- VonChristof Schnürerschließen
Der designierte ist jetzt auch offizieller Krüner CSU-Bürgermeisterkandidat: Thomas Albrecht (34) hat dazu am Dienstagabend gut ein Jahr vor den Kommunalwahlen 2026 den klaren Auftrag seiner Partei erhalten. Der schwarze Hoffnungsträger verspricht „Transparenz, Bürgernähe und offene Kommunikation“.
Krün – Auftritte vor Publikum ist der Frontmann der Rockgruppe Deerisch eigentlich gewohnt. Wenn Thomas Albrecht zum Mikrofon greift, tobt die Menge in den rappelvollen Bierzelten. Doch seine Hauptrolle am Dienstagabend vor 30 Zuhörern im Kurhaus-Restaurant fühlte sich anders an. „Ich muss zugeben, ich bin ein bisschen nervös“, gestand Albrecht eingangs seiner Bewerbungsrede als CSU-Bürgermeisterkandidat von Krün. Doch auch wenn sich der „Aldi“, wie er im Dorf genannt wird, in der Folge sehr an sein Skript hielt, überzeugte er das Parteivolk buchstäblich zu 100 Prozent. Denn von den 19 anwesenden stimmberechtigten Mitgliedern des Krüner Ortsverbands votierten alle für ihn. Mit anderen Worten: Aus dem designierten ist nun der offizielle Hoffnungsträger geworden.
Der politische Seiteneinsteiger ohne Mandatserfahrung soll die CSU-Erfolgsgeschichte, die sein Opa Sepp Zahler als Bürgermeister (1972 bis 2002) begründet und dessen Nachfolger Thomas Schwarzenberger (seit 2002) fortgesetzt hat, um ein weiteres Kapitel anreichern. Eine „einzigartige“ Ausgangslage findet Ortsvorsitzender Stephan Seestaller. Er versprach dem neuen Hoffnungsträger: „Thomas, wir stehen geschlossen hinter Dir.“
Der Adressat – ein Informatik-Kaufmann, dreifacher Familienvater und „ehemaliger begeisterter Fußballer“ – will den klaren Auftrag seiner Parteifreunde „mit tiefem Respekt und voller Überzeugung“ angehen – und zwar „mit klarem Plan und kompetenten Unterstützern“. Dabei handelt es sich wohl auch um die langjährigen Gemeinderäte Alois Kramer (56) – seit 2002 im Amt – und Peter Schwarzenberger (58) – mit sechsjähriger Unterbrechung seit 1996 mit Sitz und Stimme.
Und wer die Premierenrede des Politnovizen Albrecht genauer verfolgte, konnte auch den Eindruck gewinnen, dass ihm sein Mentor Thomas Schwarzenberger einige Details einflüsterte – beispielsweise wenn die CSU-Hoffnung auf das befristete Flüchtlingsheim im Gewerbegebiet Süd zu sprechen kommt. Die Entscheidung zu diesem, von Thomas Schwarzenberger forcierten, freiwilligen Schritt hält sein potenzieller Nachfolger grundsätzlich für richtig. „Wir stehen dazu.“ Aber nur für die arrangierten drei Jahre. Dann soll aus dem fraglichen Areal Gewerbegrund werden, „aber keine weiteren Lagerflächen“.
Krün ist ein Ort voller Möglichkeiten.
Thomas Albrecht lässt auch mit einigen Ideen aufhorchen. So schlägt er wegen der zunehmend schneearmen Winter einen Ganzjahrestourismus vor. Dazu sollen auch einige ausgewählte Almen in der bislang faden Zeit geöffnet sein und weitere Rad- und Wanderwege ausgebaut werden. „Dazu müssen wir die Alpenwelt Karwendel (Anm. d. Red.: Isartaler Tourismus-GmbH) noch stärker ins Boot holen.“
Albrecht träumt auch vom Bau einer Brücke über die Finzklamm. „Aber alles im Einklang mit der Natur und der Landwirtschaft.“ Deren kleinstrukturierte Ausrichtung ist für ihn „fundamental“. Wohl auch aus dieser Liebe zur Bauernschaft kommen für ihn Photovoltaik-Freiflächenanlagen nicht in Betracht – dafür PV auf den Hausdächern. In diesem Zusammenhang bringt der 34-Jährige die Nutzung der Wasserkraft an den Schwarzkopf-Quellen ins Spiel.
Auch an den Nachwuchs denkt der dreifache Vater, wenn er etwa über einen Bike-Trail oder einen Zauberteppich am Barmsee-Lift sinniert. „Krün ist ein Ort voller Möglichkeiten“, schwärmt Schwarzenbergers potenzieller Erbe, der sich die kommenden Monate anschickt, nicht nur die aktuell 66 CSU-Mitglieder des Ortsverbandes zu überzeugen, sondern mindestens 51 Prozent der stimmberechtigten Bevölkerung. Ein Gegenkandidat von der Bürgerlichen Wählergemeinschaft (BWG) oder von „Aktiv für Krün“ hat sich bislang nicht aus der Deckung gewagt. Möglicherweise gibt es gar keinen. Dann hat der CSU-Aspirant wie schon 2002, 2008, 2014 und 2020 leichtes Spiel.