- VonPeter Herrmannschließen
Beim CSU-Stammtisch ging es dieses Mal auch um unangenehme Themen: Die Partei befürchtet drastische Einsparungen bei der Aufstellung des Haushalts.
Gelting – Seit 26 Jahren engagiert sich Franz Wirtensohn im Stadtrat. Nun lud der Landwirt seine Parteifreunde auf seinem Hof zum Stammtisch ein. Trotz des geselligen Weißwurstfrühstück-Ambientes in der Zenz’n Alm und der musikalischen Begleitung von Stadtrat Hans Ketelhut sprachen die Mandatsträger am Sonntagvormittag auch unangenehme Themen an.
Priorisierung von Aufgaben, Kürzungen von Leistungen
Dritter Bürgermeister Gerhard Meinl blickte in einem kurzen Vortrag sorgenvoll auf die anstehenden Haushaltsdebatten im Stadtrat. „Wir werden eine Rezession und damit auch geringere Gewerbesteuereinnahmen haben“, prognostizierte er. Die derzeitige Energiekostenexplosion werde allerdings erst bei den im kommenden Jahr fälligen Nachzahlungen spürbar werden. „Da wird’s rumpeln“, fürchtet Meinl. Als führendes Mitglied des „Arbeitskreises Haushaltskonsolidierung“ kündigte er eine „Ausgabenkritik“ an. Dies bedeutete wiederum eine Priorisierung von Aufgaben und Kürzungen von Leistungen, die vermutlich einigen Vereinen nicht gefallen dürften.
Stadträtin Dr. Sabine Gus-Mayer gab Meinl recht. „Ich sehe erbitterte Diskussionen auf uns zukommen, weil wir die Jahre des Überflusses gewöhnt waren“, erklärte sie. Die Seniorenreferentin des Stadtrats warnte davor, die derzeitige Wirtschaftskrise allein auf den Ukraine-Krieg und die Auswirkungen der Corona-Pandemie zurückzuführen. „Das war nur ein Brandbeschleuniger für das, was aufgrund des demografischen Wandels ohnehin passiert wäre“, glaubt sie. So mache sich der Fachkräftemangel auch deshalb bemerkbar, weil viele Arbeitnehmer in Rente gehen und die Zahl der Auszubildenden sinkt.
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Kulturreferent Hans Ketelhut rechnet ebenfalls mit erheblichem Gegenwind bei den kommenden Haushaltsdebatten. „Wir müssen schmerzhafte Einschnitte machen, um das Wohl unserer Stadt nicht zu gefährden“, sagte er. Franz Wirtensohn gab sich ungewohnt resignativ. „Ich bin seit 1996 im Stadtrat, und am Ende haben fast immer die Populisten recht bekommen“, berichtete der 68-Jährige.
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Gegen Ende des sonntäglichen Stammtischs gab Wirtensohn einen Einblick in seinen Hof, auf dem schon Größen ganz unterschiedlicher Sparten – der bayerische Ex-Ministerpräsident Dr. Edmund Stoiber und Eishockey-Nationalspieler Korbinian Holzer beispielsweise – zu Gast waren. Wirtensohn bereitet seine ökologische Mutterkuhhaltung merklich viel Spaß. Bei der Bewirtschaftung von rund 40 Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche verzichtet der als „heimlicher Bürgermeister Geltings“ bekannte CSU-Stadtrat vollständig auf Düngemittel. Sein Hof verfügt zudem über eine Photovoltaik-Anlage, über die er Energie bezieht. „Ich will hier energetisch autark sein“, stellte der Landwirt seine Bemühungen dar.
ph
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