Gedenktafel wird an Dr. Karl Luber erinnern

Dank zweier Zeitzeugen: Ehrung für den „Retter von Wolfratshausen“

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Die Andreasbrücke in Wolfratshausen bewahrte Wehrmachtsmajor Dr. Karl Luber am 30. April 1945 vor der Sprengung durch die „SS“. Die zwei Zeitzeugen Christian Steeb (re.) und Hans Reiser setzten sich für die posthume Ehrung Lubers, der 1977 starb, ein.
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Der „Retter von Wolfratshausen“ erfährt eine posthume Ehrung - dank der Zeitzeugen Christian Steeb und Hans Reiser.

Wolfratshausen – Zwei passionierte Lokal-Historiker haben sich dem Kampf gegen das Vergessen gewidmet. Christian Steeb (82) und Hans Reiser (83) stießen wie berichtet die posthume Ehrung des „Retters von Wolfratshausen“, Dr. Karl Luber, an. An den Wehrmachtsoffizier wird künftig eine Gedenktafel erinnern – nicht nur zur Freude von Steeb und Reiser.

Dank zweier Zeitzeugen: Ehrung für den „Retter von Wolfratshausen“

Major Luber, Jahrgang 1896, war in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs Kommandant des Landesschützen-Bataillons in Wolfratshausen – und verhinderte am 30. April 1945 sowohl die Ermordung von zwei Bürgern durch fanatische „SS“-Schergen als auch die Sprengung der Andreasbrücke, damals Untere Brücke genannt. Dabei riskierte er sein eigenes Leben. Am Abend ging Luber den von Icking herannahenden US-Panzern entgegen und rief den Besatzungen zu: „Hier wird nicht gekämpft. Ich übergebe Ihnen hiermit den Markt Wolfratshausen.“

Hobby-Historiker Steeb hatte die Geschehnisse unter anderem in Zeitzeugengesprächen recherchiert und die Biografie Lubers beleuchtet. Auf Wunsch des Kulturausschusses des Stadtrats nahm Stadtarchivar Simon Kalleder alle noch zur Verfügung stehenden Quellen und Dokumente noch einmal unter die Lupe. Sein Fazit: Steeb habe „sehr gut recherchiert“, seine Darstellungen hätten sich „bestätigt“. Einer posthumen Ehrung Lubers, der 1977 starb, stehe „nicht entgegen“, so Bürgermeister Klaus Heilinglechner.

Die Geschichte ist so verworren. Da ist es wichtig, Klarheit zu schaffen.

Hobby-Historiker Christian Steeb

Die beiden Zeitzeugen des Kriegsendes, Steeb und Reiser, die vor gut zwei Jahren darum gebeten hatten, den „Retter von Wolfratshausen“ öffentlich zu würdigen, sind zufrieden. Steeb, der mehrere Bücher über die Historie der Flößerstadt verfasst hat, stellt fest: „Die Geschichte ist so verworren. Da ist es wichtig, Klarheit zu schaffen.“ Reiser ist froh, dass Bürgermeister und Mandatsträger eine finale Entscheidung getroffen haben. „Wir zwei sind beide über 80 Jahre alt. Ohne uns oder die Gedenktafel würde die Geschichte vermutlich schnell in Vergessenheit geraten“, sagt der ehemalige Stadtrat im Gespräch mit unserer Zeitung.

Gedenktafel vor dem neuen Museum Wolfratshausen aufstellen?

Wo soll die Tafel zum Gedenken an den damaligen Stadtkommandanten Luber einen Platz finden? Darüber hat sich Steeb – er war 1945 fünf Jahre alt – schon Gedanken gemacht. „Eine Tafel an der Andreasbrücke würde ein Passant wahrscheinlich übersehen“, meint der 82-Jährige. Steeb würde es gefallen, wenn die Metalltafel vor dem Museum, nur einen Steinwurf entfernt von der Brücke, installiert würde. Der Vorschlag stößt bei Reiser auf Zustimmung: „Die Eröffnung des Museums am 10. Februar wäre eine schöne Gelegenheit, die Tafel einzuweihen.“

Einen Wunsch haben Christian Steeb und Hans Reiser noch

Egal, wie die Mitglieder des Kulturausschusses – zuständig für Textinhalt, Ausführung und Standort der Gedenktafel – entscheiden: Steeb und Reiser sind froh, dass ihr Vorstoß zum Ziel führte. „Ich bin Herrn Dr. Luber heute noch verbunden“, betont Reiser. „Er hat sich für unsere Stadt mit seinem Leben eingesetzt.“ Für die Kooperation mit seinem Stammtisch-Kollegen Steeb bei der historischen Rekonstruktion der dramatischen Ereignisse am 30. April 1945 sei er dankbar. „Wir haben gut zusammengearbeitet. Christian hat die Fakten recherchiert, ich habe meine persönlichen Erinnerungen mit reingebracht.“

Einen Wunsch haben die beiden aber noch an den Bürgermeister und den Stadtrat: Bis die Gedenktafel angefertigt und aufgestellt ist, mögen „bitte nicht noch einmal zwei Jahre vergehen“. (jg/cce)

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