Bedrängnis.
„Bis jetzt wurden wir von Woche zu Woche vertröstet“, sagt Marcus Stiegler, der Leiter der Tölzer Vhs. Aktuell gilt, dass der Präsenzunterricht bis Freitag, 29. Mai, untersagt ist. „Aber wir haben die Hoffnung noch nicht aufgegeben und planen jetzt ganz vorsichtig mit dem Szenario, dass wir nach den Pfingstferien wieder starten können“, sagt Stiegler.
Darauf setzt auch seine Lenggrieser Kollegin Susanne Rau – fügt aber hinzu, dass auch dies nur eingeschränkt möglich sei. Weil die Räume zu klein seien, müssten zur Einhaltung der Abstandsregeln Kurse halbiert werden – zusätzliche Räume aber gebe es ebenfalls nicht, sodass ein Teil der Kurse wohl bis zu den Sommerferien entfalle, so die Leiterin der Vhs Lenggries. Auch „riskogeneigtere Veranstaltungen“ – wie Kochen oder teilweise Bewegungskurse – „können nicht oder nur in sehr reduziertem Umfang stattfinden“.
Stiegler hat sich zum Ziel gesetzt, von den seit Mitte März ausgefallenen Kursterminen so viele wie möglich nachzuholen. „Dafür hoffen wir auf die Flexibilität unserer Teilnehmer“, sagt er. Doch alles werde man nicht kompensieren können. Auch für die Möglichkeit, die Kurse ersatzweise online anzubieten, „hält sich die Akzeptanz in Grenzen“, so Stiegler. Zum Lernen an der Vhs gehöre für die meisten Teilnehmer eben das soziale Miteinander. Susanne Rau berichtet derweil aus Lenggries, dass die meisten Sprachkurse derzeit online erfolgen und nach der Öffnung wieder in die Räume der Vhs verlegt werden könnten.
Beträchtlicher Teil des Angebots ist verloren
So oder so: Ein beträchtlicher Teil des Kursangebots ist unwiederbringlich verloren. Die Volkshochschulen kündigen an, die entsprechenden Kursgebühren zurückzuerstatten oder, wie Stiegler ergänzt, Gutschriften fürs kommende Semester auszustellen. „Wir werden aber auch einen Spendenaufruf machen müssen“, sagt Stiegler. „Wenn jeder auf einen kleinen Teil der Rückerstattung verzichtet, kommt auch etwas zusammen, um das Überleben der Vhs zu sichern.“
Denn auch wenn der Kursbetrieb wieder startet, rechnen die Vhs-Chefs mit Einnahmeausfällen. Einige Teilnehmer würden die Kurse wohl von sich aus abbrechen, meint Stiegler. Auch Susanne Rau geht von einem „Rückgang der Buchungen von betroffenen Personen der Risikogruppe“ aus. Dazu komme, dass sich die fehlende Kaufkraft der Bevölkerung negativ auf die Teilnahme an Weiterbildungsangeboten auswirken werde. Gleichzeitig sorge die Umsetzung von Hygienemaßnahmen für Mehrkosten, so Rau.
Für Stiegler steht fest: „Der wirtschaftliche Schaden ist gewaltig.“ Auf ein finanzielles Polster könne die Vhs in der aktuellen Lage nicht zurückgreifen. „Wir sind ein gemeinnütziger Verein und dürfen gar keine großen Gewinne machen.“ In einem normalen Semester, in dem alle Kurse stattfinden, sei der Betrieb „gerade so kostendeckend“. Rücklagen könnten da nicht gebildet werden. Aktuell aber laufen laut Stiegler die Fixkosten – in erster Linie Mieten und Gehälter – normal weiter.
Dozenten stehen vor großen finanziellen Verlusten
Kurzarbeit komme bei der Vhs Bad Tölz aus formalen Gründen nicht in Frage. „Wir haben bereits staatliche Soforthilfe beantragt“, sagt Stiegler. Auch mit der Stadt gebe es Gespräche. „Der kommunale Zuschuss ist neben dem Landeszuschuss die tragende Säule für die Vhs.“
Für die Lenggrieser Bildungseinrichtung klingt Susanne Rau vergleichsweise optimistisch: „Die letzten Jahre hat die Vhs sehr gut gewirtschaftet, sodass die momentanen Einschränkungen auch für das Herbstsemester sehr gut aufgefangen werden können“, meint sie.
Anders sehe es für die Dozenten aus. „Einige verdienen ihren Lebensunterhalt mit ihren Kursen“, erklärt sie. Sie stünden nun vor „großen finanziellen Verlusten“. Auch Stiegler bedauert: „Ich darf die Dozenten nur für Unterricht bezahlen, den sie auch tatsächlich abhalten.“
Immerhin: Zuletzt haben sich Kultusminister Michael Piazolo und eine fraktionsübergreifende Landtags-Initiative für eine Öffnungsperspektive für die Volkshochschulen eingesetzt. „Und wir werden nicht mehr als Freizeit-, sondern als Kultureinrichtungen eingestuft“, freut sich Stiegler. „Das ist schon mal ein wichtiger Schritt.“
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