- VonTheresa Kuchlerschließen
Sommer ohne Eis: denkbar, aber langweilig. Doch wie viel Arbeit steckt eigentlich hinter so einer gefrorenen Kugel? Nina und Giulio De Filippo vom Eiscafé Pinocchio in Peiting wissen es genau, sie sind Profis im Eismachen. Wir durften ihnen über die Schulter schauen.
Peiting – Der Wecker von Giulio De Filippo klingelt früh. Seit 5 Uhr morgens steht der Italiener in der Eisküche und bereitet die 24 Sorten „Giulios Gelato“ vor, die bei ihm später über die Theke gehen. Von Frucht- zu Milcheis, von den hellen Sorten zu den dunklen, werkelt sich der 38-Jährige fachmännisch durch das Sortiment.
Seine Frau Nina sperrt das Eiscafé in zwei Stunden auf. Heute wird sie mehr Luft zwischen den Gästen haben als in den vergangenen Tagen. Die grauen Wolken, die draußen am Himmel hängen, versperren dem Sonnenschein den Weg – ideales Eis-Ess-Wetter ist das keines. Dafür haben Nina und Giulio einmal Zeit, durchzuschnaufen.
Bei Giulio und Nina De Filippo entsteht handgemachtes Eis nach Geheimrezept
Als Nina in die schmale Küche kommt, schabt ihr Mann gerade das Mark aus einer Vanilleschote. „Im Moment ist es gar nicht so einfach, schöne Vanilleschoten zu bekommen“, sagt die 38-Jährige und beobachtet Giulios routinierte Handgriffe. Er nimmt sich eine Stange nach der nächsten aus dem Edelstahlbehälter, ritzt sie der Länge nach auf und kratzt das wertvolle Aroma heraus. Mit der aktuellen Lieferung sind die Eisdielen-Betreiber zufrieden: Die Schoten aus Madagaskar sind „schön schwarz und nass“ – genau richtig also. Wie viele Schoten Giulio für die fünf bis sechs Liter Vanilleeis braucht, will er aber auf keinen Fall verraten. „Geheimrezept!“
Die De Filippos sind Eismacher in dritter Generation. Schon Ninas Großvater hatte sich mit dem Handwerk selbstständig gemacht, nachdem er in den 30er-Jahren nach Deutschland gekommen war. Sein Sohn schlug denselben Weg ein, später auch Ninas Bruder und Schwester. Gemeinsam mit ihrem Mann hat sich schließlich auch Nina den Traum von der eigenen Eisdiele erfüllt und 2013 das Eiscafé Pinocchio in Peiting eröffnet. „Ich bin einfach ein Eisdielenkind“, sagt die Italienerin und lacht.
Bevor das Eis abgezapft werden kann, muss es durch die „Profimaschine“
Auf Giulios Brettchen hat sich mittlerweile ein Vanille-Hügel angehäuft. Er gibt das Mark in den großen Edelstahlkübel, in dem schon eine Mischung aus frischer Milch, pasteurisierten Eiern und diversen Pülverchen ein weißes Süppchen bildet. Giulio greift den Behälter, stellt ihn unter den Stabmixer und verquirlt die Zutaten zu einer homogenen Masse. Dann landet die Flüssigkeit in der Eismaschine: „Eine Profimaschine“, sagt Giulio. „Ein altes Mädle“, sagt Nina.
Die Italienerin erklärt, dass das Gerät die Masse erst im „Pastorizzatore“, also einem Pasteurisator, erhitzt. Hier kann sich noch einmal alles gut vermischen, letzte Bakterien werden abgetötet, und die Aromen bekommen mehr Intensität. Es piept. „Das bedeutet, dass Giulio jetzt den Hahn öffnen kann“, erklärt Nina. Ihr Mann dreht einen Hebel an der Maschine, und die heiße Flüssigkeit fließt eine Etage tiefer in den Eiskühler. Während die Masse dort gemächlich einfriert, hält sie eine Zentrifuge unentwegt in Bewegung. Nach zehn bis 15 Minuten ist es vollbracht: Giulio kann das frische Eis abzapfen.
24 „Giulios Gelato“: Der Eisautomat in Peiting ist rund um die Uhr im Einsatz
Am Ende liegen 24 Sorten in der Pinocchio-Eistheke. Besonders beliebt sind die Klassiker. „Vanille geht immer.“ Zur Überraschung der De Filippos ist auch Zimt-Eis heiß im Rennen – obwohl das so simpel in der Herstellung ist. „Die Leute fragen da immer danach. Die lieben das“, sagt Giulio und schmunzelt.
Noch mehr Eis-Auswahl gibt es in dem neuen Automaten, den die De Filippos erst vor wenigen Wochen vor ihrer Eisdiele aufgestellt haben – und der bis oben hin mit „Giulios Gelato“ gefüllt ist. 24 Stunden, sieben Tage die Woche, gibt es dort handgemachtes Eis auf Knopfdruck. So können Nina und Giulio ihre Kundschaft auch dann mit Eis versorgen, wenn ihr Café von Ende Oktober bis Anfang Februar im Winterschlaf ist. Bis es soweit ist, läuft die Eisherstellung im Pinocchio aber noch einige Zeit auf Hochbetrieb.
Noch mehr aktuelle Nachrichten aus dem der Region rund um Schongau finden Sie auf Merkur.de/Schongau.
Alle News und Geschichten aus Schongau sind auf unserer Facebook-Seite zu finden.

