VonChristoph Petersschließen
Nina und Giulio De Filippo hören zum Jahresende überraschend als Pächter der beliebten Peitinger Eisdiele Pinocchio auf. Wie es weitergeht, ist noch offen.
Peiting – „Cari amici“, „liebe Freunde“, ist der Brief überschrieben, dessen Inhalt sich in den vergangenen Tagen wie ein Lauffeuer in Peiting verbreitet hat. Am Samstag in der Früh hat ihn Nina De Filippo in das Schaufenster der Eisdiele Pinocchio gehängt, die sie und ihr Mann Giulio seit 2013 betreiben. Die Zeilen, die dort zu lesen sind, sie waren ihr in der Nacht davor nicht leicht von der Hand gegangen.
Eisdiele Pinocchio in Peitung schließt: Pächter verabschieden sich mit emotionalen Brief
„Ich habe beim Schreiben geweint“, sagt Nina De Filippo. Doch irgendwie habe sie ja den Peitingern mitteilen müssen, dass es nichts mehr werden würde mit dem zehnjährigen Jubiläum im kommenden Jahr. „Wir werden zum Jahresende aus der Eisdiele ausziehen“, bestätigt De Filippo die traurige Nachricht, die im Schaufenster zu lesen ist, gefolgt von vielen emotionalen Worten des Dankes. Danke heißt es da, „dass Ihr uns das Gefühl gegeben habt, in Peiting zuhause und willkommen zu sein. Danke, dass Ihr es uns mit Eurer Freundlichkeit, mit Eurer Güte, mit der speziellen, magischen Art, die nur ihr Peitinger habt, so einfach gemacht habt, dass wir uns hier wohlfühlen!“
Geplant war dieser Abschied nicht. Gerne hätten die De Filippos weitergemacht, erst im Sommer hatten sie ihren neuen Eisautomaten vor dem Geschäft aufgestellt. Doch am Ende sei man mit dem Verpächter nicht mehr auf einen Nenner gekommen, erklärt Nina De Filippo bedauernd. Genauer möchte sie auf die Gründe nicht eingehen, man sei auch nicht hinausgeworfen worden, ist ihr wichtig zu betonen. „Es hat einfach nicht mehr gepasst.“
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„Ich hätte die Familie liebend gerne weiter im Haus behalten“
Wie aus heiterem Himmel kam die Nachricht vom bevorstehenden Auszug auch für Marita Lutz, der das Haus gehört. Sie hatte die Eisdiele samt Wohnung vor neun Jahren an einen Eisdielenbetreiber aus dem Allgäu verpachtet, der sie wiederum an die De Filippos vermietete. Der Pachtvertrag sei damals über 20 Jahre abgeschlossen worden, sagt Lutz. Noch weiß die Hausbesitzerin nicht, welche Pläne ihr Pächter nach dem Ende der Zusammenarbeit mit der Familie De Filippo verfolgt. Für die kommende Woche sei ein Gesprächstermin vereinbart, so Lutz, die dann hofft, genaueres zur Zukunft der Eisdiele zu erfahren. Auch bei ihr ist das Bedauern über die Entwicklung groß. „Ich hätte die Familie liebend gerne weiter im Haus behalten.“
Wie sehr die De Filippos den Peitingern ans Herz gewachsen sind, zeigen die Reaktionen auf die Abschiedsnachricht. „Das war für mich ein richtiger Schock, denn diese zentrale Eisdiele mit dem super leckeren Eis ist zum Zentrum von Peiting geworden“, schrieb etwa Alpenvereinschef Herwig Skalitza an die Heimatzeitung. Auch online zeigten sich viele bestürzt. „Jeder Peitinger hat sich gefreut, wenn Nina und Gulio am Valentinstag aufgemacht haben“, kommentierte eine Nutzerin bei Facebook. „Ich bin so oft und kauf so gerne bei Euch ein, und ein Besuch in der wunderbaren Eisdiele ist immer für die Seele“, schrieb eine weitere.
Pinocchio-Betreiber wollen am liebsten in Peiting bleiben
Dass so viele Anteil nehmen rührt Nina De Filippo, darauf angesprochen, sichtlich. Mit solch einem Echo habe sie gar nicht gerechnet. Wie es für sie und ihre Familie weitergeht, kann sie selbst noch nicht genau sagen. „Das ist alles noch ganz frisch, auch für uns.“ Man wolle aber am liebsten in Peiting bleiben. Aktuell suche man eine Wohnung und einen Ort, wo man weiter Eis für ihre beiden Eisautomaten produzieren könne. Pläne für eine Eisdiele gebe es erst einmal nicht, sagt die 39-Jährige. Man wolle nicht überstürzt handeln, ist auch auf dem Brief in ihrem Schaufenster zu lesen. „Wir hoffen aber „sehnlichst auf ein Wiedersehen“.
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