VonVeronika Ahn-Tauchnitzschließen
Bienen und Co. brauchen blühende Wiesen als Lebensgrundlage. Allerdings werden die immer weniger – und damit auch die Insekten. Viele Stellen versuchen, hier gegenzusteuern. Auch der Tölzer Forstbetrieb der Bayerischen Staatsforsten schafft mehr Blühflächen.
Bad Tölz-Wolfratshausen – „Der Wald blüht auf“ heißt das Aktionsprogramm der Bayerischen Staatsforsten, das vom Landwirtschaftsministerium unterstützt wird. Während mittlerweile viele Städte und Gemeinden auf Verkehrsinseln und an Straßenrändern Blühmischungen aussäen, kümmern sich die Staatsforsten darum, Blühwiesen im oder am Wald zu schaffen. Randstreifen von Holzlagerplätzen, aber auch andere Flächen würden sich dafür anbieten, sagt Rudolf Plochmann, Chef des Tölzer Forstbetriebs.
Ein Hektar Blühwiesen – in den Revieren Eurasburg und Seeshaupt – wurde heuer angelegt. Eine davon befindet sich direkt am Starnberger See, in der Nähe von St. Heinrich. „Wir haben erst im Juni ausgesät, also relativ spät“, sagt Revierleiter Georg van Bebber. Dafür habe sich das Ganze sehr gut entwickelt, freut sich der Forstamtmann und blickt über Glockenblumen, Klatschmohn und Blutweiderich, zwischen denen allerlei Insekten unterwegs sind. Eine Infotafel erklärt Spaziergängern und Wanderern die Besonderheiten der Fläche.
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Das Saatgut wurde gewissenhaft ausgesucht und mit der Landesanstalt für Garten- und Weinbau abgestimmt. „Wir wollen ja nichts Standortfremdes haben“, sagt Plochmann. Er findet, dass die blühenden Wiesen nicht nur gut für Insekten sind, „sondern auch das Landschaftsbild bereichern“ – und von Jahr zu Jahr schöner werden. Die ganze Blütenpracht entwickle sich erst im zweiten oder dritten Jahr.
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Es gibt noch zwei weitere Projekte im Bereich des Forstbetriebs, die die Biodiversität – also die Artenvielfalt – fördern sollen. „Standbein Nummer zwei ist die Pflege von Offenlandschaften“, erklärt Plochmann. „Bei Feuchtwiesen, aber auch aufgegebenen Almflächen, die zu verbuschen drohen, wollen wir dieser Entwicklung Einhalt gebieten.“ Alle zwei Jahre werden diese Areale gemäht und von Bewuchs befreit. Das ist wichtig, damit beispielsweise Orchideenarten, die sich dort wohlfühlen, auch weiterhin einen geeigneten Standort haben. Um 13 Hektar Fläche geht es bei diesem Projekt.
Bei Standbein Nummer drei steht die Schaffung von Totholz und Biotopbäumen im Mittelpunkt. „Dafür wird eine Buche auf sechs Metern Höhe geköpft und der Wipfel daneben abgelegt“, erklärt Plochmann. Totholz ist äußerst wichtig, denn viele Arten – vom Pilz bis zum Kauz – sind darauf angewiesen. Hier sei der Tölzer Forstbetrieb bereits rechts gut aufgestellt. „Wir sind der Betrieb mit dem größten Totholzvorrat. Zudem gibt es pro Hektar elf Biotopbäume.“
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Das neue Programm sei eine gute Ergänzung zu dem, „was wir in Sachen Naturschutz sowieso schon machen“, erklärt der Forstbetriebsleiter. Dazu gehört beispielsweise die Anlage und Pflege von Streuobstwiesen mit Wildäpfel- und Wildbirnbäumen, der Umbau von Fichtenbeständen zu klimabeständigeren Bergmischwäldern und das Bienenprogramm. „Imker dürfen bei uns ihre Stöcke kostenlos aufstellen“, sagt Plochmann. Manche seien auf der Suche nach entlegenen Standorten – beispielsweise im Krottenbachtal. „Für das Nachziehen von Königinnen dürfen keine anderen Bienenarten in der Nähe sein. Im Krottenbachtal ist das möglich.“
