VonManuela Schauerschließen
Es ist Oberammergaus dritter Bewerber: Florian Schwarzfischer (BIO) steht für eine Bürgermeister-Kandidatur bereit. Eine Entscheidung, die nicht von langer Hand geplant war.
Oberammergau - Niemand hat ihn kommen sehen. Florian Schwarzfischer überraschte alle: Der 54-Jährige wirft seinen – man könnte fast meinen: angewachsenen – Hut in den Ring, möchte für das Bürgermeisteramt in Oberammergau kandidieren. Damit bekommt es der aktuelle Rathauschef Andreas Rödl (CSU) nicht nur mit Michael Fux von der Parteilosen Wählergemeinschaft als Herausforderer zu tun, sondern auch mit Konkurrenz aus den Reihen der BürgerInitiative Oberammergau, kurz BIO.
Seit Herbst ist der Gedanke gereift, diesen Weg einzuschlagen. „Das war nicht von langer Hand geplant“, sagt der zweifache Vater. Einer aber sollte als Zugpferd für die BIO den „Kopf vorausstrecken“. Dass es sein Kopf sein würde, kommt nicht von ungefähr. Zum einen war Schwarzfischer bei den Kommunalwahlen 2020 der Stimmenkönig der Liste, zum anderen fungiert er als Fraktionsvorsitzender im Gemeinderat, dem er seit 2014 angehört. Seine Meinung vertritt der „Flori“, wie ihn viele nenne, im Gremium konsequent, direkt und ohne Umschweife, steckt dafür auch ab und an Kritik ein. „Ich kann hitzig sein, bin aber ruhiger geworden“, meint er – fügt aber sogleich an: „A Schmarrn ist aber a Schmarrn.“
Bürger soll ein Angebot haben
Schon allein aus dem demokratischen Verständnis heraus, hält es die Gruppierung für sinnvoll, einen Bewerber ins Rennen zu schicken. Der Bürger sollte ein Angebot haben. Schwarzfischer, der in Linderhof aufwuchs, ist kein Freund von politischen Scharmützeln. „Ich möchte mit der Liste nicht gegen einen antreten“, betont er. Weder gegen Fux noch gegen Rödl. Sondern für seine Überzeugungen. Zumal er den Amtsinhaber „menschlich narrisch gern“ mag, er ihm beim Tagesgeschäft keine Vorwürfe machen könne. Bei den großen Weichenstellungen hätte der verheiratete BIO-Mann aber teilweise anders gehandelt.
Die größten Dummheiten hat der Bürger durch Bürgerentscheide verhindert.
Ein Beispiel: das Feuerwehrhaus. Der Selbstständige, der ein Forst- und Baumpflegefachunternehmen führt, zieht eine Sanierung am aktuellen Standort dem nun anvisierten Neubau an der Eugen-Papst-Straße vor. Aus mehreren Gründen: unter anderem wegen der Nähe zum Passionstheater und somit zu den Großveranstaltungen, wegen eines fehlenden Konzepts für den Bestand im Falle eines Umzugs und wegen der Kosten. Der 54-Jährige glaubt, dass die Gemeinde günstiger fahren würde.
Das Schwimmbad ist noch so ein Punkt. Ein Ratsbegehren wie im Sommer hält Schwarzfischer, der sich der finanziellen Situation bewusst ist, per se für richtig. Die Fragestellung? „Die war Selbstmord“, betont er. Und das danach von der CSU vorgeschlagene Dialogverfahren wäre seiner Meinung nach vor dem Votum sinnvoller gewesen. Oft versteht er die Vorgehensweise in der Causa Wellenberg nicht. Gerne wirft er der Verwaltung vor, das Bad voreilig ausgeschlachtet zu haben, auch kann er sich dem Gefühl nicht verwehren, oft bezüglich eingeforderter Infos (etwa eine Liste über vergangene Investitionen) „hingehalten“ zu werden.
Kandidat stuft sich als Außenseiter ein
Das Bad gehört zu den Top-Themen von BIO. Unter anderem aufgrund des Schließungsversuches 2010 wurde die Gruppierung überhaupt erst gegründet. Damals leitete sie einen Bürgerentscheid in die Wege. 2013 folgte der nächste. „Die größten Dummheiten hat der Bürger durch Bürgerentscheide verhindert.“ Gerne sagt man im Ort der PWG und BIO eine gewisse Nähe nach. Tatsächlich existieren bei den großen Themen Gemeinsamkeiten, sagt der 54-Jährige. Doch die Nuancen machen den Unterschied. Gerade beim Wellenberg und den Passionsspielen. Deshalb glaubt der Bürgermeister-Aspirant auch, dass sich die BIO-Unterstützer nicht mit den Gelben identifizieren, beide eine unterschiedliche Wählerschaft haben.
Wie seine Liste den Wahlkampf führen wird, weiß Schwarzfischer noch nicht. Dies gilt es noch zu besprechen. Am Montag findet nun erst einmal die Aufstellungsversammlung statt (19 Uhr, Hotel Wolf). Ob er sich tatsächlich einen Triumph am 8. März 2026 zutraut? „Ich bin kein Träumer“, stellt er klar und stuft sich als Außenseiter ein. Aber „eine Chance hat man immer“.
